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Die Kasperln sind schon in der Politik

Die Politik ist ein Kasperltheater: Dieser Befund ist normalerweise metaphorisch gemeint. Die Künstlergruppe maschek jedoch nimmt das Diktum wörtlich und lässt Österreichs Politiker als Kasperlfiguren auftreten: Alfred Gusenbauer als Opportunist, dem Wolfgang Schüssel sein politisches Programm einflüstert und der sich bei jeder Gelegenheit über den Tisch ziehen lässt, Wilhelm Molterer als verklemmter Anti-Charismatiker bar jeder Phantasie, Michael Häupl als trinkfreudiger Vorstadtprolet. Letzten Donnerstag lief im Rahmen einer "Donnerstag Nacht spezial" auf ORF 1 das nunmehr vierte maschek-Programm "Beim Gusenbauer", eine Aufzeichnung aus dem Wiener Rabenhof-Theater.

Dass der Bundeskanzler Frauenministerin "Dorli" Bures zum Kaffeeholen schickt, ist nette Blödelei. Über alternative Energie zu schwadronieren und dann Karl-Heinz Grasser als Energiequelle für ein "Dampfplauderkraftwerk" und Peter Westenthaler als Energiequelle für ein "cholerisches" Kraftwerk auszumachen, ist ein seltener Blitz großartigen, zeitgenössischen Humors. Über weite Strecken aber ist "Beim Gusenbauer" altbackenes Polit-Kabarett. Wenn das Team des Original Wiener Praterkasperl die Puppen tanzen lässt und ihnen die drei maschek-Künstler (Peter Hörmannseder, Ulrich Salamun, Robert Stachel) die Stimmen leihen, dann kann man allenfalls ein paar Mal schmunzeln, mehr nicht.

Das ist nicht die Schuld von maschek. Es ist eine Krise des politischen Kabaretts an sich. Die Zeiten, in denen im Kabarett ausgesprochen wurde, was sonst niemand auszusprechen wagte, sind längst vorbei. Und vor allem fällt es heute schwer, durch Überzeichnung der Wirklichkeit Witz zu erzeugen. Überspitzt formuliert: Was bringt es, die Politik als Kasperltheater zu zeigen, wenn die Politik ohnehin schon ein Kasperltheater ist?

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