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1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Gesammelte Referate über Einzelattentate und Massenterrorismus.

Das Attentat, schreibt der Althistoriker Alexander Demandt, erfülle "die aristotelischen Forderungen an den Stoff eines guten Dramas: Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung."

Einige der dramatischsten Terrorakte der neuesten Geschichte, von den Schüssen am 28. Juni 1914 in Sarajewo bis zur Zerstörung des World Trade Centers am 11. September 2001, waren das Thema eines Seminars am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Die besten Referate sind nun gedruckt in Buchform erschienen, ergänzt um einen resümierenden Beitrag des veranstaltenden Professors, Michael Gehler.

Dass Studenten Gelegenheit zur Publikation ihrer Seminararbeiten bekommen, geschieht nicht oft - und dies oft nicht ohne Grund. Auch einigen der hier versammelten Texte hätte eine strenge redigierende Hand nicht geschadet. Aber ein großer Teil kann inhaltlich wie sprachlich überzeugen. Die Beiträge über den 20. Juli 1944, den Deutschen Herbst 1977 oder die Ermordung des italienischen Christdemokraten Aldo Moro 1978 bieten nicht nur spannende, konzise Nacherzählungen der dramatischen Ereignisse, sondern sie fragen auch - zumeist kritisch abwägend, mitunter ein wenig spekulativ - nach den Voraussetzungen und Folgen der Attentate.

Im abschließenden Resümee ordnet Michael Gehler die einzelnen Fälle in eine historische Entwicklungslinie ein, die vom modernen Einzelattentat, das auf Entscheidungsträger zielte, zum postmodernen Massenterrorismus reicht, der sich wahllos seine Opfer sucht.

Wie soll Europa mit dem islamistischen Terrorismus des 21. Jahrhunderts umgehen, fragt Gehler am Ende: "Könnte eine Antwort auf den Terrorismus nicht auch darin bestehen, die Politik der anglo-amerikanischen Demokratien kritisch zu hinterfragen und über die, Richtigkeit' der westlichen Lebensformen, dieser von uns als selbstverständlich empfundenen angeblich so modernen, Zivilisation', nachzudenken?"

Ein schönes Kompendium zum Schmökern und Nachdenken! Nur schade, dass es mit 54,90 Euro nicht eben erschwinglich ist.

Von Sarajewo zum 11. September

Einzelattentate und Massenterrorismus. Hg. von Michael Gehler und René Ortner. StudienVerlag, Innsbruck 2007

512 Seiten, geb., € 54,90

Gesammelte Referate über Einzelattentate und Massenterrorismus.

Das Attentat, schreibt der Althistoriker Alexander Demandt, erfülle "die aristotelischen Forderungen an den Stoff eines guten Dramas: Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung."

Einige der dramatischsten Terrorakte der neuesten Geschichte, von den Schüssen am 28. Juni 1914 in Sarajewo bis zur Zerstörung des World Trade Centers am 11. September 2001, waren das Thema eines Seminars am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Die besten Referate sind nun gedruckt in Buchform erschienen, ergänzt um einen resümierenden Beitrag des veranstaltenden Professors, Michael Gehler.

Dass Studenten Gelegenheit zur Publikation ihrer Seminararbeiten bekommen, geschieht nicht oft - und dies oft nicht ohne Grund. Auch einigen der hier versammelten Texte hätte eine strenge redigierende Hand nicht geschadet. Aber ein großer Teil kann inhaltlich wie sprachlich überzeugen. Die Beiträge über den 20. Juli 1944, den Deutschen Herbst 1977 oder die Ermordung des italienischen Christdemokraten Aldo Moro 1978 bieten nicht nur spannende, konzise Nacherzählungen der dramatischen Ereignisse, sondern sie fragen auch - zumeist kritisch abwägend, mitunter ein wenig spekulativ - nach den Voraussetzungen und Folgen der Attentate.

Im abschließenden Resümee ordnet Michael Gehler die einzelnen Fälle in eine historische Entwicklungslinie ein, die vom modernen Einzelattentat, das auf Entscheidungsträger zielte, zum postmodernen Massenterrorismus reicht, der sich wahllos seine Opfer sucht.

Wie soll Europa mit dem islamistischen Terrorismus des 21. Jahrhunderts umgehen, fragt Gehler am Ende: "Könnte eine Antwort auf den Terrorismus nicht auch darin bestehen, die Politik der anglo-amerikanischen Demokratien kritisch zu hinterfragen und über die, Richtigkeit' der westlichen Lebensformen, dieser von uns als selbstverständlich empfundenen angeblich so modernen, Zivilisation', nachzudenken?"

Ein schönes Kompendium zum Schmökern und Nachdenken! Nur schade, dass es mit 54,90 Euro nicht eben erschwinglich ist.

Von Sarajewo zum 11. September

Einzelattentate und Massenterrorismus. Hg. von Michael Gehler und René Ortner. StudienVerlag, Innsbruck 2007

512 Seiten, geb., € 54,90