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Gescheiterte gesucht

Vom 15. bis 17. Dezember zeigt das "Festival des gescheiterten Films" in Wien Filme, die - bisher - ihr Publikum nicht fanden.

Da schuftet man sich monatelang ab, geht an die Grenzen der Belastbarkeit und erklärt die Selbstausbeutung zum Prinzip: Viele Filmemacher legen ihr gesamtes Herzblut und ihre Kraft in ein Projekt - nur um am Ende festzustellen, dass niemand auf ihre künstlerische Arbeit gewartet hat. Es regnet Absagen von Filmfestivals, das Publikum bleibt aus, das idealistische Projekt wird zum Flop. Keine Seltenheit, vor allem in der Independent-und Kurzfilmszene: Dort sind Publikumserfolge besonders rar, weil sich die oft sehr ambitionierten Filmwerke nicht richtig vermarkten lassen - sei es nun aus inhaltlichen oder budgetären Gründen.

Den Sinn zurückgeben ...

Genau für solche Filme gibt es jetzt das "Festival des gescheiterten Films", das von 15. bis 17. November im Wiener Schikaneder Kino stattfindet. Nach der Premiere der Filmschau in Wien wandert diese weiter nach München, Hamburg und schließlich nach Berlin. Ziel der Filmschau ist es, Filme zu zeigen, denen der wirtschaftliche Erfolg versagt geblieben ist. (Wiewohl angemerkt sein sollte, dass das Versagen an der Kinokasse nicht das alleinige Kriterium für das Scheitern ist).

Festivalleiter H.W. Müller hat 56 Filme in neun Programmblöcken zusammengestellt. Den ausgewählten Filmen und ihren Machern will Müller den Sinn ihrer Arbeit wieder zurückgeben: "Scheitern ist nicht Versagen, sondern bewusstes Entsagen", meint Müller. Dabei sind aber auch Arbeiten von Filmemachern zu sehen, deren künstlerisches Scheitern sie überhaupt erst dazu bewogen hat, ihre Filme einzureichen.

Etwa der Dokumentarfilm In the Rhythm of a City von Katharina Suckale. Die Regisseurin wollte darin die Geschichte einer Berliner Musikgruppe in Indien erzählen. "Aufgrund von Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe konnte und durfte ich viele Konflikte nicht filmen. Dadurch kommt der Zuschauer den Musikern nicht wirklich nahe", geht Suckale mit ihrer eigenen Arbeit hart ins Gericht. Der Film blieb liegen, niemand wollte die Rechte daran erwerben. "Das Projekt hat mich auch noch finanziell ruiniert", so Suckale.

Neben Filmen, die schon im Titel damit kokettieren, gescheitert zu sein (z.B. Bad Movie von David Peter Burmeister), sind besonders viele Kurzfilme im Programm des "Festival des gescheiterten Films" zu finden. Gerade dieses Genre hat es schwer, eine große Öffentlichkeit zu finden. Kurzfilme sind Nischenprogramme und haben selten ein über den Festivaleinsatz hinausgehendes Leben. Im Programm finden sich auch einige österreichische Beiträge: Etwa der Film Raumausstatter Stagl von Hubert Sielecki. Der Regisseur ist seit 25 Jahren Leiter des Studios für experimentellen Animationsfilm an der Wiener Angewandten, schaffte es mit diesem Film bisher aber trotzdem in kein Festivalprogramm. Außerdem dabei: Ein Film des eher radikalen Wiener Filmemachers Paul Poet, bekannt durch seine Doku Ausländer raus! Schlingensiefs Container. Poet hat mit The Amp Hymn einen Splatterfilm gedreht, der als Musikvideo der SplatterMetal-Legende "Pungent Stench" angelegt war. Darin geht es um Sex zwischen amputierten Menschen.

"Wir machen weiter!"

Auf der Internet-Seite des Schikaneder-Kinos ( www.schikaneder.at) werden sämtliche Filme vorgestellt. Dazu wurden auch die Kommentare der jeweiligen Regisseure veröffentlicht, die eine Einschätzung abgeben, weshalb ihr Film ihrer Meinung nach gescheitert ist. Von technischen ("Wir haben den Ton beim Dreh vernachlässigt") bis hin zu inhaltlichen Problemen ist da die Rede. Etwa in dem Kurzfilm Primiz als Überforderung von Cornelius Onitsch, in dem es um "Vier Stationen des jungen Pfarrers mit verfehlter Berufswahl und abschließender Messfeier" geht. Grund des Scheiterns: "Fragen Sie die Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg", so der Regisseur.

Oder der Kurzfilm Senf oder Ketchup von Janet Güttel, in dem es um eine vergiftete Currywurst und die Folgen geht. "Der Film wurde beim Kurzfilmfest Weiterstadt und beim Kurzfilmfest Halle abgelehnt, bei Interfilm Berlin sowieso. Der Film ist mit einer Digitalkamera gedreht, alle Beteiligten arbeiteten nur aus Spaß am Filmen und Spielen, absolut kein Budget", sagt die Regisseurin. "Ist wahrscheinlich zu krank, zu doof, zu abartig oder zu schlecht für Festivals. Tja. Wir machen trotzdem weiter!"

Infos auch: www.der-gescheiterte-film.de

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