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Plakativ, aber falsch

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wie sich István Szabó Wilhelm Furtwängler vorstellt - oder: Große Bilder verkaufen schiefe Gedanken.

István Szabó vertritt offenbar eine neue Regie-Philosophie der völligen Gleichgültigkeit gegenüber dem historischen Detail. Anders wäre es wohl unmöglich, dass am Beginn des Films "Der Fall Furtwängler - Taking Sides" in Berlin mitten im Zweiten Weltkrieg in einem festlich beleuchteten Saal bei nicht abgedunkelten Fenstern während eines Bombenangriffs ein Konzert stattfindet. Dass die Scheinwerfer der Fliegerabwehr in die Kirche hinein leuchten statt nach oben auf die Bomber. Kann man da noch etwas dagegen haben, wenn in historischen Filmen die Darsteller römischer Legionäre ihre Armbanduhren tragen? Die Befürchtung, Wilhelm Furtwänglers Haltung während der Nazizeit werde von István Szabó mit der gleichen Grobschlächtigkeit behandelt, erweist sich leider sehr schnell als richtig. Da wurde ein großes Thema vergeben.

Schade, denn Szabó beherrscht eine eindrucksvolle Bildsprache und spannend wäre der Film auch. Man muss bloß vergessen, dass der selbstbewusste deutsche Dirigent (Stellan Skarsgård), den ein völlig von sich und seinen Methoden überzeugter amerikanischer Offizier (Harvey Keitel) im Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit mit den Methoden eines Versicherungsprüfers aus dem Mittleren Westen zum Geständnis bewegen will, dass er mit den Nazis kollaboriert und damit Schuld auf sich geladen hat, Furtwängler heißt.

Szabós Furtwängler hat mit dem historischen Furtwängler noch weniger gemeinsam als Klaus Maria Brandauer mit Gustaf Gründgens vor 20 Jahren in Szabós "Mephisto"-Film. Dabei wurde damals im Titel nicht auf Gründgens, sondern nur auf den Schlüsselroman von Klaus Mann verwiesen - diesmal auf Furtwängler sehr wohl.

DER FALL FURTWÄNGLER

Taking Sides

D/F/GB 2001. Regie: István Szabó. Mit Harvey Keitel, Stellan Skarsgård, Moritz Bleibtreu, Oleg Tabakow, Ulrich Tukur. Verleih: Buena Vista. 110 Min.

Wie sich István Szabó Wilhelm Furtwängler vorstellt - oder: Große Bilder verkaufen schiefe Gedanken.

István Szabó vertritt offenbar eine neue Regie-Philosophie der völligen Gleichgültigkeit gegenüber dem historischen Detail. Anders wäre es wohl unmöglich, dass am Beginn des Films "Der Fall Furtwängler - Taking Sides" in Berlin mitten im Zweiten Weltkrieg in einem festlich beleuchteten Saal bei nicht abgedunkelten Fenstern während eines Bombenangriffs ein Konzert stattfindet. Dass die Scheinwerfer der Fliegerabwehr in die Kirche hinein leuchten statt nach oben auf die Bomber. Kann man da noch etwas dagegen haben, wenn in historischen Filmen die Darsteller römischer Legionäre ihre Armbanduhren tragen? Die Befürchtung, Wilhelm Furtwänglers Haltung während der Nazizeit werde von István Szabó mit der gleichen Grobschlächtigkeit behandelt, erweist sich leider sehr schnell als richtig. Da wurde ein großes Thema vergeben.

Schade, denn Szabó beherrscht eine eindrucksvolle Bildsprache und spannend wäre der Film auch. Man muss bloß vergessen, dass der selbstbewusste deutsche Dirigent (Stellan Skarsgård), den ein völlig von sich und seinen Methoden überzeugter amerikanischer Offizier (Harvey Keitel) im Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit mit den Methoden eines Versicherungsprüfers aus dem Mittleren Westen zum Geständnis bewegen will, dass er mit den Nazis kollaboriert und damit Schuld auf sich geladen hat, Furtwängler heißt.

Szabós Furtwängler hat mit dem historischen Furtwängler noch weniger gemeinsam als Klaus Maria Brandauer mit Gustaf Gründgens vor 20 Jahren in Szabós "Mephisto"-Film. Dabei wurde damals im Titel nicht auf Gründgens, sondern nur auf den Schlüsselroman von Klaus Mann verwiesen - diesmal auf Furtwängler sehr wohl.

DER FALL FURTWÄNGLER

Taking Sides

D/F/GB 2001. Regie: István Szabó. Mit Harvey Keitel, Stellan Skarsgård, Moritz Bleibtreu, Oleg Tabakow, Ulrich Tukur. Verleih: Buena Vista. 110 Min.