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Neue Werke über Sankt Paul

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Paulus, Eroberer für Christus. Von Daniel- Rops. Aus dem Französischen übertragen von Alfred Buttlar Moscon. Verlag Herold, Wien. 261 Seiten. Preis S 31.—.

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Paulus, Eroberer für Christus. Von Daniel- Rops. Aus dem Französischen übertragen von Alfred Buttlar Moscon. Verlag Herold, Wien. 261 Seiten. Preis S 31.—.

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Der berühmte Verfasser hat die Bedeutung des hl. Paulus bereits im zweiten Kapitel eines früheren Werkes („Die Kirche in der Zeit der Apostel und Märtyrer“, siehe „Furche“, 15. März) beschrieben, und zwar als einen der wichtigsten Faktoren in der Entwicklung des Frühchristentums. In diesem neuen Werk schildert er vor allem die Persönlichkeit des Völkerapostels, die an sich so reich und fesselnd ist, daß sie ohne Zweifel eine eigene neue Biographie verdient. Es handelt sich also in diesem Werk nicht um eine erweiterte Neuausgabe eines früheren Buches oder Abschnittes, sondern um eine vollkommen neue Darstellung. Sie ist daher auch für einen anderen, viel weiteren Leserkreis bestimmt. Während das erste Werk uns vor allem belehren will, verfolgt das hier angekündigte den Zweck, die Leser für die Person und die Tätigkeit des hl. Paulus zu begeistern. Darum verzichtet der Verfasser hier auch auf jeden Schein von Gelehrsamkeit und auf jede Spur wissenschaftlichen Apparats.

Daniel-Rops beschränkt sich auf die Schilderung der „irdischen Abenteuer des Apostels und schenkt uns damit die Grundlage für eine weitere Studie über Paulus als Mystiker, Theologen und Moralisten, welches Werk er jetzt zu schreiben plant. In diesem „Paulus“ lernt der Leser einen Geisteshelden kennen, der lediglich mit den Waffen des Geistes das Antlitz der Erde verwandelt hat. Darüber hinaus beschreibt Daniel-Rops, wie zu erwarten war, mit besonderer Vorliebe den „Schriftsteller“ Paulus — in einer Weise, die durch ihre Klarheit und das Urteil eines „Wissenden“ um so mehr überzeugt.

Was bei dieser deutschen Ausgabe unmittelbar auffällt, ist die Beherrschung der Materie und die ausgezeichnete, fast kongeniale Übertragung, zu der wir dem Verlag und vor allem dem Übersetzer nur gratulieren können. Es gibt wenige Übersetzer, die die wirtschaftliche und geistige Umwelt des Frühchristentums so gut kennen, aber noch kleiner ist die Zahl derer, die dieses Wissen in eine so flexible und schöne Sprache zu kleiden verstehen.

Paulus baut die Weltkirche. Ein Missi- onsbuch. (St.-Gabrieler Studien, X, Band.) Von Anton Freitag S. V. D. St.-Gabriel- Verlag, Mödling 1952.

Der Verfasser, der sich bereits seit 1911 mit diesem Thema beschäftigt hat, schenkt uns nun dieses klar geschriebene und übersichtlich gegliederte Buch als reife Frucht einer langjährigen Forschungsarbeit auf dem Gebiete der Exegese und der Missiologie. Während in den ersten acht Kapiteln eine tiefschürfende Analyse der paulinischen Missionstätigkeit geboren wird, enthalten die letzten fünf eine äußerst interessante Synthese unter anderen über die Missionsmethode, die Missionspredigt und vor allem über die Missionstheologie des hl. Paulus.

Obwohl das Werk allen wissenschaftlichen Anforderungen entspricht, ist der Text doch einfach und allgemein verständlich geschrieben. Vor allem werden Missionäre das Buch dankbar und mit großem Nutzen lesen, aber auch die neutestamentliche Wissenschaft und die Missiologie haben durch dieses Werk eine bedeutende Bereicherung erfahren. Daß diese Studie vorzüglich gearbeitet ist, sieht man auf den ersten Blick, vor allem an den kritischen Anmerkungen (die jedoch die Lesbarkeit des Textes nicht beinträchtigen) und an der reichhaltigen Bibliographie, die neben deutschen, französischen und englischen Werken auch italienische und holländische Untersuchungen erwähnt.

Die Wandlung des Lotos. Von Herbert Tichy. Ullstein-Verlag, Wien. 232 Seiten.

Auch in dieser Schilderung seines Wiedersehens mit Indien, nach dem zweiten Weltkrieg, erfüllt Tichy die hochgespannten Erwartungen, mit denen man seit Jahren gewohnt ist, jede Neuerscheinung aus seiner Feder zur Hand zu nehmen- auch hier wieder erweist er sich als ein vorbildlicher Reiseberichterstatter und als Meister sowohl der Beobachtung wie der anschaulichen und lebendigen Wiedergabe dessen, was er, mit stets offenen Augen auch für das kleine Detail, auf seiner Fahrt erlebt und erfahren hat. Er schreibt eine klare und einfache Sprache, mit Liebe und Humor, und frei von jedem Pathos: er beurteilt wohl und stellt manche Tatsachen fest, ohne aber, und darin liegt ein besonderer Vorzug dieses Buches, zu dem tiefgreifenden Wandel, der in Indien seit Kriegsende eingetreten ist, persönlich Stellung zu nehmen. Er überläßt es dem Leser, sich selbst die Frage zu beantworten — falls das heute noch eine Frage sein kann —, ob das Ende der britischen Herrschaft in Indien, gefolgt von der Zerreißung und Verpolltisierung dieses Subkontinents, der richtige und zeitgemäße Weg war, um den wahren Interessen der indischen Völker zu dienen.

