"Wir führen einen permanenten Dialog"

Papst Franziskus spielte eine wichtige Rolle" beim Zustandekommen des ersten direkten Kontakts zwischen den Staatsführern der USA und Kubas, Barack Obama und Raúl Castro. "Er schrieb einen Brief an den US-Präsidenten mit der Bitte, die US-Sanktionen aufzuheben", bestätigt Kardinal Jaime Lucas Ortega bei unserem Gespräch in der Sakristei der katholischen Kathedrale von Havanna. "Der Papst hatte großen Einfluss auf Obama." Voraussichtlich werden beide im April wieder zusammentreffen.

Seine eigenen Verdienste bei der Annäherung mit dem großen Nachbarn spielt der engagierte Erzbischof von Havanna herunter. "Uns kommt die Rolle zu, über die Dialogebene Botschaften zwischen dem Vatikan und Kuba zu übermitteln, den Papst über die Geschehnisse in Kuba zu informieren und umgekehrt." Tatsächlich ist der Kirchenmann bei dieser Aufgabe zum Brückenbauer geworden, denn er machte die Kirche in Kuba nach einer langen schwierigen Periode in der kommunistischen Ära zu einem wichtigen Akteur.

Die aktuellen Beziehungen zum Staat beurteilt er positiv: "Wir haben ein gutes Verhältnis zur Regierung, stehen in einer permanenten Dialogfunktion. Wir können unsere Fragen stellen und unsere Probleme aufzeigen." Den Blick richtet der Bischof, der nach Studien in Quebec 1964 in seiner Heimatprovinz Matanzas zum Priester geweiht wurde und 1994 als bisher einziger Vertreter des kubanischen Episkopats seit der Revolution die Kardinalswürde erhielt, nach vorn: "Was zählt, ist, in die Zukunft zu blicken. Die Verhandlungen laufen gut."

Bande neu knüpfen

Dass die Bande nun neu geknüpft werden, ist auch Ortegas Verdienst. Diplomaten bezeichnen ihn als anerkannten Gesprächspartner der Regierung, der auch beim jüngsten Austausch politischer Gefangener mit den USA vermittelte. In der Umbruchphase der beginnenden Wirtschaftsreformen engagierte sich die Kirche intensiv in Sozialarbeit und Jugendbildung. Schon als Bischof von Pinar del Rio hatte Ortega mit "Caritas Cuba" die erste NGO auf der Insel gegründet. Seit 1981 ist er Erzbischof von Havanna.

Die Kooperation trug Früchte. 20 Kirchen wurden restituiert, ein Kirchenneubau genehmigt. 1998 und 2005 konnte der Erzbischof einen Papst begrüßen. Doch er scheute sich auch nicht vor Kritik an den Castro-Brüdern. 2010 forderte er Reformen ein. 2013 pochten die Bischöfe in einem Hirtenbrief auf demokratische Schritte. März 2015: Nach dem gut besuchten und von einem jungen Chor gestalteten sonntäglichen Hochamt schüttelt Ortega am Portal Hände, scherzt leutselig mit Gläubigen und Besuchern aus dem Ausland. Für das Kirchenvolk ist er ein Hoffnungsträger.

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