Da waren's nur noch fünfzehn

Neben den spezifischen - finanziellen - Umständen, die zur Einstellung der Neuen Zeit führten, ist auch dieses Ende einer heimischen Tageszeitung typisch für die Ver-Wüstung der heimischen Medienlandschaft.

"Da waren's nur noch fünfzehn": So lautet - zur Zeit - der Abzählreim für Österreichs Tageszeitungstitel. Max Dasch, Herausgeber der Salzburger Nachrichten und Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen kommentierte die Entwicklung: ein schwerer Schlag nicht für die Medienlandschaft, deren Konzentrationsgrad "europaweit ohnegleichen" sei, sondern auch für die "unverzichtbare Meinungsvielfalt".

Einmal mehr zeigt sich am Fall der Neuen Zeit, wie schwer es kleine Medien im Lande haben: Wer hierzulande inseriert, geht in die großen Zeitungen. Für die Kleinen fallen vom Werbegeschäft nur Brosamen ab, jedenfalls nichts Existenzsicherndes. Dazu kommt das Fehlen jeglicher Perspektive in der Medienpolitik - zumindest was die Printmedien betrifft: eine Förderung der Pressevielfalt, ein klares Medienkartellrecht, das Konzentration hintanhält - all das sucht man hierzulande seit jeher vergebens. Dafür gibt es unbedachte Maßnahmen des Staates, die gerade für Kleine existenzbedrohend sind: Dass etwa vor Jahresfrist die Postzeitungstarife aus heiterem Himmel empfindlich erhöht wurden - und weiter steigen sollen, ist ein Beispiel dafür. Ein zeitgemäßes System der Presseförderung ist immer noch nicht in Sicht; außerdem kann man sich ausmalen, dass auch bei einer Neuordnung der Förderung die Big Player unter den Medien die Politik dazu bringen werden, ein für sie günstiges Fördersystem einzurichten.

Am 3. Mai begeht die Publizistik weltweit den Tag der Pressefreiheit. Alljährlich wird dabei auf die Verfolgung von Journalisten hingewiesen. Zur Pressefreiheit gehört aber auch die Medienvielfalt. In Russland, so wird beispielsweise dieser Tage beklagt, ist diese massiv bedroht.

Doch auch die Situation hierzulande gibt diesbezüglich Anlass zu Klagen - und zu dringendem Handlungsbedarf. Otto Friedrich

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