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"Aktuelle Diskurse begleiten und befeuern"

1945 1960 1980 2000 2020
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Am 2. März 2019 kommentiert Sozialministerin Beate Hartinger-Klein im Presse-Interview die Tatsache, dass 75 Prozent der unbezahlten Pflege- und Hausarbeit von Frauen geleistet wird, so: "Das ist in der Natur so festgelegt."

Der "Wer macht Film? Film Gender Report", der in Wien 2018 präsentiert wurde, liefert für Ansichten wie diese die Zahlen. Im Auftrag des Österreichischen Filminstituts und des Bundeskanzleramts vom Institut für Soziologie der Universität Wien wurden zwischen 2012 und 2016 die von elf Förderungsinstitutionen, 13 österreichischen Filmfestivals sowie der Filmakademie Wien zur Verfügung gestellten Daten ausgewertet und 100 österreichische Spielfilme analysiert. Die zentralen Ergebnisse waren eindeutig: Frauen sind in Schlüsselfunktionen innerhalb der Filmbranche in der Minderheit, sie werden schlechter bezahlt, sie sind in der Lehre unterrepräsentiert, und sie erhalten weniger oft Förderungen. Und das, obwohl Filme von Frauen bei österreichischen Filmfestivals überproportional oft ausgezeichnet werden.

Film-Frauen schließen sich zusammen

Die Regisseurinnen Katharina Mückstein und Marie Kreutzer (und ihre meist all-female-Drehteams) sind hierfür als nur zwei Beispiele zu nennen. Bis dato wurde vom ÖFI noch kein neuer Gender-Report veröffentlicht, aber die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass auch eine Analyse der vergangenen zwei Jahre keine anderen Resultate zeigen würde, ist in der Natur der Sache ganz offensichtlich festgelegt. Was kann man dem entgegensetzen (um zur Vernunft zu gelangen)? Nun, zum Beispiel Bilder. Ja, auch 2019 sind es noch vorwiegend Männer, die letztlich bestimmen, wer Film macht, ob und wie Frauen im Film dargestellt werden bzw. welche dieser Abbildungen es schließlich auf große Leinwände schaffen. Unter anderem auch deshalb, weil kapitalistische Strukturen ihnen Recht geben (Gender pay gap, keine verpflichtenden Quotenregelungen, mangelhafte Kinderbetreuungsstrukturen).

Dennoch können Frauen (und Männer) feministisch emanzipierte Bilder von und über Frauen (und Männer) schaffen, die den weiblichen Realitäten entsprechen und wiederum auf diese einwirken.

Damit diesen Bildern die Sichtbarkeit zuteil wird, die sie verdienen und benötigen, haben sich in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Vereine und Kollektive organisiert, die zeigen, wie es gehen kann.

Der FC Gloria mit Sitz in Wien zum Beispiel. Seit 2010 hat es sich diese momentan 148 Mitglieder zählende Gruppe von Frauen aus verschiedenen Bereichen der Branche zum Ziel gesetzt, die künstlerischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Interessen aller Frauen, die in der Filmbranche tätig sind, zu fördern und zu vertreten, und zwar in bestehenden bzw. "noch zu schaffenden Gremien", wie es im Vereinsstatut heißt. Der Vorstand, zu dem u. a. Barbara Albert, Gabriele Kranzlbinder, Monika Willi, Kathrin Resetarits und Nina Kusturica zählen, offeriert Mentoring-Programme, Vernetzungs-Treffen und seit Kurzem auch die FC Gloria-Filmpreise "zur Verbesserung der Sichtbarkeit der filmschaffenden Frauen".

Ein ganzes Filmfestival, das sich ebenfalls dem Grundsatz der Förderung und Sichtbarmachung weiblichen Filmschaffens verschrieben hat, sind die internationalen Frauenfilmtage Wien. Seit 2014 bietet das einwöchige Festival unter der Leitung von Gabriele Frimberger Filmemacherinnen aus aller Welt eine Plattform, ihre Arbeiten in Österreich vorzustellen. Das Programm umfasst ktuelle und prämierte Spiel-und Dokumentarfilme mit Schwerpunkt auf frauenpolitischen Fragen.

Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Frauenfilmtage die Kuratorinnen Gertraud Eitler und Gerlinde Schwarz mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet: Seit 14 Jahren programmieren sie in Zusammenarbeit mit dem Leokino in Innsbruck den jährlichen Filmzyklus kinovi(sie)on: künstlerisch anspruchsvolle Filme von Regisseurinnen, die sonst nicht im Kino zu sehen wären. Der Erfolg gibt ihnen recht: rund 1300 Besucher(innen) jährlich honorieren die Qualität dieser Filmreihe.

Von Frauen,(nicht nur) für Frauen

Auf Animationsfilme von Frauen hat sich das jährlich Anfang März stattfindende internationale Filmfestival Tricky Women spezialisiert. Die Leiterinnen Waltraud Grausgruber und Birgitt Wagner gestalten thematisch immer wieder neu ausgerichtete Spezialprogramme und Retrospektiven.

Dass Filmfestivals ein geeigneter Rahmen sind, um den unmittelbaren Austausch zwischen Filmschaffenden und Publikum zu fördern -im weitesten Sinne also die Gesellschaft zu reflektieren, auf sie zu reagieren und mit ihr zu kommunizieren -, macht sich in Zukunft auch das Sommerfilmfestival Kaleidoskop am Karlsplatz zunutze.

Vier erfahrene Kuratorinnen erhielten den Auftrag für ihr Nachfolgeprojekt zum Kino unter Sternen: Djamila Grandits, die zurzeit das Festival frame out im Museumsquartier kuratiert, Marie-Christine Hartig, die unter anderem Sprecherin des Forums Österreichischer Filmfestivals ist, Lisa Mai, Leiterin des dotdotdot-Kurzfilmfestivals und Medienwissenschafterin Doris Posch. Sie haben ein "Filmfest vielfältiger Stadtgesellschafen" im Sinn und werden in Kooperation mit dem Wien Museum einen Schwerpunkt auf Filmvermittlung "in Form von innovativen künstlerischen und partizipativen Interventionen" legen. Ganz klar auch mit dem Ziel, "aktuelle Diskurse zu begleiten und zu befeuern". Nicht den Herd.

Am 2. März 2019 kommentiert Sozialministerin Beate Hartinger-Klein im Presse-Interview die Tatsache, dass 75 Prozent der unbezahlten Pflege- und Hausarbeit von Frauen geleistet wird, so: "Das ist in der Natur so festgelegt."

Der "Wer macht Film? Film Gender Report", der in Wien 2018 präsentiert wurde, liefert für Ansichten wie diese die Zahlen. Im Auftrag des Österreichischen Filminstituts und des Bundeskanzleramts vom Institut für Soziologie der Universität Wien wurden zwischen 2012 und 2016 die von elf Förderungsinstitutionen, 13 österreichischen Filmfestivals sowie der Filmakademie Wien zur Verfügung gestellten Daten ausgewertet und 100 österreichische Spielfilme analysiert. Die zentralen Ergebnisse waren eindeutig: Frauen sind in Schlüsselfunktionen innerhalb der Filmbranche in der Minderheit, sie werden schlechter bezahlt, sie sind in der Lehre unterrepräsentiert, und sie erhalten weniger oft Förderungen. Und das, obwohl Filme von Frauen bei österreichischen Filmfestivals überproportional oft ausgezeichnet werden.

Film-Frauen schließen sich zusammen

Die Regisseurinnen Katharina Mückstein und Marie Kreutzer (und ihre meist all-female-Drehteams) sind hierfür als nur zwei Beispiele zu nennen. Bis dato wurde vom ÖFI noch kein neuer Gender-Report veröffentlicht, aber die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass auch eine Analyse der vergangenen zwei Jahre keine anderen Resultate zeigen würde, ist in der Natur der Sache ganz offensichtlich festgelegt. Was kann man dem entgegensetzen (um zur Vernunft zu gelangen)? Nun, zum Beispiel Bilder. Ja, auch 2019 sind es noch vorwiegend Männer, die letztlich bestimmen, wer Film macht, ob und wie Frauen im Film dargestellt werden bzw. welche dieser Abbildungen es schließlich auf große Leinwände schaffen. Unter anderem auch deshalb, weil kapitalistische Strukturen ihnen Recht geben (Gender pay gap, keine verpflichtenden Quotenregelungen, mangelhafte Kinderbetreuungsstrukturen).

