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Literatur

Maritimer Totentanz

1945 1960 1980 2000 2020
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Günter Grass über den Untergang der "Wilhelm Gustloff"

Dann und wann schlägt die Klaue des Löwen zu: "Nichts schließt besser als ein Kopf." Oder, noch schärfer: "Da ist es wieder, das verdammte Datum. Die Geschichte, genauer, die von uns angerührte Geschichte ist ein verstopftes Klo. Wir spülen und spülen, die Scheiße kommt dennoch hoch. Zum Beispiel dieser vermaledeite Dreißigste ... auch wenn es so aussah, als habe sich das bis kurz vorm Platzen gemästete Datum im Verlauf der Jahre verschlankt, sei nun harmlos, ein Kalendertag wie viele andere geworden. Wir haben ja Wörter für den Umgang mit der Vergangenheit dienstbar gemacht: sie soll gesühnt, bewältigt werden, an ihr sich abzumühen heißt Trauerarbeit leisten."

Das verdammte Datum ist der 30. Jänner. Am 30. Jänner 1933 ergriff Hitler die Gelegenheit beim Schopf und die Macht, am 30. Jänner 1945 sank, von drei Torpedos eines sowjetischen U-Boots getroffen, das mit schätzungsweise 10.000 Menschen überladene ehemalige Freizeitschiff "Wilhelm Gustloff", ein Symbol des NS-Staates, benannt nach dem am 30. Jänner 1895 geborenen Führer der Schweizer Nazis. Acht- bis neuntausend Menschen starben, was etwa der durchschnittlichen "Tagesleistung" der deutschen Mordmaschinen Auschwitz, Treblinka & Co. in den letzten Kriegsjahren entsprach. Nun aber schrieb Günter Grass eine Novelle über das Ereignis: "Im Krebsgang".

Das Buch startete mit einem lauten Tusch der Medien. Marcel Reich-Ranicki eröffnete mit ihm seine neue Solo-Sendung im Fernsehen (endlich hat er die drei Stichwortbringer vom "Literarischen Quartett" angebracht) und gestand, er weine nicht unter seinem Niveau, dieses Buch aber habe ihn zu Tränen gerührt. Es erinnere ihn an die besten Werke von Günter Grass. Immerhin etwas, wenn es Günter Grass noch gelingt, an den jungen Günter Grass wenigstens zu erinnern. Dass er ihn ein weiteres Mal nicht erreichte, ist damit ja auf eine sehr feine Weise auch gesagt. "Der Spiegel" widmete dem "Krebsgang" eine große Titelgeschichte, Herausgeber Augstein verfasste die Lobeshymne.

Reich-Ranicki, der Grassens Roman "Ein weites Feld" 1995 im Tom überhart, in der Sache gerecht zerfetzt hatte, war beim zutiefst gekränkten Autor mit mehreren Versöhnungsversuchen abgeblitzt. Für die Erkenntnis, dass jede kritische Anmerkung zum "Krebsgang" dem Großkritiker alle Pfade zum Nobelpreisträger nachhaltig verbaut hätte, braucht man kein Kreml-Astrologe der Literatur zu sein. Aber auch das einst so gute Verhältnis zwischen "Spiegel" und Grass war getrübt. Begreiflich, dass man sich bei der kritischen Lektüre freute, endlich wieder einmal Positives sagen zu können.

Auch das politische Klima kommt dem Buch entgegen. Der Untergang der "Wilhelm Gustloff" sei "ein Tabuthema der deutschen Nachkriegsgeschichte und Literatur" gewesen, schrieb der "Spiegel" - eine Behauptung, der Reich-Ranicki entgegentrat. Es habe bloß niemand darüber geschrieben. Auch Grass, ebenso jeder andere, hätte schon vor 20 Jahren darüber schreiben können. Womit er indirekt auf das Feingefühl der Dichter für die Wünsche ihrer Leser hinwies. Erst indem die Berühmtheiten die von sowjetischen Panzern überrollten Flüchtlingskolonnen und das Leid der ostdeutschen Zivilbevölkerung aussparten und diese Themen rechtslastigen Autoren überließen, erzeugten sie den Eindruck, diese Themen seien irgendwie pfui. Nun aber erhielt unter Schröder auch die Politik der SPD einen nationalen Drall.

