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It'S No GOOD (sprich: Kein TV-Tipp)

1945 1960 1980 2000 2020
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"Ich will Kalif werden an Stelle des Kalifen!", das ist das einzige Sinnen und Trachten des verschlagenen Großwesirs Iznogoud. Täglich um 12 Uhr 15 ertönt dieser trotzige Ruf auf ORF 1, da nämlich läuft die Zeichentrickserie Iznogoud in Confetti TiVi, der Kinderprogrammschiene des ORF. Schon die erste der insgesamt 26 Folgen - je zwei Episoden à zehn Minuten - machte deutlich, dass es sich trotz angeblich großen Aufwands um ein ziemlich schwaches Produkt handelt: Der Großwesir versuchte dabei, den Herrscher von Bagdad mittels eines Zauberbettes, das den Schläfer auf Nimmerwiedersehen verschwinden lässt, beziehungsweise eines Zauberhutes, der seinen Träger verrückt werden lässt, aus dem Weg zu räumen. Mehr behindert denn unterstützt wurde er dabei von seinem Diener mit dem sprechenden Namen Tunichgud.

Der sehr, sehr simple Humor speist sich hauptsächlich aus zwei Quellen: dem Ärger des kleinen, gemeinen Iznogouds, dem all seine Pläne stets missraten sowie der Naivität und Schläfrigkeit des dicken und gemütlichen Paschas Harun al Pussah. Subtilen Witz oder Anflüge von Weisheit sucht man vergebens; immerhin: Iznogoud ist frei von Gewalt.

Nur wenige Zeichentrickserien ragen aus dem gewöhnlichen Zeichentrickeintopf heraus, zum Beispiel der Klassiker Heidi, der letztes Wochenende auf doppelte Spielfilmlänge komprimiert im ZDF lief. Iznogoud gehört nicht dazu, dabei stammt die Vorlage aus der Feder von niemand geringerem als René Goscinny, dem Schöpfer von "Asterix". Doch der 1966 erstmals erschienene Kult-Comic ist, wie eben so viele Comics beziehungsweise Zeichentrickserien, ein Kind seiner Zeit, in diesem Fall des Frankreichs der sechziger und siebziger Jahre. Damals aktuelle Anspielungen auf Gesellschaft und Politik sind heute unverständlich und konnten daher nicht auf die Zeichentrickserie einfließen. Da feiner Humor offenbar auch nicht zu den Stärken der Produktionsfirma Saban International gehört, ist die Zeichentrickserie - im Gegensatz zum Comic - weder Kindern, noch Erwachsenen zu empfehlen.