#Corona

Corona

Medien

SARS: Panik mit Januskopf

1945 1960 1980 2000 2020

Über die Pest der Ungerechtigkeit und die Grenzen globalen Mitgefühls.

1945 1960 1980 2000 2020

Über die Pest der Ungerechtigkeit und die Grenzen globalen Mitgefühls.

Der Tod nahm in Hongkong seinen Ausgang, verbreitete sich entlang der Handelswege in alle Ecken der Erde - und hatte nach 50 Jahren zwölf Millionen Menschen dahingerafft: Nicht das Horrorszenario einer global wütenden Lungenkrankheit SARS wird hier entworfen. Die Rede ist von einer ungleich tödlicheren, alten Verwandten: der Pest. Ab 1896 zog der "schwarze Tod" mit Hilfe infizierter Ratten durch die Lande. Nur Europa blieb wegen hygienischer Maßnahmen weitgehend verschont.

Auch im Fall von SARS, der "ersten globalen Epidemie des 21. Jahrhunderts" (WHO-Chefin Gro Harlem Brundtland), sind auf dem alten Kontinent noch keine Opfer zu beklagen. Die weltweite Angst hat Europa gleichwohl erfasst - und sei es nur jene vor den wirtschaftlichen Folgen. Um fernöstliche Panik zu verbreiten, bedarf es eben keiner infizierter Ratten mehr: Die globalen Informations- und Kapitalströme reichen völlig aus.

Pech für jene, die abseits dieser pulsierenden Adern der Weltgesellschaft ihr Dasein fristen. Sie behalten selbst in der größten Katastrophe ihr Elend schön für sich: etwa jene 51,4 Prozent junger Frauen in Lesotho, die mit dem Aids-Erreger infiziert sind; oder jene 780.000 Kinder in Simbabwe, die durch diese Krankheit Waisen wurden. Während es in der vernetzten Welt gelungen ist, Aids durch Prävention und teure Medikamente in Schach zu halten, breitet sich die Seuche im Niemandsland wirtschaftlicher Interessen ungehindert aus. Dass sich der britische Pharma-Konzern GlaxoSmithKline nun dazu durchringen konnte, die Kosten seines Aids-Mittels "Combivir" für Entwicklungsländer zu halbieren, ist nur ein schwacher Trost.

Auch wenn SARS ebenso Geschichte werden sollte wie einst der schwarze Tod: Die Pest der Ungerechtigkeit und die Grenzen globalen Mitgefühls hat diese Krankheit jedenfalls eindrucksvoll offengelegt.

Der Tod nahm in Hongkong seinen Ausgang, verbreitete sich entlang der Handelswege in alle Ecken der Erde - und hatte nach 50 Jahren zwölf Millionen Menschen dahingerafft: Nicht das Horrorszenario einer global wütenden Lungenkrankheit SARS wird hier entworfen. Die Rede ist von einer ungleich tödlicheren, alten Verwandten: der Pest. Ab 1896 zog der "schwarze Tod" mit Hilfe infizierter Ratten durch die Lande. Nur Europa blieb wegen hygienischer Maßnahmen weitgehend verschont.

Auch im Fall von SARS, der "ersten globalen Epidemie des 21. Jahrhunderts" (WHO-Chefin Gro Harlem Brundtland), sind auf dem alten Kontinent noch keine Opfer zu beklagen. Die weltweite Angst hat Europa gleichwohl erfasst - und sei es nur jene vor den wirtschaftlichen Folgen. Um fernöstliche Panik zu verbreiten, bedarf es eben keiner infizierter Ratten mehr: Die globalen Informations- und Kapitalströme reichen völlig aus.

Pech für jene, die abseits dieser pulsierenden Adern der Weltgesellschaft ihr Dasein fristen. Sie behalten selbst in der größten Katastrophe ihr Elend schön für sich: etwa jene 51,4 Prozent junger Frauen in Lesotho, die mit dem Aids-Erreger infiziert sind; oder jene 780.000 Kinder in Simbabwe, die durch diese Krankheit Waisen wurden. Während es in der vernetzten Welt gelungen ist, Aids durch Prävention und teure Medikamente in Schach zu halten, breitet sich die Seuche im Niemandsland wirtschaftlicher Interessen ungehindert aus. Dass sich der britische Pharma-Konzern GlaxoSmithKline nun dazu durchringen konnte, die Kosten seines Aids-Mittels "Combivir" für Entwicklungsländer zu halbieren, ist nur ein schwacher Trost.

Auch wenn SARS ebenso Geschichte werden sollte wie einst der schwarze Tod: Die Pest der Ungerechtigkeit und die Grenzen globalen Mitgefühls hat diese Krankheit jedenfalls eindrucksvoll offengelegt.