Grass bettet den Tod der nach neuen Schätzungen acht- bis neuntausend Menschen, gut die Hälfte davon Kinder, in die Geschichte eines Journalisten ein, der, just im Augenblick des Unterganges, auf einem Torpedoboot dem Leib seiner aus dem Wasser gezogenen Mutter entschlüpfte. Lebenslänglich widersteht er deren Forderung, den Untergang der "Wilhelm Gustloff" zu schildern. Was er dann im Auftrag des Grass-Lesern ebenso wie Tulla Pokriefke bereits bekannten "Alten", hinter dem sich Grass höchstselbst verbirgt, doch tut. Dabei motiviert ihn die Entdeckung, dass der junge Mann, der im Internet rund um die "Wilhelm Gustloff" eine rege Neonazi-Aktivität aufgezogen hat, kein anderer als sein von der Oma usurpierter Sohn ist.

Mit dieser leicht verkrampften Handlung kann Günter Grass das ganze entsetzliche Geschehen nicht nur politisch korrekt und schwer missbrauchbar erzählen, sondern auch indirekt, vielfältig gebrochen, ganz in der Tradition der deutschen Literatur nach 1945, unter Vermeidung all jener Techniken der literarischen Reportage, vor denen zwar weder ein Norman Mailer noch ein Gabriel Garcia Marquez zurückschreckten, die aber bei deutschen Autoren verpönt sind. Grass verschränkt Schicksale, Ereignisketten, politische Faktoren, den Tod Wilhelm Gustloffs, der vom jüdischen Studenten David Frankfurter in Davos erschossen und von den Nazis zum "Blutzeugen" hochstilisiert wurde, die Propagandawirkung des klassenlosen Luxusdampfers, die nach dem Krieg konstruierte Legende vom sowjetischen "Mord an Frauen und Kindern": tatsächlich war die "Wilhelm Gustloff" ein Truppentransporter mit grauem Tarnanstrich und Fliegerabwehrgeschützen, auf dem auch über tausend U-Boot-Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht werden sollten, tatsächlich hatte Hitler selbst der Kriegsmarine befohlen, auf alles zu schießen, was sich in der Ostsee bewegte.

Trivialität als Methode

Das Buch hat hervorragende, erschütternde Stellen. Es sind vor allem die indirekt reportagehaften, in denen Grass den Weg des Schiffes ins Unheil und den Tod Tausender im Meer treibender oder eingeschlossener Menschen schildert. Die Zustände im überfüllten Schiff. Die Fehlentscheidungen der ständig streitenden vier Kapitäne. Sie fahren aus Angst um eine fragwürdige Schweißnaht so langsam, dass sie der sowjetische U-Boot-Kommandant Marinesko leicht überholen kann, schalten die Positionslichter ein, um nicht mit einem vermeintlich entgegenkommenden deutschen Verband zusammenzustoßen, können sich nicht einmal auf einen Zickzackkurs einigen, um Angriffe zu erschweren, und selbstverständlich sind alle vier unter den Geretteten. Die Erzählperspektive pendelt geschickt zwischen der dokumentarischen und der hohlen Eintönigkeit wieder und wieder erzählter Kriegserlebnisse: "Da hab ech kaine Töne fier". Realismus der Trivialität.

Grass verwertet Augenzeugenberichte, von den Blitzen hinter den Panzerglasscheiben des Promenadendecks (eingeschlossene Offiziere erschossen ihre Frauen und Kinder) bis zu den Füßen Hunderter im Wasser treibender toter Kinder, die in ungeeigneten Schwimmwesten umgekippt waren. Vom Tod Hunderter Marinehelferinnen, die im vom zweiten Torpedo getroffenen leeren Schwimmbad untergebracht waren und von denen nur zwei oder drei entkamen, bis zum sofortigen Schließen der Schotten nach dem ersten Treffer, wodurch zahlreiche Mannschaftsmitglieder im Vorschiff eingeschlossen wurden, darunter ausgerechnet jene Matrosen, die "auf das geordnete Besetzen und Fieren der Rettungsboote vorbereitet worden waren".

