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Offen fernsehen

Mit "Okto-TV" ging im Wiener Kabelnetz Österreichs erster Offener Kanal auf Sendung.

Unser Sender ist eine Art Radio Orange auf Fernsehbasis", sagt Barbara Eppensteiner über Okto-TV, bei dem sie als Programmintendantin arbeitet. Der neue Fernsehsender, der seit Ende November 2005 im Wiener Kabel zu sehen ist, versteht sich als "erstes partizipatives Fernsehprojekt Österreichs". Das heißt: Theoretisch kann jeder, der gerne Fernsehen machen möchte, bei Okto auf Sendung gehen. Mediale Präsenz für Menschen aus verschiedenen Communitys, die ihre eigenen Programme gestalten, ist das erklärte Ziel des Senders, der den Fernsehmachern dafür nicht nur das Basiswissen, sondern auch die nötige Ausrüstung zur Verfügung stellt.

Geldgeber Stadt Wien

In rund 500.000 Haushalten kann Okto derzeit empfangen werden, finanziert wird das Projekt zur Gänze aus Förderungen der Stadt Wien. Für das laufende Jahr hat Okto ein Gesamtbudget von 900.000 Euro zur Verfügung. "Damit werden nicht nur die 15 Mitarbeiter bezahlt, die sich um Struktur, Technik und den Verleih der Geräte kümmern", berichtet Barbara Eppensteiner. "Ein großer Teil des Budgets fließt in unsere Basistrainings und Seminare, bei denen wir den Neo-Produzenten die Grundlagen der Gestaltung von tv-Beiträgen und -sendungen vermitteln." Weitere Kosten verursacht die Einspeisung ins Kabel, jedoch hat man sich mit dem Kabelbetreiber auf eine "sehr günstige" Gebühr geeinigt.

Mit Verwertungsgesellschaften wie der akm hat man Pauschalverträge abgeschlossen. "Das hat den Vorteil, dass sich unsere Fernsehmacher nicht um die Rechte, etwa bei der Vertonung ihrer Sendungen, kümmern müssen", erzählt Eppensteiner übers bis in kleine Details durchdachte Budgetmodell.

Der erste Offene Kanal Österreichs ist damit Realität. Schon seit Jahren gibt es seitens verschiedener Initiativen die Bemühung, in Wien einen Offenen Fernsehkanal zu schaffen. "Formationen wie der Arbeitskreis Offene Kanäle' haben viel zur öffentlichen Debatte beigetragen", meint Eppensteiner. Hinter Okto steht aber der Verein zur Gründung und zum Betrieb Offener Fernsehkanäle Wien. Im Vorstand des Vereins wirken namhafte Persönlichkeiten aus der Medienwelt mit, darunter Publizistik-Professor Thomas Bauer, Falter-Gründer Armin Thurnher, "Diagonale"-Intendantin Birgit Flos oder Filmemacher Virgil Widrich. Der Verein fungiert als Herausgeber, die gemeinnützige Community tv-GmbH wiederum als Medieninhaberin.

Geschulte Amateure

Für die meisten der freiwilligen tv-Macher bei Okto ist es dank der günstigen und qualitativ hochwertigen, weil digitalen Videotechnik kein Problem mehr, ihre Sendungen zu produzieren. Videokameras und Schnittsysteme für den pc sind in erschwingliche Preisdimensionen gerutscht. Eppensteiner: "Mit der Technik umzugehen, ist eine andere Sache. Daher sind für neue Fernsehmacher unsere Schulungen Pflicht, wenn sie sich Equipment von uns direkt ausleihen."

Sind diese Schulungen vorbei, steht der Kreativität und dem Wunsch nach medialer Präsenz nichts mehr im Wege. Programmvielfalt lautet die Devise. Das Programm von Okto wird bereits von über 50 Communitys gestaltet, besonders stark ist der Kultur-Anteil. Dort finden sich Sendungen wie das Kunstmagazin "K3", das von Studenten der Akademie der Bildenden Künste gestaltete Magazin "Kunst in Town", das Theatermagazin "off" oder etliche Filmmagazine. Unter dem Titel "Oktoskop" laufen Filme, die man normalerweise nur auf Festivals zu sehen bekommt, und eine Kooperation mit der Diagonale soll demnächst auch Filme von heimischen Künstlern ins tv bringen.

"Augustin-TV" et cetera

Zudem widmet sich Okto sozialpolitischen Themen - von einer Sendung der Aids-Hilfe bis zum "Augustin"-tv, das die bekannte Wiener Straßenzeitung auch ins Fernsehen bringt. Popkultur und Wissenschaft stehen ebenfalls auf dem Programm.

"Generell wird von den einzelnen Gruppen oder Personen, die bei uns ehrenamtlich Programm machen, einmal pro Monat eine neue Sendung abgeliefert", sagt Eppensteiner. Die Themen werden von Okto niemals vorgegeben. "Aber natürlich müssen wir jede Folge sichten, bevor sie auf Sendung gehen kann." Einschaltquoten kann Eppensteiner derzeit noch keine nennen, jedoch freut sie sich über "jede Menge positives Feedback in Anrufen oder Mails. Man schätzt an uns das abwechslungsreiche Programmschema, das sich als Work-in-Progress versteht." Für Barbara Eppensteiner soll am Ende der Bemühungen aus Okto vor allem eines werden: "Ein Medium mit publizistischer Relevanz."

Okto ist im Wiener Kabelnetz auf Kanal 8 zu empfangen. Infos: www.okto.tv

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