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Vernunft trifft Glauben

Joseph Ratzinger, noch Kardinal, begegnet Jürgen Habermas.

In der politischen Öffentlichkeit genießen deshalb naturalistische Weltbilder, die sich einer spekulativen Verarbeitung wissenschaftlicher Informationen verdanken und für das ethische Selbstverständnis der Bürger relevant sind, keineswegs "prima facie" Vorrang vor konkurrierenden weltanschaulichen oder religiösen Auffassungen.

Nein, dieser Satz stammt nicht von Kardinal Schönborn, der seinen New York Times-Kommentar weiterspinnt: Solches konnte man vielmehr aus dem Mund von Jürgen Habermas, einem der politisch-philosophischen Vordenker Deutschlands, hören. Der Wiener Philosoph Rudolf Burger pflegt den Habermas-Ausspruch als Beleg für seine Diagnose einer "Re-Theologisierung der Politik" anzuführen; Burger wirft Habermas vor, mit solchem Satz Leuten wie den Kreationisten auch eine politische Legitimation zu liefern. - Habermas äußerte obiges Wort in jenem "Gespräch" mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, das am 19. Jänner 2004 in der Katholischen Akademie Bayern über "Vorpolitische Grundlagen des demokratischen Rechtsstaates" geführt wurde. Ratzinger beflügelt als Papst nun auch Verlegermut - und so kann man die denkwürdige und diskussionswerte Begegnung in einem Bändchen des Herder-Verlags unter dem Titel "Dialektik der Säkularisierung" nachlesen.

Dialektik der Säkularisierung. Über Vernunft und Religion. Ein Gespräch von Jürgen Habermas und Joseph Ratzinger. Einf. von Florian Schuller. Verlag Herder, Freiburg 2005. 64 S., geb., e 10,20

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