Doch selten hat Grass auch in solchem Ausmaß Ausdrucksnot zur Stiltugend gemacht. "Während in meinem Bericht zwei Schiffe einander näher und näher kommen, aber nichts Entscheidendes geschieht, bietet sich Gelegenheit, die Alltagsumstände in einer Graubündener Haftanstalt zu vermerken. Dort saßen an jenem Dienstag..." Auch einem unbedarfteren Erzähler würde ich solche Verlegenheitsfloskeln ungern nachsehen. Oder: "Bevor aber an dieser Stelle Marineskos Feuerbefehl erfolgt und nicht mehr zurückgenommen werden kann, muss eine überlieferte Legende in meinen Bericht eingeschoben werden."

Vieles wirkt flüchtig, ungenau, als hätte es Grass beim Schreiben eilig gehabt, was in Anbetracht des Sujets und des "verdammten Datums" nicht unwahrscheinlich ist: "Sobald aber jemand versuchte, sich als Surfer von den Balearen oder aus Oslo zwischen ihr Zwiegespräch zu drängen..." Zwischen sie oder in ihr Gespräch vielleicht, doch "zwischen ihr Zwiegespräch", das darf einem untermittelprächtigen Sachbuchautor entlaufen, aber keinem Günter Grass.

Am Ende: Knalleffekt im Wortsinn. Der Ausblick ist grauenhaft: Der Sohn des Erzählers sitzt im Gefängnis, aber jene, die ihn zum Helden machen wollen, warten schon. "Das hört nicht auf. Nie hört das auf."

IM KREBSGANG

Eine Novelle von Günter Grass

Steidl Verlag, Göttingen 2002

216 Seiten, geb., e 18,50/öS 255,-

Günter Grass über den Untergang der "Wilhelm Gustloff"

Dann und wann schlägt die Klaue des Löwen zu: "Nichts schließt besser als ein Kopf." Oder, noch schärfer: "Da ist es wieder, das verdammte Datum. Die Geschichte, genauer, die von uns angerührte Geschichte ist ein verstopftes Klo. Wir spülen und spülen, die Scheiße kommt dennoch hoch. Zum Beispiel dieser vermaledeite Dreißigste ... auch wenn es so aussah, als habe sich das bis kurz vorm Platzen gemästete Datum im Verlauf der Jahre verschlankt, sei nun harmlos, ein Kalendertag wie viele andere geworden. Wir haben ja Wörter für den Umgang mit der Vergangenheit dienstbar gemacht: sie soll gesühnt, bewältigt werden, an ihr sich abzumühen heißt Trauerarbeit leisten."

Das verdammte Datum ist der 30. Jänner. Am 30. Jänner 1933 ergriff Hitler die Gelegenheit beim Schopf und die Macht, am 30. Jänner 1945 sank, von drei Torpedos eines sowjetischen U-Boots getroffen, das mit schätzungsweise 10.000 Menschen überladene ehemalige Freizeitschiff "Wilhelm Gustloff", ein Symbol des NS-Staates, benannt nach dem am 30. Jänner 1895 geborenen Führer der Schweizer Nazis. Acht- bis neuntausend Menschen starben, was etwa der durchschnittlichen "Tagesleistung" der deutschen Mordmaschinen Auschwitz, Treblinka & Co. in den letzten Kriegsjahren entsprach. Nun aber schrieb Günter Grass eine Novelle über das Ereignis: "Im Krebsgang".

