Superglitzer - © Luftschacht

„Superglitzer“: Begegnungen der unbekannten Art

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Der Lektorix des Monats, der Buchpreis von FURCHE, Stube und Institut für Jugendliteratur, geht an „Superglitzer“ von Melanie Laibl und Nele Brönner.

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Der Lektorix des Monats, der Buchpreis von FURCHE, Stube und Institut für Jugendliteratur, geht an „Superglitzer“ von Melanie Laibl und Nele Brönner.

Das Smartphone ist für die meisten Menschen ein fast unentbehrlicher Begleiter in allen Lebenslagen. Stellt man nach einer idyllischen Wanderung durch den Wald fest, dass es nicht mehr dort ist, wo es sein soll, ist Hektik oder Panik eine logische Konsequenz. Aus der Perspektive der Waldbewohner und Waldbewohnerinnen stellt sich das allerdings ganz anders da. Davon erzählen die österreichische Autorin Melanie Laibl und die Berliner Illustratorin Nele Brönner in ihrem witzigen Bilderbuch-Comic.

Schon beim Blick auf das Cover stellen sich Assoziationen zum Monolithen aus Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ ein. Das passt gut, handelt es sich hier doch um eine Begegnung mit einem Gegenstand der unbekannten Art. Dem Klischee entsprechend ist es keine Überraschung, dass die Elster als Erste auf das glänzend-glitzernde Ding aufmerksam wird. Auch Fuchs, Maulwurf, Dachs und Eichhörnchen sind ziemlich neugierig. Und obwohl bald alle vom unbekannten Glitzerding, das die Elster für sich beansprucht, tierisch fasziniert sind, weiß keiner so recht etwas damit anzufangen. Zumal das Ding dann auch noch beginnt, seltsame Laute von sich zu geben.

Ein Trupp gut organisierter und gerissener Ameisen wird zurate gezogen – „die kommen nämlich viel rum“ – und checkt das Ding aus! Dass die kleinen Krabbler das Handy dazu nutzen, um „Pizza mit allem für alle“ zu bestellen, und diversen Schabernack (Spaßanrufe!) damit treiben, ist nur einer der ironischen Verweise auf eher menschliche Wesenszüge. Am Ende verschwindet der „Trampeltiertand“ still und heimlich im Ameisenbau, die Schwarmintelligenz hat wohl noch etwas vor. Bei allen anderen Waldtieren ist der schöne „Glitzerfimmel“ ohnehin vergessen, nachdem sie sich die Bäuche mit extra viel „Formaggio“ vollgeschlagen haben.

Nele Brönners Illustrationen bestechen vor allem durch die außergewöhnlichen Farben: Knalliges Rosa, Türkis und Grün dominieren. Es ist ein besonderes Seherlebnis, wie hier in jedem Panel Flächen und Striche spielerisch kombiniert werden und eine eigene Dynamik erzeugen. Mit gewohnt kreativem Sprachwitz im dialoglastigen Text konstruiert Melanie Laibl eine humorvolle Geschichte, in deren Nebenhandlungen sich auch immer wieder kleine Seitenhiebe in Richtung Umgang mit der Natur und Umwelt finden. Das kann auch dazu anregen, über die eigene Welt zu reflektieren und sie mal mit anderen Augen zu betrachten. In erster Linie aber ist „Superglitzer“ ein super unterhaltsames Bilderbuch für Groß und Klein.

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