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Wilhelm von Oranien (1533 bis 1584). Von Henriette L. T. de Beaufort. Aus dem Holländischen übertragen von Irma S i 1 z e r. Mit einem Titelbild. Verlag C. H. Beck, München. 268 Seiten.

Es ist ein Werk, welches das Bild des Nationalhelden der Niederlande, des großen „Schweigers", das von undurchsichtigen Charakterzügen gewiß nicht frei war, mit Liebe, Sympathie und Wärme formt. Die Autorin hat viele wissenschaftliche Werke über ihren Helden herangezogen; das Vorwort zählt über 150(1) Namen von Autoren auf — warum wird Maria W. Jurriaanle nicht genannt? Trotzdem ist das Buch nicht frei von zahlreichen historischen Unklarheiten und Verstößen. Auch die mitunter recht naiv durchgeführte Gloriole um die Reformatoren und das Hervortreten eines antihabsburgischen und eines antirömischen Ressentiments, etwa in der Tendenz von Goethes Egmont oder Schillers Don Carlos wirken heute, im 20. Jahrhundert, nicht überzeugend. Das sichtliche Bemühen, durch eine Uebersetzung in schöner Sprache, durch Beilagen, welche die Uebersichtlichkeit erhöhen, eine Zeittafel, Register, Uebersetzungen fremdsprachiger Zitate und eine sehr geschmackvolle Ausstattung guten Eindruck zu machen, sind für bestimmte empfindliche Mängel wohl kein vollwertiges Aequivalent.

Geschichte Oesterreichs. Von Hermann G s t e u.

Mit 17 Kartenskizzen und genealogischen Tafeln. 3. Auflage. Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien-München. 554 Seiten. Preis 78 S.

Das bekannte kleine Handbuch, das der Geschichte Oesterreichs schon viele Freunde gewonnen hat, liegt nun in dritter und, wie es scheint, recht gewissenhaft durchgesehener Neuauflage vor uns. Vor allem wurde die Hauptaufgabe eines Buches von kleinem Umfang, den knapp bemessenen Raum auf alle wichtigen Fragen gerecht zu verteilen, in erfreulicher Weise gut gelöst. Die Darstellung ist sorgfältig, die Sprache klar, Sympathien und Antisympathien des Autors halten sich in Grenzen, die dem Ganzen Wärme und persönliche Note geben, ohne gefährlich zu verletzen. Das Verzeichnis des Schrifttums — als Einführung für den nicht fachmännisch geschulten Geschichtsfreund — scheint uns nicht gelungen. Auch die Schreibung einiger Eigennamen (wie Jellačič, Sobieski, aber auch Ulmann) müßte da und dort wohl nochmals genau revidiert werden.

Univ.-Doz. Dr. Alexander Novotny

Die Kirche Christi, Von Dr. Johann N i c o 1 u s s i. Verlag Felicitas Rauch, Innsbruck. 136 Seiten. Preis 21 Sv

Der Bau Christi, das Reich Christi, der Schafstall Christi, das Schifflein Petri und der Leib Christi deuten die Bilder an. unter denen über die Kirche Christi ansprechend geplaudert wird. Ein Anhang bringt die Antwort auf die Frage: Wo ist die Kirche Christi? Die Themen werden, nach Art der Homilien, gründlich, wenn auch nicht erschöpfend, in einfacher, klarer, volkstümlicher Sprache behandelt. Ein apologetischer Einschlag sowie der Einbau modernster Ergebnisse der Wissenschaft halten das Interesse wach. Gut wird immer wieder die Heilige Schrift verwendet. Für Laien eine wertvolle Lektüre, für Priester ein gut brauchbarer Predigtbehelf. Theodor B1 i e w e i s

Astrologie (Wesen) Werden, Bedeutung). Ein psychologisches Problem. Von DDr. Gustav Leb- zeltern. Verlag Franz Deuticke, Wien. 87 Seiten, Preis 24 S.

Die Astrologie der Gegenwart ist, praktisch gesehen, profanierter heidnischer Glaube, der durch wissenschaftliche Verkleidung gerade auch für solche annehmbar gemacht wird, die sich zwar über Religion erhaben dünken, aber dennoch der Sehnsucht nach höherer Führung ihres Lebens nicht entrinnen können. Durch schonungslose Aufdeckung dieses Sachverhaltes wird das Büchlein vielleicht mehr zur Aufklärung breiter Kreise beitragen als eine genaue Kritik auf naturwissenschaftlicher Ebene. Gegen einzelne psychologische Thesen wären allerdings Bedenken anzumelden; einige sonstige Ungenauigkeiten sind für die Hauptsache belanglos.

Univ.-Prof. Dr. K. Ferrari d’O c c h i e p p o

Im Gefängnis ist alles anders. Von Friedrich Matthias. Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main. 224 Seiten. Preis 8.80 DM.

Hier wird in schlichter und doch wirkungsvoller Sprache von der Welt hinter Gittern berichtet. Der Autor gibt aus reicher Erfahrung ein umfassendes Bild von der Problematik des Strafvollzuges in der Bundesrepublik, der dort wie anderswo Gegenstand lebhafter Diskussionen ist. Jede Diskussion kann aber erst fruchtbar werden, wenn man weiß, wie die Dinge in Wirklichkeit liegen. Diese Dinge den Außenstehenden nahegebracht zu haben, ist dem informativen Buch geglückt.

