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Der Philip Marlowe des kleinen Mannes

1945 1960 1980 2000 2020
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Eine Fernsehsendung mag noch so altbacken sein: Wenn sie über mehrere Jahrzehnte ausgestrahlt wird, dann umgibt sie die Aura des Besonderen. Man denke nur an den legendären BAWAG-Werbespot mit der glücklich über eine Blumenwiese laufenden Familie oder "Was bin ich?“, das heitere Beruferaten mit Robert Lembke.

In diese Kategorie fällt auch die ZDF-Krimiserie "Ein Fall für zwei“, deren letzte Folge dieser Tage zu Ende gedreht wird. Damit hängt TV-Privatdetektiv Josef Matula nach 31 Jahren und genau 300 Folgen die Lederjacke endgültig an den Haken. Diese von Claus Theo Gärtner verkörperte Figur stand unangefochten im Zentrum von "Ein Fall für zwei“, auch wenn es nominell um ein Duo bestehend aus Matula und einem Rechtsanwalt (Günter Strack, Rainer Hunold, Mathias Herrmann und zuletzt Paul Frielinghaus) ging.

Die Faszination, die von der literarischen und filmischen Figur des Detektivs ausgeht, kann viele Ursachen haben: Das Publikum schließt einen Privatdetektiv ins Herz, weil er extreme Coolness ausstrahlt (Philip Marlowe), seine Ermittlungsmethoden besonders raffiniert sind (Hercule Poirot), sich an der Grenze zum Wahnsinn (Adrian Monk) oder jenseits der Grenze zur Legalität (Mike Hammer) bewegt. Josef Matula tut nichts von alledem. Mit seiner spießigen Lederjacke und seiner peinlichen Frisur gibt er eine jämmerliche Erscheinung ab. Seine Methoden sind hausbacken und in seinem Inneren gibt es keine Abgründe. Er ist ein biederer Fließbandarbeiter im Industrieviertel der Verbrechensaufklärungsbranche, der nach Dienstschluss auf ein, zwei Bierchen und einen Schnaps ins Lokal am Eck geht. Er ist ein Verlierer, aber einer ohne Größe: Andauernder Geldmangel und regelmäßige Prügel sind alles, worunter er zu leiden hat.

Kultig - weil uncool

Das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg: Josef Matula ist dem kleinen Mann sein Marlowe, der kleinen Frau ihr Poirot. Bei einem lebensnahen Charakter fällt die Identifikation viel leichter als bei einer schillernden Kunstfigur. Knapp bei Kasse und Prügel vom Chef (im übertragenen Sinn) - kennen wir das nicht alle? Und natürlich ist das lebende Fossil Matula auch ein gefundenes Fressen für alle jene, die sich dem Medium Fernsehen aus ironischer Perspektive nähern: Gerade weil Matula so uncool ist, ist er kultig.

Für Darsteller Gärtner jedenfalls beginnt jetzt ein neues Leben. Mit seiner Frau wird der bekennende Kettenraucher nun in einem Expeditionsmobil die Transamericana von der Südspitze des amerikanischen Kontinents bis nach Alaska befahren. Schon die Autostunts in "Ein Fall für zwei“ absolvierte der begeisterte Motorsportler selbst, fast wäre er Profirennfahrer geworden. Auch auf die Bühne möchte Gärtner, der in jungen Jahren in Hannover, Göttingen, Stuttgart, Berlin und Hamburg gespielt hat, zurückkehren.

Die nun abgedrehte letzte Folge der Krimiserie wird im Frühjahr 2013 ausgestrahlt. Wer danach noch Krimis mit einem aus der Zeit gefallenen Ermittler sehen will, der muss auf Sat.1 zur Serie "Der letzte Bulle“ ausweichen. Da geht es um einen Polizisten, der seit den Achtzigern im Koma lag und sich nun in einer ihm fremden Welt wiederfindet. Das war im Prinzip auch mit Matula so, obwohl der nie im Koma lag.

