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"Das schleichende Gift"

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Ein "arte"-Themenabend beleuchtet in acht Beiträgen die vielfältigen Auswirkungen von Streß.

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Ein "arte"-Themenabend beleuchtet in acht Beiträgen die vielfältigen Auswirkungen von Streß.

Mein Vater schwebt in einem Niemandsland zwischen Leben und Tod und um ihn herum flattert ein wunderschöner Schmetterling." Der zwölfjährige Masaki flüstert seinem Vater im Krankenbett ins Ohr: "Wach endlich auf, laß uns bitte spielen gehen!" Doch der Vater antwortet nicht. Seit 1991 liegt er im Koma. Die Folgen eines Gehirnschlags, der ihn nach tausenden Überstunden getroffen hat.

Wer in Japan gegen die totale Aufopferung für Chef und Firma aufmuckt, verliert sein Gesicht. Täglich begehen rund 100 Japaner Selbstmord. So etwa der technische Zeichner Shimonaka, der wegen völliger Überlastung wochenlang im Büro übernachtet hat. Dann hat er sich Gewichte an die Füße gebunden und ist ins Wasser gesprungen.

Japan ist das Synonym für Arbeitsstreß. Doch auch bei uns leiden immer mehr Menschen an den Folgen von Überarbeitung. Das fängt bereits im Kinderzimmer an. Julian etwa hat alles, wovon andere Kinder träumen. Doch glücklich ist der Sechsjährige nicht. Zu Hause scheitert er an den kleinsten Dingen, die selbst seine vierjährige Schwester besser zu können scheint als er. Julian will stets der Beste sein; und wenn es ihm nicht gelingt, wird er aggressiv.

Dicht gedrängte Terminkalender produzieren Streß: Schule, Sport, Musik, Fernsehen. Neue Studien belegen, daß bereits jedes fünfte Kind zwischen fünf und elf an typischen Managerkrankheiten leiden: Nervosität, Kopfschmerzen, Erschöpfungszustände, Magenverstimmungen, Schlafstörungen und Allergien.

Höher, schneller, weiter, besser: Streß dominiert das Alltagsleben. Wer nicht mitmacht, wird meist aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Was einst eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Gefahrensituation war, trägt in der Dienstleistungsgesellschaft zunehmend krankhafte Züge.

Das Thema Streß steht nun kommende Woche beim Fernsehsender arte im Mittelpunkt. Ein Abend unter dem Titel "Streß - das schleichende Gift?" beleuchtet Streß in acht Beiträgen - unter anderem die bereits angeführten Schicksale - in seinen Erscheinungsformen. Zwischen den Berichten geben Experten Auskunft über die "Grauzone zwischen Gesundheit und Krankheit" und sagen, was gegen die "Plage des Jahrhunderts" zu tun ist.

Der Begriff Streß wurde 1950 vom ungarisch-kanadischen Forscher Hans Selye in die Medizin und Psychologie eingeführt. Streß kann sich auf vielfache Weise äußern: Ärger, Traurigkeit, Vergeßlichkeit, Kommunikationsunfähigkeit, Suizidgefahr bis hin zu Herzinfarkt - aber auch Tatendrang, verstärkter Wille zur Problemlösung und erhöhte Kreativität.

Die Auslöser von Streßreaktionen sind ebenso zahlreich. Der "populärste" Streß ist aber sicherlich jener am Arbeitsplatz. Durch Über- und Unterforderung, fehlende Unterstützung durch Kollegen, offene und verdeckte Rivalität, Mobbing oder Vorgesetzte empfinden viele Menschen ihren Beruf als "stressig".

Im Rahmen des Themenabends Streß organisiert der Fernsehsender arte auch ein Zuschauerforum. Die Teilnahme ist per Telefon (0033/3/ 88142255) und über Internet (http://www.arte-tv.com) möglich. Namhafte Psychologen, Mediziner und Anthropologen stehen während des gesamten Abends für Fragen und Beratung zur Verfügung. Darüber hinaus sind umfangreiche Infos und eine ausführliche Literaturliste zu diesem Thema im Internet zu finden.

Die Themenabende haben bei arte bereits Tradition. Dreimal pro Woche (Dienstag, Donnerstag und Sonntag) werden verschiedenste Bereiche ausführlich behandelt. Im April stehen unter anderem noch Abende zu den Themen Gift (9. April), Theater (11. April), Esel (18. April), Missionare (20. April) und Rom (23. April) auf dem Programm.

Themenabend "Streß": Donnerstag, 6. April, ab 20.45, arte

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