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Weltveränderer unter sich

Wenn man „verändern” sagt, meint man meistens „verbessern”. Aber ... Wenn man jemandem etwas Nettes sagen will, sagt man: „Du hast dich aber gar nicht verändert!” - und jeder freut sich darüber. Wieso? Will denn der Mensch nicht besser werden? Der Welt wünscht man dagegen immer neue Veränderungen. Warum? Die Welt kann doch nicht schlechter sein als Menschen, die in ihr leben?!

Die Welt verändert man leichter als die Menschheit, die Menschheit leichter als einen einzigen Menschen; und am schwierigsten ist es, sich selbst zu verändern. Dieses Paradoxon hat mich lange gequält, bis ich die Lösung gefunden habe: Man verändert sich nicht, weil man es nicht will; und man will es nicht, weil man sich selbst liebt. Was man liebt, will man nicht verändern. Eheleute versuchen es dagegen dauernd, aber mit mäßigem Erfolg.

Aus diesen Überlegungen folgt, daß diejenigen, die die Menschheit verändern wollen, diese Menschheit nicht lieben. Diesen Verdacht hatte ich schon lange, konnte ihn jedoch erst jetzt theoretisch begründen. Diese Menschen können auch unmöglich die Veränderung für etwas Gutes halten, sonst würden sie bei sich selbst anfangen, nicht bei der Menschheit -der Mensch ist ja ein Egoist.

Die Weltveränderer betrachten die Menschheit wie ich meine Hose. Wenn ich meine Hose zu der kleinen Griechin in die j,Änderungs-Schnei-derei” bringe, damit sie sie unten kürzt oder oben erweitert, veranlasse ich eine Veränderung, die mir paßt. Die Hose selbst wird dadurch weder besser noch wertvoller. Im Gegenteil, sie verliert an Wert, weil sie dann nur mir dienen kann und niemandem anderen.

Daß sich die Welt nicht nur zum Schlechteren weiterentwickelt - wir leben im Durchschnitt länger und essen besser als unsere Vorfahren; und selbst das Fernsehen ist heute besser als vor hundert Jahren, zumindest in technischer Hinsicht -, verdanken wir der Tatsache, daß sie nicht nur von denen verändert wird, die sie verändern wollen, sondern auch von Menschen, die nur sich verbessern wollen.

Egoismus, mit Kreativität und Anstand verbunden, ist die Triebfeder des Fortschritts zum Besseren.

Trotz allem, was gesagt wurde, gibt es doch Menschen, die sich dauernd ändern. Zum Beispiel mein Freund Manfred. Um 1968 war er Student. Er protestierte gegen zuviel Studium, gegen Leistungsdruck und gegen Leistungsgesellschaft überhaupt. Das war übrigens von ihm sehr edel und altruistisch, weil er selber sich nie mit irgendwelchem Studium aufgehalten hatte - er hatte es auch nicht nötig weil sein Vater eine gut prosperierende Kette von eleganten Friseurläden besaß. Vielleicht eben deshalb - um gegen seinen ausbeuterischen Vater zu protestieren - lief Manfred mit einer Mähne herum, um die ihn Tarzan beneiden zu könnte. Er verlangte natürlich auch die Verstaatlichung aller wirtschaftlichen Betriebe.

Dann kam Manfreds Vater beim Absturz seines Privatflugzeugs ums Leben, der Junior übernahm die Salons und veränderte sich vollkommen. Er kleidete sich elegant nach der vornehmsten Mode, sein Haarschnitt machte Reklame für seine Unternehmen. Er klagte über das faule Personal, das - wie er sagte - noch nie etwas von Leistungen gehört habe. Er schimpfte zwar immer noch auf die Unterdrückung durch den Staat -diesmal richtete sich jedoch sein Zorn gegen das Finanzamt, das die Privatunternehmer kaputtmacht.

Jetzt hat sich Manfred wieder einmal total verändert. Er kleidet sich wieder leger und verachtet die Leistung. „Man arbeitet ja nur für das Finanzamt.” Er hat sich für ein alternatives Leben entschieden. Für das Geld, das er durch irgendein Abschreibungsgeschäft vor der Steuer gerettet hat, kaufte er sich eine winzige Insel irgendwo im Süden und will sich ganz dorthin zurückziehen. Die Friseursalons hat er verpachtet. Der Pachtzins reicht, um die Insel für das einfache Leben luxuriös auszustatten.

