Digital In Arbeit

Jedem einen Diener

Vor dreißig Jahren kam der erste PC auf den Markt. Seine Entwicklung war seitdem nicht zu stoppen.

Im Jänner 1975 pries die Zeitschrift "Popular Electronics" auf ihrer Titelseite den Altair 8800 um nur 397 Dollar an. Dieser Urahn des pc hatte keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Gerät, das mittlerweile in mehr als der Hälfte aller österreichischen Haushalte steht: weder Bildschirm, noch Tastatur, noch Maus - ein Elektronikbaukasten ausgerüstet mit Schalthebeln, Leuchtdioden, 256 Byte Arbeitsspeicher und einem Mikroprozessor.

Ob es sich beim Altair 8800 nun tatsächlich um den ersten pc handle, sei ein Gelehrtenstreit, meint Andreas Stolte vom Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn, dem weltweit größten Computermuseum. "Mit 200.000 verkauften Stück, ist er aber mit Sicherheit das erste kommerziell vertriebene Modell."

Einfache Programme konnte man bereits auf dem Altair 8800 schreiben, allerdings nur durch die mühevolle Eingabe über die Schalthebel - Bit für Bit .

Revolutionärer Chip

Die eigentliche Revolution sieht Kurt Judmann vom Institut für Computer Technik der Technischen Universität Wien nicht so sehr im Gerät selber, sondern in dem Schritt weg von einem teuren Großrechner hin zu vielen kleinen, wenn auch vorerst nicht ganz so leistungsfähigen Computern, die mit industriellen Methoden gefertigt werden konnten. Dies wurde erst durch die Entwicklung von Mikroprozessoren möglich. In den Großrechnern, auch Mainframes genannt, waren Speicher und Prozessoren sehr aufwendig und kostspielig realisiert.

Himmlisch: 1000 Byte!

Ein Computer, erklärt Judmann, besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: dem Prozessor (auch cpu - central processing unit), dem Speicher und den Schnittstellen, gemeint sind Ein- und Ausgabegeräte. Diesem Grundprinzip, das man auch als von-Neumann-Architektur bezeichnet, folgen alle Computer seit den 50er Jahren. Anfang der 70er gelang es der Mikroelektronik dann, Speicher und Prozessor auf Chips zu integrieren, die äußerst günstig hergestellt werden konnten.

1975 erahnte niemand, welche Auswirkung diese Entdeckung in der Zukunft haben würde. Man habe die Leistungsfähigkeit dieser neuen Technologie unterschätzt, so Judmann, der sich erinnert: "Bei 1000 Byte Speicher haben wir gedacht: Das ist der Himmel!". Zum Vergleich: Heute hat ein Computer um die 256 Megabyte Arbeitsspeicher, das sind umgerechnet 268 Millionen Byte.

Wie so oft in der Geschichte der Technik war auch der Mikroprozessor ursprünglich nur ein Abfallprodukt, das ein kreativer Bastler weiterverwertet hat: Ed Roberts, ein Hinterhofhändler aus New Mexico, konstruierte den Altair für Tüftler und Bastler und verwendete dazu einen von der Firma Intel entwickelten Chip, der wegen seiner Langsamkeit keine Verwendung fand.

Der eigentliche Durchbruch in die Privathaushalte gelang erst 1981 dem legendären Commodore 64 mit 20 Millionen verkauften Geräten. Somit ging das ursprüngliche Konzept des pc endgültig auf: "Jeder Mensch bekommt seinen persönlichen Diener", formuliert es Judmann. Ein wichtiger Schritt in Richtung benutzerfreundliche Bedienung war die Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche und ihre Vermarktung 1984 durch den ersten Mac. Die Schalthebel wurden allerdings zunächst von der textuellen Eingabe der Befehle über Tastatur und Bildschirm abgelöst, erklärt Andreas Stolte, was ein gewisses Know-How an Programmiersprache voraussetzte.

Entwicklung geht weiter

Die rasante technologische Entwicklung, die einen Computer nach wenigen Jahren als veraltet erscheinen lässt, ist nach der Einschätzung Judmanns noch nicht vorbei. Selbst mit den derzeit verwendeten Halbleitertechniken könne man die Infrastruktur, also Speicher und Prozessoren, noch weiter optimieren. "Es gibt aber bereits andere Technologien, die hufescharrend bereitstehen oder gerade entwickelt werden", so Judmann, der auch einen großen Bedarf darin sieht, den Computer noch leichter bedienbar zu machen. Von Sprachsteuerung ist zum Beispiel die Rede. Wer weiß, vielleicht kann man sich in 30 Jahren bereits persönlich mit seinem pc über dessen gelegentliche Befehlsverweigerungen streiten.

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