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Ärgerliches Taschlzieher-TV

Zugegeben: Unsereins, der tagsüber wenig zum Fernsehen kommt, hat natürlich auch seine Eigeninteressen: Bis vor nicht allzu langer Zeit konnte man nach Mitternacht die eine oder andere Sendung des Nachmittags- oder Hauptabendprogramms "nachholen", weil zu dieser Nachtzeit die Sender Wiederholungen ansetzten, um Geld zu sparen.

Unsrer geheimen Leidenschaft werden aber mehr und mehr Riegel vorgeschoben: Stattdessen üben sich Privatsender in Teleshopping-Sendungen, bei denen schon die Moderatoren die Freud am Fernsehen vermasseln. Oder - der letzte Streich: Zunehmend mehr (Privat-)Kanäle setzen auf so genannte Quiz-Shows, wo unsägliche Fragensteller(innen) unintelligente Fragen wortreich - und vor allem: minutenlang - wiedergeben, auf dass Zuschauer(in) eine Mehrwert-Telefonnummer anwählt und - so die Antwort richtig ist, ein paar Euro gewinnt. Selbstredend ist das System so beschaffen, dass viele Anrufer die - teuren - Telefonate machen müssen, bis einmal einer zum Quizmaster durchkommt, sprich: Die Sender cashen beim tumben Publikum ab, der mögliche Gewinn der ratenden Zuschauer steht in keinem Verhältnis zum Gewinn, den sich die tv-Anstalten durch die teuren Telefondienste holen.

So weit, so schlecht. Hierzulande kommt zum allgemeinen Ärgernis über dieses Taschlzieher-Fernsehen dazu, dass sich auch der orf des innovativen Sendeformats bedient. Jüngst wurde selbiges auch beim Publikumsrat des orf kritisiert. Die Antwort der orf-Spitze dazu blieb wenig innovativ: Man könne sich nicht nur aus den Gebühren finanzieren und müsse sich zusätzliche Einnahmen erwirtschaften, so die altbekannte Argumentation.

Keine Einsicht am Küniglberg also? Ein Blick über die Grenze zeigt, wie es auch geht: Ab April ist es nämlich in Deutschland dem öffentlich-rechtlichen TV verboten, mit MehrwertTelefonnummern Einnahmen zu lukrieren.

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