Warum sollen sich Leute nicht verändern? Hauptsache, sie hören nicht auf, sich selbst zu lieben, und bleiben sich selbst treu.

Liebe Rätsel-Freunde!

Auf Krsuchen einiger I *ser, die vollständige Ixisung unseres Oster-Preisrätsels (und nicht nur das Lösungswort, furche 15/95) zu bringen, kommen wir damit - spät, aber doch - nach:

Waagrecht: 2 AUF 6 Ni 8 Spandau 11 Fassen 14 Wiener Neustadt 15 Dekadent löStendel 17 Gutenstein 18 Dar 19 Flora 20 Melbourne 24 Drill 25 Largo 27 Thais 28 Sie 29 Rainer 30 Noris 31 Kxinnerung 33 Kst 34 Desdemona 35 Anse 36 Nt 37 Dt 38 An.

Senkrecht: 1 Spekulieren 2 Adrenalin 3 Hanns 4 Fuetterer 5 l'asti 6 Nedda 7 Internisten 8 Siegfried 9 Anatol 10 Nederland 11 Fusel 12 Steno 13 Sanduhren 14 WD 20 Man 21 Kommt 22 Raissa 23 Es 24 Ds 26 Grund 27 Loga 29 Rist 32 Ems. Ixisung: Kuntner.

WAAGRECHT: 1 Hat Kitz vor der Nase. Luc Alphand gewann '95 zweimal. 10 Radax-retro-spektivisch: „Wer sind Sie, Mr ...” Helmut Lohner als Ulysses-James. 11 Figl, Zitherspieler Julius ins Ohr flüsternd: „Und jetzt ... - jetzt noch d'Reblaus, dann san'swaach!” 14Franc'Brüderleiri. 15Ame-rikaner als Gringo-Nachbarn. 16 Schreib-Adresse für Pleitiers Schulden. 18 Königsmacher Erwin aus Ziersdorf-Radibrunn, Annemarie aus Kleinarl. 19 Gibt vielerorts zum Yen den Senf dazu. 20 Doppelpack-Tonis Spielwiese, wo auch Millowitsch zählt. 21 ... war einmal. 22 Fand und gründen li-ke Oxford. 23 Auch Marcel Prawy wartet auf den versäumten Corregidor. Wolfs Exlibris. 24 Wer nicht aus solcher fallen will, sollte keine solche spielen. 25 „Ich bin kein Engel”, jene West. 26 Scheint beim Heiligen. 28 Austria-Wien-Stadion: für das dritte „H”

nach Hanappi und Happel. 29 „Iron-Mike” Tyson, der Götz - die Faust in ihrem Element. 30 Schaut beim Purbacher Fremdarbeiter-Denkmal aus dem Rauchfang. Ijandsmann Kemals Ata-Anhang. 31 Diana im weihnachtlichen Rathaus-Trio zwischen Carreras und Domingo. 32 Li ber-Plural, vor Carolini. 33 Bares ist Wahres, Skonto ein Fremdwort.

SENKRECHT: 2 US-Ski-Kitte Vornamen, Jenners Init. 3 Hat sich Claus Peym-ann gekauft, um Thomas Bernhard zum Essen einzuladen, Mz. 4 Waadter Städtchen am Genfer Wasser. 5 Santers klingender EU-Beitrag. 6 Bei Nebel vorne, bei Sonne hinten. 7 Thaler Muskelbergs und Schönbergs Gemeinsames. 8 Mit Speckvergangenheit und beflügelter Zukunft. 9 Schlitzbestimmt, oft klingelt der Postmann zweimal (engl.). 12 Melinda Esterhäzy eröffnete Burgenlands Landesausstellung „... Forch-tenstein”. 13 Seinerzeit als Ziegenbock-Pegasus verrissen, als Waldbauernbub bekannter. 15 Epple bei Waigel. 17 Rotkäpp-chen in Nordafrika. 18 Wetten, daß Billard so Spaß macht? 20 Dort bei Prag hatte Daun einen guten Tag. 22 Nottingham für Kicker und Robin Hood. 23 Dresden-Zer-bomber Arthur war den Briten ein Memorial wert, Richard spielte Cromwell. 24 Vorwärts die ... tragen, lustig schmettert das Horn. 25 Knapp bei Duisburg. 27 Disneys King, he sleeps tonight. 28 Marsupilami-Schlachtruf, einmal. 30 Blinzlers Muskelzucker. 32 Links oben, abg.

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