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Gegen das Verschwinden

FOKUS
Porträt 4_2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

Geheimnis und Schuld: „Greta und Jannis“ von Sarah Kuratle

1945 1960 1980 2000 2020

Maria Renhardt über den Roman „Greta und Jannis“ von Sarah Kuratle.

1945 1960 1980 2000 2020

Maria Renhardt über den Roman „Greta und Jannis“ von Sarah Kuratle.

„Eine Ruhe, klingend, eine Stille, knisternd, ein Friede und Zauber ist um dieses Liebespaar, das sie waren oder sein werden, ob vor acht oder in einhundert Jahren.“ Schwebend und intensiv nähert sich Sarah Kuratle einer verbotenen Liebe, die untrennbar mit wiederholter Schuld verwoben ist, weil sie Grenzen zu überwinden versucht.

„Greta und Jannis“ ist ein Debütroman. Bislang hat die in Bad Ischl geborene Autorin in Literaturzeitschriften publiziert, vor allem in den manuskripten, und wurde bereits mit Preisen und Stipendien bedacht. Kuratle gilt mittlerweile als interessante literarische Entdeckung, und das zu Recht.

Die Protagonistin Greta lebt schon seit geraumer Zeit bei ihrer Großtante Severine auf einem Bauernhof samt Backstube und goldene Winterfrüchte tragendem Apfelbaum. Bei ihnen sind noch drei andere Kinder, die man Severine jeweils als Babys vor die Tür gelegt hat. Einst hat sich Greta als Jugendliche weiter unten in einem anderen Dorf in den Nachbarsjungen Jannis verliebt. Später stellt sich heraus, dass er ihr Halbbruder ist. Diese Beziehung darf es nicht geben, das ist beiden sofort sonnenklar. Jannis zieht in die Stadt und heiratet, sie flüchtet sich ins einsame letzte Bergdorf zu Severine, aber die Sehnsucht lässt sie dennoch nicht los. Dann ist da noch Cornelio, der aus der Stadt hierhergezogen ist und mit einem halb verfallenen, mystischen Schloss im Gebirge auf geheimnisvolle Weise verbunden ist. Am Ende schließt sich der Kreis und alte Verbindungen entblößen sich.

Kuratle arbeitet in ihrem Roman mit mehreren Ebenen und einem sehr komplexen Zeitgefüge. Ihrer Prosa hat sie kunstvoll Vielschichtigkeit eingeschrieben. Es gibt starke Sujets wie das Leitmotiv des Hutes, den Blick auf die Dichotomie zwischen Stadt und Land oder alte Familienhierarchien, Frauenpower und viel Märchenhaftes. Mit zahlreichen poetischen Bildern und großem Naturbewusstsein erschaff t Kuratle in einer Art Traumkosmos markante Stimmungen und Chiff ren von eindringlicher Symbolkraft. Irgendwann ist dann alles wieder ganz leicht: „Als hätte ein Feuervogel ein Stück vom Dach stibitzt.“

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