Digital In Arbeit

Ohne Wallander

Der bewährte Inspektor hat ausgedient. Doch Mankells Krimis leben weiter.

Diese Aufmachung verspricht immer einen Krimi. Auch der Umfang des Buches zeigt den Fans, dass hier ein neues Mankellsches Thrillervergnügen vorliegt. Über 400 Seiten hatten seine Kriminalromanebisher immer, und fast alle ließen die Leser bis zum Ende den Atem anhalten.

Was diesen Krimi spannender macht, ist der Umstand, dass hier endlich neue Personen spielen - eine Verbesserung insofern, als Inspektor Wallanders kulturpessimistische Sichtweisen schon etwas gelangweilt haben. Hier begegnet ein neuer Ermittler, Stefan Lindman, 37, auch er hat natürlich, wie es sich heutzutage in Krimis so gehört, persönliche Probleme.

Seines ist sehr ernst: diagostizierter Krebs. Er bangt um seine Zukunft. Zudem wird er auch indirekt persönlich mit in den Fall hineingezogen werden, aber das kann er am Anfang der Ermittlungen noch nicht wissen.

Eigentlich ist er freiberuflich unterwegs, in Gefilden, die nicht seine sind, aber die Ermordung seines ehemaligen Kollegen lässt ihm keine Ruhe und Ablenkung tut ihm auch nicht schlecht. So mischt er sich trotz mehrmaliger Aufforderung der Kollegen vor Ort immer wieder neugierig ein und lernt bei seinen Nachforschungen nicht nur den ehemaligen Kollegen erst richtig kennen, sondern auch seinen eigenen, schon verstorbenen Vater.

Abgründe tun sich bei den Ermittlungen auf, es wäre auch nicht anders zu erwarten gewesen. Für deutschsprachige Leser vielleicht verblüffend: Nationalsozialistische Vergangenheit und Gegenwart in Schweden werden unter die Lupe genommen und allerlei Braunes wird dabei an die Oberfläche geschwemmt. Erstaunlich ist vermutlich nur für Leser, die seine Bücher noch nicht kennen, Mankells Moral: Es gibt sozusagen verschiedene Arten von Tätern: jene, für die man Verständnis haben muss (auch wenn sie noch so bestialisch morden), weil sie einst Opfer waren, und jene, deren Taten einem vollkommen unverständlich bleiben und die entsprechend geahndet und bestraft werden müssen.

Gekocht wurde nach dem bewährten Mankellschen Krimirezept: man nehme eine Vorgeschichte, die den Leser durch alle Kapitel begleitet als Frage, wie das Geschehen mit den Ereignissen danach zusammen hänge, man nehme einen Ermittler, der weniger weiß als die Leser, man nehme einen Täter, den die Leser auch kennen - aber man mische dazu auch noch einen anderen Täter, damit das alles ein bisschen komplizierter werde.

Allemal wieder ein spannendes Stück politischer Krimiliteratur aus der Feder des schwedischen Autors und Theaterregisseurs, das Mankell-Fans verschlingen werden.

Brigitte Schwens-Harrant

Die Rückkehr des Tanzlehrers

Roman von Henning Mankell,

aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2002, 503 Seiten, geb., e 25,60

FURCHE-Navigator Vorschau