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Literatur

Nicht spezifisch

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Andrea Maria Dusl bleibt an der österreichischen Oberfläche.

Die österreichische Oberfläche" kommt im saloppen grau-braunen Papp-Cover daher. Dahinter verbirgt sich ein Buch mit vielen kurzen Kapiteln, die einzelne Aspekte der österreichischen Kultur, Geschichte und Lebensart behandeln, zum Beispiel die Bedeutung der Nationalflagge oder die landesüblichen Grußfloskeln.

Die Wahl dieser Form ist vermutlich dem Beruf der Autorin geschuldet. Andrea Maria Dusl ist - unter anderem - Kolumnistin beim "Falter", wo sie Leser-Fragen zu den verschiedensten Sachthemen beantwortet, und sie betreibt als "Comandantina Dusilova" ein Weblog, wo sich auch einige der in dem Buch veröffentlichten Texte wiederfinden. Die Dusl/Dusilova ist zudem Zeichnerin und so hat sie ihr Werk mit hübschen Vignetten geschmückt, die zum Beispiel eine Semmel, eine Straßenbahn oder ein Bakelit-Telefon darstellen.

"Die österreichische Oberfläche" heißt das Buch deshalb, weil die Autorin die interessante These vertritt, dass Österreich nur aus seiner Oberfläche besteht, also hinter selbiger nichts vorhanden ist. Das hat den praktischen Vorteil, dass sie nicht tief schürfen, sondern nur Oberflächenphänomene beschreiben muss, was sie oft aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel heraus tut.

Doch viele Merkmale, die Andrea Dusl als Spezifika Österreichs beschreibt, treffen auf andere Länder ebenfalls zu. Zum Beispiel hört man das von vielen als linguistische Peinlichkeit empfundene Wort "Handy" für Mobiltelefon auch in Deutschland. Ebenso ist die an Supermarktkassen zuweilen spürbare Hektik, die Frau Dusl in Österreich beklagt, überall zu vermelden, wo der Konsumfordismus sich durchgesetzt hat, das heißt fast auf der ganzen Welt.

Weiters gibt es die von ihr porträtierte Schicht der "Bobos" (bourgeoise Bohemiens) nicht nur in Wien, sondern genauso in Hamburg oder Köln. Insofern ist "Die österreichische Oberfläche" eines von sich mehrenden Indizien, dass der Unterschied zwischen Österreich und Nicht-Österreich, namentlich Deutschland, zu schwinden droht.

Wäre da nicht die Geschichte! Die Geschichte, aus deren reichem Fundus an Histörchen Dusl manches nacherzählt, von der ersten Erwähnung des Wortes "Ostarrichi" anno 996 bis zur Angelobung der Schüssel-Haider-Regierung im Jahr 2000 und darüber hinaus, wobei sich die Autorin stets der Mythenzerstörung befleißigt. So referiert sie etwa die These des Salzburger Slawisten Otto Kronsteiner, der zufolge "Ostarrichi" nicht die vulgärsprachliche Übersetzung von "Marchia orientalis" (Ostmark) sei, sondern auf slawisch "Ostarik" (Spitzberg) zurückgehe.

Die österreichische Oberfläche

Österreich findet am Übergang zwischen Innen und Außen statt

Von Andrea Maria Dusl

Residenz Verlag, Wien 2007

240 Seiten, brosch., € 19,90

Andrea Maria Dusl bleibt an der österreichischen Oberfläche.

Die österreichische Oberfläche" kommt im saloppen grau-braunen Papp-Cover daher. Dahinter verbirgt sich ein Buch mit vielen kurzen Kapiteln, die einzelne Aspekte der österreichischen Kultur, Geschichte und Lebensart behandeln, zum Beispiel die Bedeutung der Nationalflagge oder die landesüblichen Grußfloskeln.

Die Wahl dieser Form ist vermutlich dem Beruf der Autorin geschuldet. Andrea Maria Dusl ist - unter anderem - Kolumnistin beim "Falter", wo sie Leser-Fragen zu den verschiedensten Sachthemen beantwortet, und sie betreibt als "Comandantina Dusilova" ein Weblog, wo sich auch einige der in dem Buch veröffentlichten Texte wiederfinden. Die Dusl/Dusilova ist zudem Zeichnerin und so hat sie ihr Werk mit hübschen Vignetten geschmückt, die zum Beispiel eine Semmel, eine Straßenbahn oder ein Bakelit-Telefon darstellen.

"Die österreichische Oberfläche" heißt das Buch deshalb, weil die Autorin die interessante These vertritt, dass Österreich nur aus seiner Oberfläche besteht, also hinter selbiger nichts vorhanden ist. Das hat den praktischen Vorteil, dass sie nicht tief schürfen, sondern nur Oberflächenphänomene beschreiben muss, was sie oft aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel heraus tut.

Doch viele Merkmale, die Andrea Dusl als Spezifika Österreichs beschreibt, treffen auf andere Länder ebenfalls zu. Zum Beispiel hört man das von vielen als linguistische Peinlichkeit empfundene Wort "Handy" für Mobiltelefon auch in Deutschland. Ebenso ist die an Supermarktkassen zuweilen spürbare Hektik, die Frau Dusl in Österreich beklagt, überall zu vermelden, wo der Konsumfordismus sich durchgesetzt hat, das heißt fast auf der ganzen Welt.

Weiters gibt es die von ihr porträtierte Schicht der "Bobos" (bourgeoise Bohemiens) nicht nur in Wien, sondern genauso in Hamburg oder Köln. Insofern ist "Die österreichische Oberfläche" eines von sich mehrenden Indizien, dass der Unterschied zwischen Österreich und Nicht-Österreich, namentlich Deutschland, zu schwinden droht.

Wäre da nicht die Geschichte! Die Geschichte, aus deren reichem Fundus an Histörchen Dusl manches nacherzählt, von der ersten Erwähnung des Wortes "Ostarrichi" anno 996 bis zur Angelobung der Schüssel-Haider-Regierung im Jahr 2000 und darüber hinaus, wobei sich die Autorin stets der Mythenzerstörung befleißigt. So referiert sie etwa die These des Salzburger Slawisten Otto Kronsteiner, der zufolge "Ostarrichi" nicht die vulgärsprachliche Übersetzung von "Marchia orientalis" (Ostmark) sei, sondern auf slawisch "Ostarik" (Spitzberg) zurückgehe.

Die österreichische Oberfläche

Österreich findet am Übergang zwischen Innen und Außen statt

Von Andrea Maria Dusl

Residenz Verlag, Wien 2007

240 Seiten, brosch., € 19,90