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ATV: Der österreichische Privatsender zieht nach sechs Sendemonaten eine erste Bilanz.

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ATV: Der österreichische Privatsender zieht nach sechs Sendemonaten eine erste Bilanz.

Tillmann Fuchs gibt sich zufrieden. Der Geschäftsführer des seit Jänner sendenden heimischen Privatsenders ATV präsentierte jüngst eine erste Zwischenbilanz. "Wir haben unsere Zielvorstellungen erreicht. Derzeit liegen wir bei etwa 2,6 Prozent Marktanteil". Bis Ende des Jahres will man die Zielvorgabe von drei bis vier Prozent Marktanteil erreichen, und zwar "trotz der großen Marktmacht des ORF". Fuchs ist davon überzeugt, dass "in Österreich ein großer Bedarf an jungem Fernsehen" besteht.

Junges Fernsehen ist genau das, was Fuchs und sein Team produzieren wollen. So hätten etwa Event-Übertragungen besonders beim jungen, urbanen Publikum Chancen. Die Live-Übertragung der Wiener Love Parade sorgte gleich für satte 30 Prozent Marktanteil in Wien. Mittlerweile erreicht ATV rund 1,1 Millionen Haushalte in ganz Österreich, derweil aber nur über Kabel. "Wir haben mit fast jedem Kabelbetreiber einen Vertrag", sagt Fuchs. "Doch damit sind wir am oberen Ende der Verbreitung angelangt". Fuchs hofft daher auf eine terrestrische Frequenz. Dann könnte ATV auch über eine herkömmliche Hausantenne empfangen werden. Dahin ist es aber noch ein langer Weg. Erst 2002 steht diese politische Entscheidung an, ob es überhaupt freie Frequenzen gibt und wer diese bekommt. "In Österreich gibt es sicher Platz für mindestens zwei neue Anbieter", meint Fuchs. Die Zuteilung einer freien Frequenz sei für ihn "sehr realistisch", andernfalls wäre die Aufrechterhaltung des Sendebetriebes für ATV "äußerst schwierig". Das Rennen um die terrestrischen Frequenzen ist jedenfalls noch nicht entschieden. Derzeit gibt es noch nicht einmal ein Frequenzgutachten.

ATV, bei dem der Österreichische Filmhändler Herbert Kloiber beteiligt ist, bezieht einen Gutteil seiner Programme, darunter Serien, Sitcoms und vor allem Spielfilme, aus den Archiven von Kloibers Firma Tele München. Der Rest gehört den Eigenproduktionen. Diese hätten allesamt den Erwartungen entsprochen. Roman Rinner, Programmchef bei ATV: "Keines unserer Formate ist ein Flop geworden". Der Sohn des ORF-Spielfilm-Chefs August Rinner zeigte sich besonders stolz über die Nachmittags-Talkshow "Speed", die Spitzenwerte von bis zu 13,9 Prozent Marktanteil erreichte. Auch die Nachrichtensendung "ATV-i" stoße beim Zielpublikum (die 12 bis 49-jährigen) auf wachsendes Interesse. "Man will auch eine andere Meinung als die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beziehen", ist Rinner überzeugt. "Trotz unseres engen budgetären Korsetts gelingt es uns, etwas anderes zu bieten als die ORF-Hofberichterstattung". Das Budget ist in der Tat sehr niedrig. Fuchs: "Eine ATV-Talkshow kostet etwa ein Zehntel von einer 'Barbara Karlich-Show' des ORF".

Im Bereich Spielfilm hätte man mit einem Arthaus-Schwerpunkt am Donnerstag Hauptabend bereits acht bis neun Prozent Marktanteil. "Das ist der Beweis, dass entgegen aller Unkenrufe auch künstlerische und anspruchsvolle Filme zur Prime Time funktionieren. Der ORF zeigt diese Filme ja meist erst spät nachts".

Gegenstand öffentlicher Spekulationen war jüngst der Abgang von Heide Schmidt als Moderatorin der Vorabend-Talkshow "Headline Talk". Brancheninsider mutmaßten gar Interventionen von Seiten der FPÖ, die sich für Schmidts Engagement bei ATV mit einem Sendungs-Boykott für FPÖ-Politiker revanchierte. Tillmann Fuchs will von derlei Spekulationen aber nichts wissen: "Es gab keinen politischen Hintergrund. Schmidts Moderationsstil blieb mir zu sehr der einer Politikerin, sie war zu wenig unparteiisch. Es ist zudem klar, dass sie im kommenden Wiener Wahlkampf in irgendeiner Form mitmischen wird". Deshalb habe man sich von Schmidt in beidseitigem Einvernehmen getrennt. "Jeder kommerziell orientierte Sender versucht, seine Sendungen zu verbessern, wenn damit etwas nicht stimmt. Das ist ganz normal."

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