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Der ewig taktlose Privatdetektiv

Ein 17-jähriges türkischstämmiges Mädchen wird ermordet, nun sitzt ihr Bruder unter dem Verdacht des Ehrenmordes in Untersuchungshaft. Doch ein Rechtsanwalt und ein Privatdetektiv decken den wahren Mörder auf … Seit 1981 läuft die deutsche Krimiserie "Ein Fall für Zwei" nun schon, die vorläufig letzte ("Ehrensache") vorigen Freitagabend auf ORF 2 (und parallel auf ZDF). Soeben hat Claus Theo Gärtner, Darsteller des Privatdetektivs Josef Matula, seinen 65. Geburtstag gefeiert. Grund genug, wieder einmal diesen TV-Evergreen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Zoom, Zeitraffer, Einfrieren: die Uralt-Serie bedient sich einer zeitgemäßen Bildsprache, auch die Themen sind alles andere als altväterisch: "Ehrensache" blickt hinein in die türkische Parallelgesellschaft, in der die Patriarchen das Sagen haben und begabten Mädchen eine höhere Schulbildung verwehrt wird (obwohl sich dann - soviel politische Korrektheit muss sein - herausstellt, dass der Mörder ein Deutscher ist). Nur Privatdetektiv Matula scheint als eine Art Fossil aus ferner Vergangenheit in die Gegenwart hineinzuragen. Doch der Eindruck täuscht: Matula war immer schon eine erratische Figur. Die Anwälte (Günter Strack, Rainer Hunold, Mathias Herrmann und nun Paul Frielinghaus) wechselten, aber Matula blieb stets der gleiche: unfreundlich und taktlos gegenüber jedermann, ob Täter, Opfer oder Zeuge. Ein Prolo mit spießiger Lederjacke und grauenvoller Frisur; ein notorischer Biertrinker und Imbissbudenbesucher; ein Verlierertyp mit andauernden Geldsorgen, der auch regelmäßig einen Schlag auf den Schädel verpasst bekommt (natürlich auch in "Ehrensache").

Ewig wird Jubilar Gärtner, der als begeisterter Motorsportler die Autostunts selbst absolviert, die Rolle wohl nicht mehr ausfüllen können. Dann kann Matula endlich seinen Lebensabend in einer Trinkeroase bei 'nem Pils und 'nem Korn beschließen. Michael Kraßnitzer

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