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"Mehr regionale Geschichten"

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Bis vor gut einem Jahrzehnt war die Zukunft vieler heimischer Lichtspieltheater noch keineswegs gesichert, doch seit dem flächendeckenden Umbau der Kinos im Bereich der Digitalisierung scheint eine neue Lust am Projizieren spürbar. Das liegt daran, dass heute die Logistik und die technischen Voraussetzungen des Kinobetriebs durch die digitale Projektion ungemein erleichtert wurden; wo früher zentnerschwere Filmrollen hin- und herbewegt werden mussten, genügt heute ein File auf einem USB-Stick, der auf einen Server gespielt wird und Sekunden später auf der Leinwand zum Leben erwacht.

Österreichs Lichtspielhäuser kämpfen dafür mit neuen Gegnern: Gegen Netflix &Co. ist noch kein Kraut gewachsen, und wer nicht in die Ausstattung seines Kinos investiert, wird am Ende der Verlierer sein: Netflix im eigenen, kuscheligen Wohnzimmer, das ist halt allzu verlockend.

Noch bleiben die Besucherzahlen konstant. Und sogar bereits geschlossene Kinos wie das Filmhaus am Spittelberg in Wien eröffnen demnächst wieder neu; es wird künftig vom Polyfilm Filmverleih bespielt, der auch das Filmcasino programmiert.

Mehr Filme, weniger Zuschauer

Doch der Schein trügt: "2016 hatten wir 457 Filme in den Kinos, auf die sich die rund 16 Millionen Kinobesucher verteilten. 2004 waren es noch 280 Filme und 18 Millionen Besucher. Insgesamt sehen wir eine starke Überproduktion an Filmen weltweit", sagt Roland Teichmann, Chef des Österreichischen Filminstituts, dem mit 20 Millionen Euro jährlich größten Förderer des heimischen Films. Teichmann sieht eine Chance fürs Kino in der Regionalisierung der Inhalte. "Wir brauchen mehr Filme für die Bundesländer, mehr lokal verortete Geschichten, die von den Menschen vor Ort handeln, die ihre sprachlichen Eigenheiten ebenso reflektieren wie ihre Lebensart. Da gibt es noch viel zu wenig", findet Teichmann. "Die Menschen dort wollen auch ins Kino gehen und Geschichten sehen, die eine Bodenhaftung haben, die mit ihnen etwas zu tun haben".

"Gegen Netflix &Co. ist kein Kraut gewach sen, und wer nicht in die Ausstattung seines Kinos investiert, wird der Verlierer sein."