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Privat-TV. Ein Wagnis

Hierzulande herrscht Bangen vor der Lizenzvergabe, in der Schweiz sperren die Privat-TV-Sender zu.

Die Meldung ist nicht gerade ermutigend: In der Schweiz hat nach dem Sender Tele 24 nun auch der zweite nationale Privatfernseh-Kanal TV3 seinen Betrieb eingestellt. Und das knapp vor Vergabe einer landesweiten Privat-TV-Lizenz in Österreich.

Obwohl die Medienlandschaften beider Länder grundsätzlich verschieden sind, so gibt es zumindest auf dem Fernsehmarkt eine augenfällige Gemeinsamkeit: Auch in der Schweiz wetteifern die einheimischen Sender mit einer starken Auslandskonkurrenz, die via Kabel oder Satellit empfangen werden kann. Nischen ergaben sich in der Schweiz nur für lokale Sender, für die nationalen endete das Abenteuer Privatfernsehen im Finanz-Desaster.

In Österreich zeigen sich die insgesamt vier verbliebenen Bewerber um die landesweite Privatfernsehlizenz - ATV, Kanal 1 (Hanno Soravia), Radio Energy-Gesellschafter Florian Novak (gemeinsam mit der kanadischen Chum-Gruppe) und Ex-ORF-Mann Andreas Sattler - dafür schier unbeeindruckt optimistisch. "Die Schweiz ist für uns kein abschreckendes Beispiel", sagt etwa ATV-Informationsdirektor Hans Besenböck: "Nach unseren Einschätzungen ist in Österreich sehr wohl ein Markt für landesweites privates Fernsehen vorhanden".

Bei der Medienbehörde KommAustria, die Anfang Februar die Lizenz vergeben wird, geht man davon aus, "dass die Bewerber wissen, worauf sie sich einlassen", sagt KommAustria-Chef Hans Peter Lehofer: "Jedem ist klar, dass Privat-TV ein Wagnis ist. Aber ohne Wagnis geht es nicht in der Privatwirtschaft".

Die KommAustria sei laut Lehofer "in der Endphase" rund um die Entscheidung, wer nun den ersehnten Zuschlag erhält. Seit Wochen gilt in Branchenkreisen Bewerber ATV als großer Favorit um die bundesweite Lizenz, zumal sich auch der Beirat der KommAustria für ATV ausgesprochen hatte. "Doch diese Empfehlung ist nicht bindend", sagt Lehofer.

Für ATV selbst stehen die Ampeln dennoch auf Grün. "Ohne die Konkurrenz gering schätzen zu wollen: Wir haben einfach das beste Konzept", ist Besenböck überzeugt. Auf seinem Programm: Ausbau der Eigenproduktionen und Schwerpunktsetzung im Sport-Bereich. Besenböck: "Wir werden uns die Rechte für Fußball- oder Formel-1-Übertragungen nicht leisten können. Unser Fokus sind Sport-Events und Trendsportarten." Außerdem fehlt Besenböck in Österreich eine "wirklich kontroversielle Diskussionssendung am Abend. Der ORF deckt diese Lücke derzeit nicht ab".

Die Detailpläne des Favoriten ATV kümmern die KommAustria derweil noch recht wenig. "Bei unserer Entscheidung geht es zunächst darum: Können die Bewerber den wirtschaftlichen Betrieb eines Vollprogramms garantieren?" sagt Lehofer. Nachsatz: "Ein sehr kritischer Punkt bei allen vier Bewerbern, den wir genau prüfen." Erst danach geht es um inhaltliche Programmfragen. "Ich wehre mich daher gegen das öffentliche Favorisieren eines Bewerbers. Alle vier Bewerber sind nach wie vor im Rennen", so Lehofer. Und: "Es sind auch schon Favoriten gestorben".

Der Kampf um Wien

Auch im Kampf um die regionalen Fernsehlizenzen gibt es erste Favoriten, und zwar seit die einzelnen Landesregierungen kürzlich der KommAustria ihre Wunschkandidaten mitgeteilt haben. Für den wirtschaftlich interessantesten Ballungsraum, Wien, orteten Beobachter bislang gute Chancen für smart.city.tv der Verlagsgruppe ET Multimedia (Wirtschaftsblatt, Wiener) und des bisherigen TIV-Chefs Thomas Madersbacher. Doch das Land Wien (wie auch Niederösterreich) spricht sich für die Konkurrenz puls citytv live aus. Mit an Bord dieses Projektes: die Vorarlberger Nachrichten, eine bayerische Radiogruppe und - die der Gemeinde Wien nahestehende Werbefirma Gewista. Ein bisschen wenig praktische TV-Erfahrung, die sich hier also versammelt hat? "In Österreich gibt es außerhalb des ORF überhaupt sehr wenig Fernseh-Know-how", verteidigt Christoph Ronge, Pressesprecher von Michael Häupl, das Engagement der Stadtregierung.

Für Thomas Madersbacher von smart.city.tv kam die Favorisierung der Konkurrenz allerdings "sehr überraschend". Sollte sein Projekt den Zuschlag auf die terrestrische Lokalfrequenz von Wien nicht erhalten, so ist es für Madersbacher "nicht ganz unrealistisch, dass wir trotzdem auf Sendung gehen - im Kabel!" Diese Variante kann sich auch Ronge vorstellen: "Es kann sein, dass wir Ende des Jahres zwei private Sender in Wien haben".

Ein Schweizer Desaster werde sich in Österreich nach Meinung der meisten Bewerber jedenfalls nicht wiederholen. Und das, obwohl Martin Dumermuth, der Vizepräsident des Schweizer Bundesamtes für Kommunikation, in einem Interview mit dem Standard Österreichs Privat-TV-Zukunft skeptisch kommentierte.

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