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Auch in Albanien gibt es Privat-TV

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Neben den beiden ORF-Kanälen soll es schon bald ein drittes, privates TV-Programm geben.

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Neben den beiden ORF-Kanälen soll es schon bald ein drittes, privates TV-Programm geben.

In Osteuropa hat die private Fernsehzukunft längst begonnen. In Polen ging am 3. Oktober der Sender TV Nasza auf Sendung. Zur gleichen Zeit hat die ungarische Regierung einen der beiden staatlichen TV-Kanäle abgegeben und einem privaten Medienkonzern eine dritte landesweite Frequenz zur Verfügung gestellt. Auch die Albaner werden schon seit einem Jahr mit einem unabhängigem Programm versorgt. Sogar in Serbien erfreut sich der regimekritische Sender Trstenik bei der Bevölkerung großer Beliebtheit. Und in der Slowakei soll noch in diesem Frühjahr der zweite staatliche Kanal STV2 privatisiert werden. Österreich bildet in Europa das Schlußlicht. Bundeskanzler Klima will daher das Land medienpolitisch entstauben und privates Radio und Fernsehen erlauben. Während sich die über 50 neuen Radiosender auf den Start im April vorbereiten, läßt die TV-Reform auf sich warten.

Seit Monaten verhandeln ÖVP-Mediensprecher Wilhelm Molterer und SPÖ-Geschäftsführer Andreas Rudas. Beide betonen unisono, daß das neue Privatfernsehgesetz mit der ORF-Zukunft und daher auch mit der im Frühjahr stattfindenden Wahl des Generalintendanten zusammenhängt. Bislang scheiterten alle Gespräche an der Frage, wie eine Umwandlung des Monopolfunks in eine Aktiengesellschaft funktionieren könnte. Umstritten ist vor allem die Aufteilung der Aktienanteile zwischen Bund und Ländern sowie die parteipolitische Besetzung des Aufsichtsrates. Jüngster Vorschlag der SPÖ: Eine 50:50 Aufteilung zwischen Bund und Ländern. Freilich nur dann, wenn "die realpolitischen Gegebenheiten berücksichtigt werden". Das bedeutet: Die SPÖ erhält mehr Aufsichtsräte als die ÖVP. Rudas zur Furche: "Ich bin sicher, daß wir uns bald einigen werden."

Mit deutschen Partnern Beim Privat-TV steht die Reform weitgehend fest. Neben den beiden ORF-Kanälen soll es einen bundesweiten Privatsender geben. Darüber hinaus läßt die Regierung prüfen, ob in Ballungsräumen zusätzlich eine vierte Frequenz möglich ist. Die Basis für das Programm dürfte aus Deutschland kommen. "Die privaten Betreiber brauchen die Rechte für Spielfilme. Um bei US-Filmproduzenten günstig zu Übertragungsrechten zu kommen, ist eine Kooperation mit einem deutschen Sender notwendig" erklärt Rudas. Ähnlich denkt Minister Molterer: "Ohne deutschen Partner wird es nicht funktionieren. Die ÖVP legt aber Wert darauf, daß am Projekt österreichisches Know-how und Kapital beteiligt sind." Unklar ist die Art der Lizenzvergabe. Für Rudas ist die Versteigerung "eine spannende Sache", die ÖVP lehnt das ab.

Für das bundesweite dritte Programm formieren sich drei Anbietergruppen. Der Berliner Sender SAT.1 hat eine Österreich-Gesellschaft gegründet. Mit von der Partie sind zwei heimische Unternehmen: die Styria Medien AG in Graz, die bereits durch die Beteiligung beim privaten Kabel-TV Steiermark 1 Erfahrung hat, und die Kurier-Gruppe, vertreten durch die Holdinggesellschaft Medicur, die mehrheitlich dem Raiffeisenkonzern gehört. Möglich ist, daß noch ein weiterer Gesellschafter dazustößt. Daneben arbeitet auch Kronenzeitungs-Herausgeber Hans Dichand emsig an TV-Konzepten. Er verläßt sich dabei auf seine guten Kontakte zu RTL. Und die News-Brüder Fellner sind mit dem Münchner Sender PRO 7 liiert. Nach ihrer Radiobeteiligung bei Antenne Wien wollen die Brüder1998 ein Wochenblatt herausgeben - und dann ins TV einsteigen. Wolfgang Fellner: "Mit 700 Millionen Schilling im Jahr läßt sich in Österreich ein 24stündiges TV-Programm machen."