Das Buch startete mit einem lauten Tusch der Medien. Marcel Reich-Ranicki eröffnete mit ihm seine neue Solo-Sendung im Fernsehen (endlich hat er die drei Stichwortbringer vom "Literarischen Quartett" angebracht) und gestand, er weine nicht unter seinem Niveau, dieses Buch aber habe ihn zu Tränen gerührt. Es erinnere ihn an die besten Werke von Günter Grass. Immerhin etwas, wenn es Günter Grass noch gelingt, an den jungen Günter Grass wenigstens zu erinnern. Dass er ihn ein weiteres Mal nicht erreichte, ist damit ja auf eine sehr feine Weise auch gesagt. "Der Spiegel" widmete dem "Krebsgang" eine große Titelgeschichte, Herausgeber Augstein verfasste die Lobeshymne.

Reich-Ranicki, der Grassens Roman "Ein weites Feld" 1995 im Tom überhart, in der Sache gerecht zerfetzt hatte, war beim zutiefst gekränkten Autor mit mehreren Versöhnungsversuchen abgeblitzt. Für die Erkenntnis, dass jede kritische Anmerkung zum "Krebsgang" dem Großkritiker alle Pfade zum Nobelpreisträger nachhaltig verbaut hätte, braucht man kein Kreml-Astrologe der Literatur zu sein. Aber auch das einst so gute Verhältnis zwischen "Spiegel" und Grass war getrübt. Begreiflich, dass man sich bei der kritischen Lektüre freute, endlich wieder einmal Positives sagen zu können.

Auch das politische Klima kommt dem Buch entgegen. Der Untergang der "Wilhelm Gustloff" sei "ein Tabuthema der deutschen Nachkriegsgeschichte und Literatur" gewesen, schrieb der "Spiegel" - eine Behauptung, der Reich-Ranicki entgegentrat. Es habe bloß niemand darüber geschrieben. Auch Grass, ebenso jeder andere, hätte schon vor 20 Jahren darüber schreiben können. Womit er indirekt auf das Feingefühl der Dichter für die Wünsche ihrer Leser hinwies. Erst indem die Berühmtheiten die von sowjetischen Panzern überrollten Flüchtlingskolonnen und das Leid der ostdeutschen Zivilbevölkerung aussparten und diese Themen rechtslastigen Autoren überließen, erzeugten sie den Eindruck, diese Themen seien irgendwie pfui. Nun aber erhielt unter Schröder auch die Politik der SPD einen nationalen Drall.

Grass bettet den Tod der nach neuen Schätzungen acht- bis neuntausend Menschen, gut die Hälfte davon Kinder, in die Geschichte eines Journalisten ein, der, just im Augenblick des Unterganges, auf einem Torpedoboot dem Leib seiner aus dem Wasser gezogenen Mutter entschlüpfte. Lebenslänglich widersteht er deren Forderung, den Untergang der "Wilhelm Gustloff" zu schildern. Was er dann im Auftrag des Grass-Lesern ebenso wie Tulla Pokriefke bereits bekannten "Alten", hinter dem sich Grass höchstselbst verbirgt, doch tut. Dabei motiviert ihn die Entdeckung, dass der junge Mann, der im Internet rund um die "Wilhelm Gustloff" eine rege Neonazi-Aktivität aufgezogen hat, kein anderer als sein von der Oma usurpierter Sohn ist.

Mit dieser leicht verkrampften Handlung kann Günter Grass das ganze entsetzliche Geschehen nicht nur politisch korrekt und schwer missbrauchbar erzählen, sondern auch indirekt, vielfältig gebrochen, ganz in der Tradition der deutschen Literatur nach 1945, unter Vermeidung all jener Techniken der literarischen Reportage, vor denen zwar weder ein Norman Mailer noch ein Gabriel Garcia Marquez zurückschreckten, die aber bei deutschen Autoren verpönt sind. Grass verschränkt Schicksale, Ereignisketten, politische Faktoren, den Tod Wilhelm Gustloffs, der vom jüdischen Studenten David Frankfurter in Davos erschossen und von den Nazis zum "Blutzeugen" hochstilisiert wurde, die Propagandawirkung des klassenlosen Luxusdampfers, die nach dem Krieg konstruierte Legende vom sowjetischen "Mord an Frauen und Kindern": tatsächlich war die "Wilhelm Gustloff" ein Truppentransporter mit grauem Tarnanstrich und Fliegerabwehrgeschützen, auf dem auch über tausend U-Boot-Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht werden sollten, tatsächlich hatte Hitler selbst der Kriegsmarine befohlen, auf alles zu schießen, was sich in der Ostsee bewegte.