Besonders bemerkenswert sind auch die ausgezeichneten, größtenteils vom Autor selbst aufgenommenen Photographien, die dem Buch beigefügt sind.

Unter Korallen und Haien, Abenteuer in der Karibischen See. Von Hans H a 6 s. Ullstein- Verlag, Wien. 175 Seiten mit 77 Bildseiten und 3 Kartenskizzen.

Durch das dämmerige Dunkel der Karibischen See stößt, die Harpune voran, ein seltsames, flo6senbewehrte6 Wesen: ein Mensch auf der Unterwasserjagd. Der Wiener Student Hans Hass hatte diese seltsame und spannende Abart des Waidwerks den Südseeinsulanern nachge6taltet. Sie führt zu atemraubenden Begegnungen und Kämpfen mit Haien und Riesenmollusken, aber auch — denn Haß ist ebensosehr Forscher wie Jäger —, zu wertvollsten Beobachtungen und prachtvollen Photoaufnahmen von bizarrsten, phantastischesten Lebewesen. Has6 und seine Kameraden genießen diese gefährlichen Forschungsfahrten unter dem Meeresspiegel mit einer Freude und Gegenwartsnähe, die au6 jeder Zeile dieses glänzend geschriebenen Buches spricht. Man denkt an Kapitän Nemo6 Unterwasserjagden und -Wanderungen — wieder einmal hat Jules Verne die Wirklichkeit vorhergeahnt, nur daß diese noch phantastischer und anregender ist, als das vorausschauende Produkt der Phantasie.

Das Mietengesetz und die einschlägigen Bestimmungen einschließlich des Wohnungsanforderungsgesetzes. Herausgegeben von Dr. Karl Z i n g h e r. 8. Auflage, Verlag Manz, Wien. 243 Seiten.

Mit der Neuauflage des bekannten und bewährten Bandes steht allen Interessenten der Text des Mietengesetzes in der geltenden Fassung — in dem die Änderungen durch die Novellen 1950 und 1951 durch Unterstreichen hervorgehoben sind — wieder zur Verfügung. Leider sind dem Verfasser diesmal einige Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Beispielsweise fehlt im Abschnitt über die Zinsbildung die Kundmachung vom 10. November 1951, ZI. 153.550-11/1951, („Wiener Zeitung“ vom 11. November 1951), obwohl die Kundmachung vom 18. November 1951, ZI. 157.407-11/1951, durch die der Anwendungsbereich der erstgenannten Kundmachung ausgedehnt wurde, im Anhang auf Seite 224 f. abgedruckt ist. Oder es ist im Inhaltsverzeichnis die aufgehobene Mietkommissionsverordnung vom 16. Dezember 1922 angeführt, während auf Seite 76 ff. richtig die geltende Mietkommissionsverordnung vom 1. Februarl951 wiedergegeben ist. Die Erläuterungen der in“ Nr. 38/50 besprochenen 7. Auflage sind durch solche der Mietengesetznovellen 1950 und 1951 ersetzt und der Entscheidungsteil auf den letzten Stand gebracht..

Graphisches Handbuch des Bundes österreichischer Gebrauchsgraphiker. Verlag Gerlach & Wiedling, Wien.

Was man unter Gebrauchsgraphik versteht, braucht wohl heutzutage nicht erklärt werden. Ihr Gebiet reicht weit: Buchgraphik, Plakate, Waren- und Firmenzeichen, Exlibris, Entwurf eines Briefpapiers usw. Wir finden in dem Handbuch eine Fülle von gebrauchsgraphischen Schöpfungen, die alle schon ihren erfolgreichen Weg in die Praxis genommen haben, und 6ind von den gezeigten Leistungen beeindruckt. Im Textteil wird der Werdegang einer Gebrauchsgraphik beschrieben, weiter wird auf die Mitarbeiterschaft der Typographie hingewiesen, die ja auch schwesterngleich zu werten ist. Ferner werden die Druck - und Reproduktionsverfahren in kurzer Weise erläutert, die zur Vervielfältigung gebrauchsgraphischer Schöpfungen notwendig sind. Solche kurzgefaßte Hinweise auf Drucktechniken verwirren aber zumeist den Besteller (in diesem Falle den Leser). Auch treten Flüchtigkeitsfehler auf, wie zum Beispiel Seite 47, elfte Zeile von unten; hier heißt es: „So reiht sich Buchstabe an Buchstabe, bis die Zeile voll ist, dann erst werden die Zwischenräume zwischen den Worten und Sätzen .ausgeschlossen’.“ Dieser Satz führt zur Annahme, daß Wortzwischenräume erst nachdem die Zeile fertiggesetzt ist, eingefügt werden. Da6 ist nicht richtig Die Wortzwischenräume werden gleichzeitig mitgesetzt. Bei einem Neudruck wäre hier eine entsprechende Korrektur vorzunehmen. Da6 Handbuch ist 6atz- und drucktechnisch überlegt und sauber gearbeitet.

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