Dennoch können Frauen (und Männer) feministisch emanzipierte Bilder von und über Frauen (und Männer) schaffen, die den weiblichen Realitäten entsprechen und wiederum auf diese einwirken.

Damit diesen Bildern die Sichtbarkeit zuteil wird, die sie verdienen und benötigen, haben sich in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Vereine und Kollektive organisiert, die zeigen, wie es gehen kann.

Der FC Gloria mit Sitz in Wien zum Beispiel. Seit 2010 hat es sich diese momentan 148 Mitglieder zählende Gruppe von Frauen aus verschiedenen Bereichen der Branche zum Ziel gesetzt, die künstlerischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Interessen aller Frauen, die in der Filmbranche tätig sind, zu fördern und zu vertreten, und zwar in bestehenden bzw. "noch zu schaffenden Gremien", wie es im Vereinsstatut heißt. Der Vorstand, zu dem u. a. Barbara Albert, Gabriele Kranzlbinder, Monika Willi, Kathrin Resetarits und Nina Kusturica zählen, offeriert Mentoring-Programme, Vernetzungs-Treffen und seit Kurzem auch die FC Gloria-Filmpreise "zur Verbesserung der Sichtbarkeit der filmschaffenden Frauen".

Ein ganzes Filmfestival, das sich ebenfalls dem Grundsatz der Förderung und Sichtbarmachung weiblichen Filmschaffens verschrieben hat, sind die internationalen Frauenfilmtage Wien. Seit 2014 bietet das einwöchige Festival unter der Leitung von Gabriele Frimberger Filmemacherinnen aus aller Welt eine Plattform, ihre Arbeiten in Österreich vorzustellen. Das Programm umfasst ktuelle und prämierte Spiel-und Dokumentarfilme mit Schwerpunkt auf frauenpolitischen Fragen.

Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Frauenfilmtage die Kuratorinnen Gertraud Eitler und Gerlinde Schwarz mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet: Seit 14 Jahren programmieren sie in Zusammenarbeit mit dem Leokino in Innsbruck den jährlichen Filmzyklus kinovi(sie)on: künstlerisch anspruchsvolle Filme von Regisseurinnen, die sonst nicht im Kino zu sehen wären. Der Erfolg gibt ihnen recht: rund 1300 Besucher(innen) jährlich honorieren die Qualität dieser Filmreihe.

Von Frauen,(nicht nur) für Frauen

Auf Animationsfilme von Frauen hat sich das jährlich Anfang März stattfindende internationale Filmfestival Tricky Women spezialisiert. Die Leiterinnen Waltraud Grausgruber und Birgitt Wagner gestalten thematisch immer wieder neu ausgerichtete Spezialprogramme und Retrospektiven.

Dass Filmfestivals ein geeigneter Rahmen sind, um den unmittelbaren Austausch zwischen Filmschaffenden und Publikum zu fördern -im weitesten Sinne also die Gesellschaft zu reflektieren, auf sie zu reagieren und mit ihr zu kommunizieren -, macht sich in Zukunft auch das Sommerfilmfestival Kaleidoskop am Karlsplatz zunutze.

Vier erfahrene Kuratorinnen erhielten den Auftrag für ihr Nachfolgeprojekt zum Kino unter Sternen: Djamila Grandits, die zurzeit das Festival frame out im Museumsquartier kuratiert, Marie-Christine Hartig, die unter anderem Sprecherin des Forums Österreichischer Filmfestivals ist, Lisa Mai, Leiterin des dotdotdot-Kurzfilmfestivals und Medienwissenschafterin Doris Posch. Sie haben ein "Filmfest vielfältiger Stadtgesellschafen" im Sinn und werden in Kooperation mit dem Wien Museum einen Schwerpunkt auf Filmvermittlung "in Form von innovativen künstlerischen und partizipativen Interventionen" legen. Ganz klar auch mit dem Ziel, "aktuelle Diskurse zu begleiten und zu befeuern". Nicht den Herd.