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Karawane durchs Eis

"Die Reise der Pinguine" wurde von Luc Jacquet ebenso faszinierend wie bildgewaltig begleitet.

Sie schießen aus dem Wasser, gleiten über das Eis und rappeln sich mühsam auf. Im wackeligen Gänsemarsch nehmen die seltsamen Pilger einen anstrengenden Marsch auf sich: Tausende von Kilometern legen die Kaiserpinguine in der unwirtlichen Antarktis zurück, um das Überleben ihrer Art zu sichern: Sie brechen auf zu den Brutplätzen. Jahr für Jahr werden sie denselben Ort erreichen. Wissenschaftler rätseln bis heute, wie nach ihrem wochenlangen Marsch alle zeitgleich, aus den verschiedenen Richtungen kommend, ihr gemeinsames Ziel erreichen. Schwächende Monate stehen bevor: Essbares werden die Tiere in der Eiswüste nicht finden, sie werden von den Fettreserven leben müssen, den ungemütlichen klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Abwechselnd halten die frisch "verheirateten" Paare ihren Nachwuchs warm (die Eier würden binnen weniger Sekunden auf dem Eis erfrieren) und treten den langen Marsch zum Meer an, um sich zu stärken. Es ist ein ewiger Kreislauf, den Luc Jacquet bildgewaltig festgehalten hat. Über ein Jahr hat der Biologe die Kaiserpinguine auf ihrer Mission begleitet und musste dabei sehr vorsichtig vorgehen: Nähert man sich der Kolonie zu hastig, könnte man die Pinguine erschrecken und dabei 200 Eier zerstören. Um abendfüllend zu unterhalten, hat Jaquet seinen stummen Protagonisten eine Stimme geschenkt, lässt sie von den schweren Bedingungen erzählen. Diesen Job erledigt in der englischsprachigen Filmfassung niemand Geringerer als Morgan Freeman.

DIE REISE DER PINGUINE

La marce de l'empereur

F 2004. Regie: Luc Jacquet.

Verleih: Filmladen. 86 Min.

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