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Publicity -(un)freiwillig

Nun sind sie alle dagewesen: Michael Schumacher, Hannelore Elsner ... - und natürlich Robbie Williams: Thomas Gottschalk und Wetten, dass... ? hatten Wien kurz in Bann geschlagen, die Stadthalle war voll und die Ringstraße für die Außenwette gesperrt. 1,72 Millionen sahen allein beim ORF zu, die Quotenzähler auf dem Küniglberg durften sich über die größte Wetten-dassMenge seit fünf Jahren freuen.

Dabei war die Stadt schon Tage zuvor wegen der Wettschuld des Showmasters in heller Aufregung: Thomas Gottschalk musste demnach - als Nikolaus verkleidet - ein Bordell aufsuchen; vielleicht war er so einsam, dass er auf diese Tour, die schlussendlich ins Etablissement "Babylon" führte, den Schnulzenexperten Heino sowie eine Medienmeute mitnahm. Natürlich gab es dazu Erregung, der Standard widmete dem inszenierten Spektakel am Samstag gar eine ganze Seite 2: Gottschalk hatte sich, weil er nicht als "Bischof" ins Puff gehen wollte, als Weihnachtsmann verkleidet (der seinerseits aber doch wieder die angelsächsische Version des Nikolo darstellt ...).

Gott sei Dank machten - von der üblichen Ausnahme abgesehen - die kirchlichen Kritiker Gottschalk nicht die Freude, laut aufzuschreien, die Erzdiözese Wien qualifizierte den abgestandenen Spaß in einer dürren Aussendung als "geschmacklos" ab, von den Amtsträgern wetterte nur Kurt Krenn gegen die "geschmacklose Sauerei". Der St. Pöltner Bischof tat dies aber im Linzer Neuen Volksblatt, das jedenfalls in der Bundeshauptstadt nicht übermäßig gelesen wird.

Man tat gut daran, dem müden Witzchen nicht noch mehr Publicity zu verschaffen. Vielleicht sind die Kirchenoberen mittlerweile gewarnt: Vor gut einem halben Jahr sah sich Kardinal Schönborn ja gedrängt, einen Band mit Jesus-Karikaturen des Zeichners Gerhard Haderer öffentlich zu kritisieren - ganz und gar nicht mit dem intendierten Effekt: Jetzt, im Weihnachtsgeschäft, wird das Buch sogar in Leder gebunden feilgeboten.

Und ein Kardinal ist wohl um die Einsicht reicher, dass er am Verkaufserfolg des von ihm bekämpften Werkes - unfreiwillig - mitgewirkt hat.

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