Im Gespräch

Der Reise-Dokumentarfilmer Rick Ray fuhr nach Indien, sollte einen Film drehen und als Honorar ein Interview mit dem Dalai Lama bekommen. Das Arrangement wird nicht erfüllt, doch das Interview kommt zu Stande - denn Rays Fahrer weiß, wie man den Dalai Lama erreichen kann. Allerdings muss Ray drei Monate auf das Gespräch warten und nützt die Zeit, um durch Indien zu reisen. Daraus entsteht ein essayistischer Reise-Film, in den das Interview mit dem Dalai Lama eingebettet ist. Bilder aus dem heutigen Indien, interessante Rückblenden in die Geschichte Tibets und bedrückende Dokumente aus dem von China besetzten Tibet sind zu sehen, Eindrücke vom Leben in Dharamsala in Nordindien, dem Ort der tibetischen Exilregierung; auch aus einem buddhistischen Kloster in Leh, in dem es ähnlich zugeht wie in den tibetischen Klöstern vor der Zerstörung durch die Chinesen.

Der Dalai Lama lebt in einem moderneren Umfeld, doch er hält seinen Lebensstil einfach. Er weigerte sich lange, auf seinen zahlreichen Reisen die erste Klasse zu benützen. Massive Sicherheitsvorkehrungen machen es dem Dalai Lama auch nicht leicht, ein monastisches Leben zu führen. Das bedauert er oft - sieht und verhält er sich doch als normaler Mensch und nicht als "Gott-König", wie ihn der Filmautor fälschlich bezeichnet. Ray stellt typische Fragen - warum die Menschen in den Slums so oft und die Reichen so selten lächeln; wie das tibetische Volk seine kulturelle Identität im Exil wahren kann; wo in einem Konflikt die Grenzen der Gewaltfreiheit sind usw.

Der Dalai Lama antwortet ebenso typisch: Dass die Gier nach Mehr, die den Neoliberalismus bestimmt, Quelle vieler Übel auf individueller und internationaler Ebene ist. Entwaffnende Einfachheit und Humor unterscheiden den Dalai Lama wohltuend von anderen Politikern und Religionsführern. Das wird sehr deutlich und macht die Stärke des Films aus. Ursula Baatz

10 FRAGEN AN DEN DALAI LAMA Eine Reise durch den Norden des Himalaya

Indien/Tibet 2006. Regie: Rick Ray. Verleih: Einhorn. 85 Min.

In Kindermanier

Ein fettleibiger Pandabär, der als Nudelsuppenkoch in China schuftet, aber von der ganz großen Karriere als smarter Kung-Fu-Kämpfer träumt - und siehe da: Das Schicksal erwählt ihn zum obersten Kung-Fu-Krieger, damit er die Welt vor einer finsteren Bedrohung retten kann. Zuerst muss aber noch fleißig trainiert werden.

Die Parallele zum Tellerwäscher, der Millionär werden will und hernach diesen uramerikanischen Traum auch lebt, ist schnell gezogen. "Kung Fu Panda" transferiert diesen Traum nach Asien, ins Reich schnuckeliger, stylisher und vor allem cooler Tierchen.

Das alles mit Leichtigkeit für Kinder inszeniert, denen man mit auf den Weg gibt: Wer sich anstrengt im Leben, kann alles erreichen. Man muss es nur wollen. Für die erwachsenen Zuschauer bietet "Kung Fu Panda" etliche humorige Seitenhiebe auf die Star-Wars-Saga. Und beide Besuchergruppen werden sich über die spaßigen und perfekt animierten Kampfsequenzen freuen. Bisher hatten die Trickfilme aus dem Hause "Dreamworks" wenig Seele, weil sie allzu technisch gerieten.

Bei "Kung Fu Panda" dominiert erstmals das Gefühl, dass hier sehr wohl auch mit Herz an der Geschichte gearbeitet wurde. Dass auch dieser Film dazu benutzt wird, die guten alten amerikanischen Werte zu predigen, kann man darob verzeihen. Matthias Greuling

KUNG FU PANDA

USA 2008. Regie: Mark Osborne, John Stevenson.

Verleih: Universal. 92 Min.

In Heldenmanier

Stünde das Fabrikat "Hancock" für sich allein, und nicht in einer erdrückenden Tradition, ließe sich annehmen, den Film hätte in Windeseile der eigene Mut verlassen. Mitnichten: Auch der jüngste Vertreter der Sparte Superhelden-Sommerblockbuster kokettiert mit dem Bruch der Konventionen, nur um später ein ganz braver zu werden.

Tiefer als anderswo ist allein der Sturz aus den Hoffnungen, die er zu Beginn mit seinem Antihelden erzeugt: einem betrunkenen, pöbelnden Schadensfall-Garanten, in dessen Haut Will Smith für einen Moment Spaß verbreitet. Schnell aber ist klar, dass dieser Mann nur ein Trauma auslebt und innerlich darauf wartet, geläutert zu werden - wofür es nur den PR-Experten an seiner Seite braucht, der idealistisch genug ist.

Wie der amerikanische Superheld zu sein hat? Weiterhin höflich, glattrasiert, uniformiert, nüchtern. Mit tragischer Barriere vor dem eigenen Glück. Die einzige Neuerung der letzten Jahrzehnte ist der Zynismus, mit dem Regisseure wie Peter Berg ("Very Bad Things") dabei zu Werke gehen: Der verlockt, in alter Abgebrühtheit mehr zu vermuten. Thomas Taborsky

HANCOCK

USA 2008.

Regie: Peter Burg.

Mit: Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman.

Verleih: Sony. 92 Min.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau