Digital In Arbeit

Ein altes Medium will sich neu positionieren

In unserer Zeit, in der viele Werte verloren zu gehen scheinen, die jahrhundertelang Geltung besaßen, ist es wichtig, die Stimmen der Kirche zu hören", schreibt Chefredakteurin Marie-Theres Hemberger im Leitartikel der neuen "alten" "Wiener Kirchenzeitung". Die präsentierte sich zum 150. Geburtstag mit neuem Gesicht: neuer Zeitungskopf, neues vierfärbiges Layout und eine neue Aufteilung der Seiten. Damit will sie, öfters schon totgesagt, im zunehmenden österreichischen Medienrummel ein kräftiges Lebenszeichen von sich geben.

Auch wenn es bei der letzten "alten" Kirchenzeitung noch Ärger gab: Mancher Abonnent mußte länger auf die Osterausgabe warten, denn bei der Umstellung vom teureren Postvertrieb auf den neuen Vertriebspartner Mediaprint sind bei der ersten Zustellung zahlreiche Probleme aufgetreten.

Wer sich vom Relaunch der Zeitung große Veränderungen erwartet, wird - je nachdem - enttäuscht oder positiv überrascht sein. Denn die "Kirchenzeitung" will auch mit den neuen Lebens- und Orientierungshilfeseiten ihren Grundsätzen treubleiben: Objektiv und sachlich informieren, unterschiedlichen Meinungen Platz geben, dabei aber stets am Glauben orientiert sein. Wie dieser Auftrag bisher erfüllt wurde, darüber existieren unterschiedliche Auffassungen. Auch eine erste Durchsicht des erneuerten Mediums hinterläßt (neben der durchgehenden Vierfarbigkeit) den Eindruck großer Heterogenität - sowohl inhaltlich als auch in den Formen der Darstellung. Doch das Unterfangen, von überregionaler Berichterstattung bis zum Aufgreifen lokaler kirchlicher Ereignisse präsent zu sein, und dazu eine richtig gewichtete Portion Glaubens- und Lebenshilfe anzubieten, ist kein leichtes.

Der überregionale Teil wird gemeinsam für die Diözesen Wien und Eisenstadt gestaltet; die diözesane Berichterstattung ist für Wien und Eisenstadt (im gleichen Layout) verschieden. Will das verjüngte Kirchenblatt, das zur Zeit eben zwei Diözesen bedient, in Zukunft auch in andere Diözesen expandieren? Wolfgang Bergmann, Öffentlichkeitsarbeitschef der Wiener Erzdiözese meint im Furche-Interview, zunächst betreffe dieser Relaunch die Partner Wien und Eisenstadt (vollständiges Interview siehe Seite 16 in dieser Furche).

Im Sinne der Leserfreundlichkeit ist positiv anzumerken, daß in der neuen Kirchenzeitung versucht wird, durch einen anderen Aufbau etwas Ordnung in die Seiten zu bringen. Der diözesane Teil ist, genauso wie die Glaubensseiten, erkennbar abgegrenzt. Das vollständige Fernsehprogramm machte einem Ressort "Kultur- und Medien" sowie einer Kinderseite Platz. Auch die Veranstaltungs- und Gottesdiensthinweise sind unprätentiöser und lesbarer geworden.

Wird die neue Kirchenzeitung in der derzeitigen kirchlichen Lage bestehen? Die Antwort darauf liegt in der inhaltlichen Ausrichtung und der Fähigkeit, auch kritische Stimmen integrieren zu können; all dies wird erst nach einigen Wochen zu beurteilen sein. Stets am Glauben orientiert zu bleiben, wird für die Kirchenzeitung - ebenso wie für gläubige Katholiken - in jedem Fall ein schwieriges Unterfangen bleiben.

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