Trivialität als Methode

Das Buch hat hervorragende, erschütternde Stellen. Es sind vor allem die indirekt reportagehaften, in denen Grass den Weg des Schiffes ins Unheil und den Tod Tausender im Meer treibender oder eingeschlossener Menschen schildert. Die Zustände im überfüllten Schiff. Die Fehlentscheidungen der ständig streitenden vier Kapitäne. Sie fahren aus Angst um eine fragwürdige Schweißnaht so langsam, dass sie der sowjetische U-Boot-Kommandant Marinesko leicht überholen kann, schalten die Positionslichter ein, um nicht mit einem vermeintlich entgegenkommenden deutschen Verband zusammenzustoßen, können sich nicht einmal auf einen Zickzackkurs einigen, um Angriffe zu erschweren, und selbstverständlich sind alle vier unter den Geretteten. Die Erzählperspektive pendelt geschickt zwischen der dokumentarischen und der hohlen Eintönigkeit wieder und wieder erzählter Kriegserlebnisse: "Da hab ech kaine Töne fier". Realismus der Trivialität.

Grass verwertet Augenzeugenberichte, von den Blitzen hinter den Panzerglasscheiben des Promenadendecks (eingeschlossene Offiziere erschossen ihre Frauen und Kinder) bis zu den Füßen Hunderter im Wasser treibender toter Kinder, die in ungeeigneten Schwimmwesten umgekippt waren. Vom Tod Hunderter Marinehelferinnen, die im vom zweiten Torpedo getroffenen leeren Schwimmbad untergebracht waren und von denen nur zwei oder drei entkamen, bis zum sofortigen Schließen der Schotten nach dem ersten Treffer, wodurch zahlreiche Mannschaftsmitglieder im Vorschiff eingeschlossen wurden, darunter ausgerechnet jene Matrosen, die "auf das geordnete Besetzen und Fieren der Rettungsboote vorbereitet worden waren".

Doch selten hat Grass auch in solchem Ausmaß Ausdrucksnot zur Stiltugend gemacht. "Während in meinem Bericht zwei Schiffe einander näher und näher kommen, aber nichts Entscheidendes geschieht, bietet sich Gelegenheit, die Alltagsumstände in einer Graubündener Haftanstalt zu vermerken. Dort saßen an jenem Dienstag..." Auch einem unbedarfteren Erzähler würde ich solche Verlegenheitsfloskeln ungern nachsehen. Oder: "Bevor aber an dieser Stelle Marineskos Feuerbefehl erfolgt und nicht mehr zurückgenommen werden kann, muss eine überlieferte Legende in meinen Bericht eingeschoben werden."

Vieles wirkt flüchtig, ungenau, als hätte es Grass beim Schreiben eilig gehabt, was in Anbetracht des Sujets und des "verdammten Datums" nicht unwahrscheinlich ist: "Sobald aber jemand versuchte, sich als Surfer von den Balearen oder aus Oslo zwischen ihr Zwiegespräch zu drängen..." Zwischen sie oder in ihr Gespräch vielleicht, doch "zwischen ihr Zwiegespräch", das darf einem untermittelprächtigen Sachbuchautor entlaufen, aber keinem Günter Grass.

Am Ende: Knalleffekt im Wortsinn. Der Ausblick ist grauenhaft: Der Sohn des Erzählers sitzt im Gefängnis, aber jene, die ihn zum Helden machen wollen, warten schon. "Das hört nicht auf. Nie hört das auf."

IM KREBSGANG

Eine Novelle von Günter Grass

Steidl Verlag, Göttingen 2002

216 Seiten, geb., e 18,50/öS 255,-