Sehet die Vögel unter dem Himmel. Von

Thomas E. Gaddis. Bechtle-Verlag, Eßlingen am Neckar. 424 Seiten.

Das ist die Geschichte des „Robinson der gesamten Gefängnisliteratur“, Robert Stroud. Sein Leben umfaßt die nordamerikanischen Gefängnisannalen vom Zeitalter der Petroleumlampe bis ins Zeitalter der Wasserstoffbombe. Wegen Mordes büßte der heute Weißhaarige, aber geistig Ungebrochene,

46 Jahre Gefängnis ab, davon 39 Jahre in Einzelhaft. Stroud hatte erlebt, wie sein eigener Galgen errichtet und wieder abgerissen wurde. Präsident Wilson begnadigte ihn kurz vor der Hinrichtung zu lebenslanger Haft. In dem halben Jahrhundert Strafhaft erwarb er sich ein umfassendes Wissen und wurde zum anerkannten Ornithologen, dessen Werk über die Vogelkrankheiten ein gesuchtes Fachbuch ist. Der „Gefangene von Alcatraz" ist eines der großen Rätsel des Strafvollzuges auf der ganzen Welt. Eine packende Reportage, die von Hermann Mostar durch ein interessantes Nachwort bereichert wurde.

Dr. Fritz Egger

Später Sieg. Roman von A. J. Cronin. Titel des englischen Originals; „Crusader’s Tomb." Alfred- Scherz-Verlag, Bern. 371 Seiten.

ln den Romanen des heute 61jährigen Schotten Archibald Joseph Cronin überwuchern die Probleme nie die Kunst. Auf seinen Welterfolg mit der „Zitadelle" folgte eine füllige Ernte. Sein jüngster Roman „Später Sieg“ steht nicht in der ihm vertrauten Umwelt der Aerzte; er ist das Lebensbild eines Malers, eines Fanatikers der Kunst, dem das Malen zur Leidenschaft wird, zum Bedürfnis, stärker als Hunger und Durst, zu einem inneren Zwang, dem er nicht widerstehen kann. Der Leser erfährt von dieser edlen Besessenheit allerdings erst spät. Wie wir es häufig bei Cronin finden, wachsen der Autor und sein Werk nur allmählich in die Größe des Gedankens hinein, und mit ihnen wächst stetig die Anteilnahme des Lesers. Aus einer Reihe von Szenen oder Episoden formt sich mehr und mehr die epische Einheit. Die Schwarzweißmalerei des Realisten in der scharfen Kritik des englischen Puritanismus verbindet sich mit einer federnden Artistik des Wortes. Drei Frauen stehen dem Manne gegenüber: Glyn, die den in erbärmlichste Boheme Gesunkenen zur hochbürgerlichen Welt seiner Herkunft zurückführen will, Emmy, das Mädchen von der Landstraße, eine meisterlich gezeichnete Erscheinung voll Selbstsucht, Grausamkeit und Eitelkeit, und schließlich Jenny, eine schlichte junge Witwe, deren einfaches, frauliches Wesen und mütterliche Wärme ihm alles bürgerliche Glück gibt. Sie bildet eine der schönsten Gestalten in Cronins ganzem Oeuvre. Der schmerzliche, dem Pessimismus zugeneigte Schluß des Buches entspricht der holzschnittartigen Härte, mit der dieser Dichter oftmals das Fazit des Lebenskampfes zieht.

Prof. Dr. Friedrich W a 11 i s c h

Italienreise — 50 Prozent billiger. Voji.G,.E, Angelo. Golf-Verlag, Innsbruck. 91 Seiten. Preis 18 S.

Mit dem Idealismus allein ist es bei Reisen nicht getan, vor allem nicht bei Italienreisen. Klima, Nahrung und Sitten sind gegenüber unseren Breiten so verschieden, daß der Unerfahrene allzu leicht Lehrgeld zahlen muß. Was man wissen muß, um den kleinen und doch so mißlichen Schwierigkeiten des Alltags zu begegnen, bringt dieses Heft in einem netten und humorvollen Ton. Recht ergötzlich ist auch die Erzählung der häufigsten Tricks und Neppmanöver. In Klammer sei jedoch bemerkt, daß der Nepp leider durchaus kein nationales Monopol Italiens ist. Eine zweckmäßige und amüsante Lektüre.

Bayern — von der Vielfalt des unbekannten Bayern zwischen Donau und Main. Von Artur Kreiner. Glock und Lutz Verlag. 217 Seiten mit 20 ganzseitigen Bildern und 7 Textzeichnungen. Preis 9 DM.

Nördlich der Donau, bis zum Main und Thüringer Wald, breitet sich „Bayern außerhalb Altbayern", das heute immer noch mehr unter den alten historischen Namen Franken und Oberpfalz bekannt ist. Reizvolle, abwechslungsreiche Landschaften mit eigenständigen höfischen, geistlichen und patrizischen Bauwerken, dem geistigen Klima nach bereits nicht süd-, sondern mitteldeutsch. Konfessionell bunt gemischt, wie es das „cuius regio eius religio" mit sich brachte. Das liebenswürdige Buch bringt in Lebens- und Landschaftsbildern dieses reich kultur- gesättigte „andere Bayern" dem Leser wirklich nahe.

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