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D. Spitzers Nachfolgerin

Lang, lang ist's her: Wer erinnert sich noch, dass sich Hans Dichand einmal eine Art Emanze (pardon, natürlich begeben wir uns nicht auf die Ebene von Krone-Hausdichter Wolf Martin...), also: eine Frauenbewegte im Blatt hielt? Wenn uns unser Gedächtnis keinen Streich spielt, dann war es noch tief in der Vor-Nenning-Ära der Kronen Zeitung, als Eva Deissen ihre Wortspenden im gelesensten Printmedium des Landes zu Papier bringen durfte.

Später wollte der Altvordere des österreichischen Boulevards dann doch nicht mehr, und Deissen kam bei Intimfeind Kurt Falk, also bei täglich Alles, unter. Nachdem das bunte Blättchen aber verblichen war, ist uns Frau Deissen nicht mehr oft begegnet. Hin und wieder, wenn unser Blick in die SP-Gratiszeitung Wiener Bezirksblatt fiel, lachte uns "Deissen's Meinung" entgegen, zuletzt ist uns da eine Lobeshymne auf die nunmehrige Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer in vager Erinnerung.

Doch jetzt kommt die verdiente Journalistin zumindest in Wien wieder ins Blickfeld eines breiteren Publikums: Denn seit Montag gibt es Heute - Aktuell in den Tag, den zweiten Wiener Anlauf zu einer U-Bahn-Gratiszeitung. Und da fanden wir nach Schlagzeilen wie "Wir helfen Russlands Geiselkindern" und Boulevard-Speak wie "Vertreter der Evangelen in Wien befürchten Probleme in Sachen Religionsunterricht" auch die Kolumne "Wiener Spaziergänge", die sich "im Geiste von Daniel Spitzer, dem Urvater aller hiesigen Zeitungskolumnisten", die Latte ziemlich hoch legt: Daniel Spitzers Nachfolgerin Eva Deissen lässt sich darin - diesmal ganz und gar nicht auf Frauenthemen stehend - über Pferdeleberkässemmeln als heimische Urform von Big Mac & Co aus: "Als Fast Food noch vom Pepihacker kam." Pepihacker, so lasen wir, hießen in Wien einst die Pferdefleischhauer.

Wer hätte gedacht, dass wir uns schon mit der ersten Ausgabe von Heute gleich so weiterbilden würden?

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