Ilu - © Illustration: Aleksandra Mizielinska & Daniel Mizielinski /Moritz Verlag

Jugendliteratur von Aleksandra Mizielińska und Daniel Mizieliński: Auf nach Yellowstone!

Es gibt keine weißen Flecken mehr auf dem Planeten. Nicht nur haben Menschen in jedem Winkel der Erde Spuren hinterlassen, sie haben mit ihren Eingriffen Lebensräume grundlegend verändert – und tun das in jedem Augenblick. Seit vielen Jahren sind sich Menschen bewusst, dass damit auch unwiederbringliche Verluste einhergehen. Nationalparks zeugen davon, sie sind Naturdenkmäler und künstliche Reservate. Von dieser Widersprüchlichkeit erzählt das polnische Künstlerpaar Aleksandra Mizielińska und Daniel Mizieliński in seinem großartigen neuen Bilderbuch.

Im Białowieża-Nationalpark, im Westen Polens gelegen, leben Ula das Eichhörnchen und sein Freund Kuba, ein europäischer Bison. Eine Einladung von dessen nordamerikanischer Cousine Dakota in den Yellowstone-Nationalpark bringt die Geschichte ins Laufen und die neugierige und weltoffene Ula und den trägen Kuba in den ältesten Nationalpark der Welt. Weil Dakota aber mittlerweile in Richtung Jiuzhaigou-Nationalpark in China verschwunden ist, um dort mit einem Panda über ein Rezept für ihr vegetarisches Kochbuch zu plaudern, geht auch für Ula und Kuba die Reise weiter. Die Route führt durch Nationalparks in Peru und Namibia, Grönland, Indonesien und Neuseeland und wird auf 130 prall gefüllten und knallbunt eingefärbten Seiten in Form eines Comics dokumentiert.

Jedes der acht Kapitel beginnt mit einem doppelseitigen Eröffnungsbild, auf dem landschaftliche Ausformung, Pflanzen und Tiere des jeweiligen Nationalparks gezeigt werden, dazwischen findet sich eine überwältigende Fülle von Geschichten, Daten und Fakten. Über so eigenwillige Gewächse wie den Bambus und so uralte Lebewesen wie den Waran, über Biodiversität und die Systematik der Tierwelt, über das Leben unter extremen Bedingungen, Endemiten oder die Überformung eines Habitats infolge der Besiedelung von Menschen.

Die große Kunst des Grafikerpaares Mizieliński ist es, fundamentales Wissen und komplexe Zusammenhänge entspannt zu vermitteln. Ihre Wahl der Erzählform des Comics sorgt für eine Lässigkeit, ihr Humor, der sich in den Details zeigt (etwa einem Rotkäppchen auf einer Lichtung des polnischen Nationalparks) wie in der Charakterisierung der Tierfiguren oder in den Dialogen, öffnet Herzen und Hirne. Dass es beides braucht, damit Nationalparks künftig nicht die letzten grünen Flecken auf unserem Planeten sein werden, macht „Auf nach Yellowstone!“ eindrücklich klar.

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