Eine Fernsehsendung mag noch so altbacken sein: Wenn sie über mehrere Jahrzehnte ausgestrahlt wird, dann umgibt sie die Aura des Besonderen. Man denke nur an den legendären BAWAG-Werbespot mit der glücklich über eine Blumenwiese laufenden Familie oder "Was bin ich?“, das heitere Beruferaten mit Robert Lembke.

In diese Kategorie fällt auch die ZDF-Krimiserie "Ein Fall für zwei“, deren letzte Folge dieser Tage zu Ende gedreht wird. Damit hängt TV-Privatdetektiv Josef Matula nach 31 Jahren und genau 300 Folgen die Lederjacke endgültig an den Haken. Diese von Claus Theo Gärtner verkörperte Figur stand unangefochten im Zentrum von "Ein Fall für zwei“, auch wenn es nominell um ein Duo bestehend aus Matula und einem Rechtsanwalt (Günter Strack, Rainer Hunold, Mathias Herrmann und zuletzt Paul Frielinghaus) ging.

Die Faszination, die von der literarischen und filmischen Figur des Detektivs ausgeht, kann viele Ursachen haben: Das Publikum schließt einen Privatdetektiv ins Herz, weil er extreme Coolness ausstrahlt (Philip Marlowe), seine Ermittlungsmethoden besonders raffiniert sind (Hercule Poirot), sich an der Grenze zum Wahnsinn (Adrian Monk) oder jenseits der Grenze zur Legalität (Mike Hammer) bewegt. Josef Matula tut nichts von alledem. Mit seiner spießigen Lederjacke und seiner peinlichen Frisur gibt er eine jämmerliche Erscheinung ab. Seine Methoden sind hausbacken und in seinem Inneren gibt es keine Abgründe. Er ist ein biederer Fließbandarbeiter im Industrieviertel der Verbrechensaufklärungsbranche, der nach Dienstschluss auf ein, zwei Bierchen und einen Schnaps ins Lokal am Eck geht. Er ist ein Verlierer, aber einer ohne Größe: Andauernder Geldmangel und regelmäßige Prügel sind alles, worunter er zu leiden hat.

Kultig - weil uncool

Das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg: Josef Matula ist dem kleinen Mann sein Marlowe, der kleinen Frau ihr Poirot. Bei einem lebensnahen Charakter fällt die Identifikation viel leichter als bei einer schillernden Kunstfigur. Knapp bei Kasse und Prügel vom Chef (im übertragenen Sinn) - kennen wir das nicht alle? Und natürlich ist das lebende Fossil Matula auch ein gefundenes Fressen für alle jene, die sich dem Medium Fernsehen aus ironischer Perspektive nähern: Gerade weil Matula so uncool ist, ist er kultig.

Für Darsteller Gärtner jedenfalls beginnt jetzt ein neues Leben. Mit seiner Frau wird der bekennende Kettenraucher nun in einem Expeditionsmobil die Transamericana von der Südspitze des amerikanischen Kontinents bis nach Alaska befahren. Schon die Autostunts in "Ein Fall für zwei“ absolvierte der begeisterte Motorsportler selbst, fast wäre er Profirennfahrer geworden. Auch auf die Bühne möchte Gärtner, der in jungen Jahren in Hannover, Göttingen, Stuttgart, Berlin und Hamburg gespielt hat, zurückkehren.

Die nun abgedrehte letzte Folge der Krimiserie wird im Frühjahr 2013 ausgestrahlt. Wer danach noch Krimis mit einem aus der Zeit gefallenen Ermittler sehen will, der muss auf Sat.1 zur Serie "Der letzte Bulle“ ausweichen. Da geht es um einen Polizisten, der seit den Achtzigern im Koma lag und sich nun in einer ihm fremden Welt wiederfindet. Das war im Prinzip auch mit Matula so, obwohl der nie im Koma lag.