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Kino: exzentrisch, jung

"Crossing Europe", Linz: Auch heuer überzeugte das kleine, gut gelaunte Filmfestival.

Exzentrisches junges Kino aus Europa - das will "Crossing Europe"-Intendantin Christine Dollhofer nun schon seit fünf Jahren in Linz präsentieren. Das Echo bei Publikum und Presse gibt ihrem Konzept recht: Seit Beginn des Filmfestivals steigen die Besucherzahlen konstant, auch heuer gab es wieder ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt 16.000 Menschen haben die Film- und Veranstaltungsangebote von "Crossing Europe" genützt. Einer von ihnen war Kanzler Alfred Gusenbauer, der das Festival eröffnete und ein weiteres Mal betonte, der österreichische Film sei wichtig und habe mehr Unterstützung verdient, die auch kommen werde. "Ich hoffe, dass diese Zugeständnisse auch umgesetzt werden", sagte Christine Dollhofer dazu am Ende des Festivals.

"Familie von Filmemachern"

Die umtriebige Intendantin will allmählich eine "Familie von Filmemachern" wachsen lassen, die sich in Linz kennenlernen und gerne wiederkommen. Das scheint zu gelingen: Die junge französische Schauspielerin und Regisseurin Isild Le Besco hat im Gründungsjahr 2002 mit ihrem Erstlingsfilm "Demi-Tarif" den Wettbewerb gewonnen. Der Film ist die sensibel erzählte Geschichte einiger junger Geschwister, denen die Eltern abhanden gekommen sind und die sich durch den Großstadtalltag zu schlagen versuchen. Die 10.000 Euro Preisgeld steckte Le Besco direkt in ihren zweiten Film "Charly", der heuer im Wettbewerb zu sehen war - und prompt gewann sie wieder. Dollhofer nennt Le Besco ein Paradebeispiel für jenes Kino von den Rändern, das sie in Linz zu Wort kommen lassen will.

Der Europabegriff der Intendantin ist weit. Obwohl Crossing Europe das einzige österreichische Filmfestival ist, das die Media-Förderung der Europäischen Kommission bekommt, sind die Grenzen dieses Europas weit jenseits der EU: Ein Film über jugendliche Delinquenten in Russland hat ebenso Platz wie die Geschichte eines kurdischen Brautpaares oder der Horrorfilm "Otto; or, Up with Dead People" des kanadischen Kultregisseurs Bruce LaBruce.

Horrorfilm war dieses Jahr neu im Festival. In der Schiene "Nachtsicht" waren Beispiele europäischen Genrekinos zu sehen, die das Publikum durchaus verstörten - nicht nur, weil die Filme schlicht zum Fürchten waren, etwa "REC", der Ende Mail österreichweit in die Kinos kommt. Der laut Kurator Markus Keuschnigg "recht vulgäre" französische Horrorschocker "Frontier(s)" etwa erntete Unmut beim Publikum, was Keuschnigg durchaus gerne sieht: "Die Reihe war ja als provokanter Gegenentwurf zum sonstigen Festivalprogramm gedacht. Leider ist die Diskussion nicht richtig in Gang gekommen", bedauert er.

Gut funktioniert hingegen hat etwa der Litauen-Schwerpunkt, der in Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Vilnius programmiert wurde. "Ich finde es schön, wenn die unterschiedlichen Mentalitäten der Länder das Festival prägen", freut sich Dollhofer über die Gäste, die teils von weither gekommen sind.

"Kein didaktisches Festival"

Mit über 500 akkreditierten Gästen von Presse und aus der Branche ist ein neuer Rekord gelungen, der die Vernetzungsfunktion von Crossing Europe bestätigt. "Wir sind kein didaktisches Festival", so die Intendantin, "bei uns funktioniert die Themenverhandlung über Diskussionen, die von selbst unter unseren Gästen stattfinden." Genau das ist es, was das Linzer Festival auszeichnet: Es ist klein genug, um noch ein richtiges Kennenlernen der Anwesenden zu ermöglichen. Und zugleich groß genug, um diese Bekanntschaften zu wirklich fruchtbaren Arbeitsbeziehungen wachsen zu lassen.

Seit dem Vorjahr gibt es eine Zusammenarbeit mit Linz 09: 2009 wird Linz Kulturhauptstadt, und bereits jetzt wurde ein kleiner Teil des Festivalbudgets von insgesamt 400.000 Euro von Linz 09 bestritten. "Man darf aber nicht vergessen: Unser Budget ist immer noch nur ein Bruchteil dessen, was die Diagonale zur Verfügung hat", betont Dollhofer. Zu Linz 09 ist aber kein spezielles Programm geplant, das Festival wird nächstes Jahr lediglich um einen Tag verlängert: "Wir wollen die besondere Atmosphäre von Crossing Europe unbedingt beibehalten - und wir müssen ja auch daran denken, dass auch 2010 ein Festival stattfinden soll", sagt die Intendantin.

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