Wer den Zuschlag für die Frequenz bekommt, hat zwei Möglichkeiten: * Der private Anbieter errichtet ein eigenes Sendenetz, was extrem teuer ist. Experten rechnen allein mit einem Jahr Planungsaufwand, um geeignete Orte zu finden. Für den Ausbau eines flächendeckenden Netzes wären drei bis fünf Jahre und Hunderte Millionen Schilling zu veranschlagen. Dazu kommt: Alle Besitzer von Heimantennen, die bisher den ORF im Visier hatten, müßten ihre Antennen anders ausrichten oder sich neue kaufen.

* Oder aber: Die Regierung zwingt den ORF, private Betreiber nach Bezahlung einer geringen Gebühr die ORF-Sendeanlagen mitbenützen zu lassen. Ähnliches passiert auch im Telekom-Bereich, wo die Post privaten Telefonanbietern ihr Netz billig zur Verfügung stellen muß.

Noch aber sind die Parteienverhandler lange nicht soweit, sich derart diffizilen Detailfragen zu stellen. Wer in Österreich schon jetzt auf den Monopolfunk verzichten will, ist auf Satellitenschüssel oder Kabel angewiesen. Seit einem Jahr bieten die meisten Kabelbetreiber lokalen TV-Sendern die Möglichkeit, eigene Sendungen mit Werbespots auszustrahlen. Die Programmpalette ist bunt und reicht vom wöchentlichen Mühlviertel 1 bis zum täglichen Salzburg TV. Die meisten Anbieter würden ohne die finanzielle Unterstützung regionaler Firmen nicht überleben können. In Vorarlberg ging das von mehreren Unternehmen gegründete Vorarlberger Television schon nach einem halben Jahr pleite. Österreich hat 3,1 Millionen Fernsehhaushalte, aber nur eine Million ist über Kabel erreichbar. Ein Potential, das für große Werbefirmen zu klein ist. Rudolf Wolfbauer von der Medienagentur "the network" bringt es auf den Punkt: "Fernsehwerbung ist sehr teuer. Nur bei einem Sender, der zumindest zwei Millionen Haushalte erreicht, würde sich für große Konzerne eine Anzeigenkampagne langfristig lohnen."

Wien1 auf Brautschau Auch der größte private TV-Anbieter Wien1 ist von den schwarzen Zahlen noch weit entfernt. Der erst vor neun Monaten gestartete Sender reformiert am 19. Jänner sein Programm zum zweiten Mal und will jetzt mit nächtlichen Softpornos mehr Seher zum Einschalten bewegen. Geschäftsführer Karl Matuschka ist zuversichtlich: "Wir sind in 375.000 Haushalten zu empfangen, die Akzeptanz beim Publikum steigt." Über 100 Millionen Schilling wurden bereits in Wien1 hineingebuttert. Eine Investition, die sich nur rentiert, wenn es Matuschka gelingt, die Sendungen bundesweit auszustrahlen. Kein Wunder, daß sich der Wiener Stadtkanal auf Brautschau befindet und bereits SAT.1 und RTL das Angebot machte, ihre Österreich-Werbefenster mit dem Wien1-Programm aufzubessern. Matuschka ist auch einer längeren Partnerschaft nicht abgeneigt: "Wir haben eine professionelle Mannschaft und könnten nach Verabschiedung des Privatfernsehgesetzes mit einem Partner ein tolles Programm machen. Und zwar für ganz Österreich."

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