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Schrecklich nette Girlies

Das Girlie-Duo "Prussian Blue" aus den USA singt vom Stolz, der weißen Rasse anzugehören, und hat viele Fans in der Neo-Nazi-Szene.

Am 28. Mai diesen Jahres starb der US-amerikanische Rechtsextremist David Eden Lane im Bundesgefängnis von Terre Haute in Indiana/USA. Dem Mädchen-Duo "Prussian Blue" ist dieses Ereignis einen Eintrag auf ihrer Homepage wert. Nach der Lektüre dieses Nachrufs schwindet auch jeder noch so kleine Hoffnungsschimmer, dass diese beiden Mädchen doch keine Rassisten wären.

Lynx und Lamb Gaede sind stolz, weiß zu sein, und machen ihrem Unmut über die Vermischung der Rassen in ihren Liedern Luft. Über Lane schreiben sie, dass sie einen Freund verloren haben und dass niemand, der weiß ist und sich seiner Rasse bewusst sei, Lanes Bedeutung für "unsere Sache" missverstehen könne. Gemeint ist u.a. seine Aussage der so genannten "14 Worte", die als komprimierte Fassung der Ideologie der US-amerikanischen Neonazis traurige Berühmtheit erlangte: "Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für unsere weißen Kinder schützen."

Hübsche blonde Rassisten

Man stellt sich Neo-Nazis anders vor. Es fehlen die Springer-Stiefel, die kahl geschorenen Köpfe, die Bomberjacken, doch auch die beiden Mädchen aus den USA sind Rassisten der übelsten Sorte. Sie haben viele Fans und planen ihre erste Europa-Tour in diesem Sommer. Ihre beiden CDs erschienen unter dem Label Resistance Records, einem Ableger der National Alliance, einer US-amerikanischen Organisation der Weißen Nationalisten, deren Ausrichtung besagt, dass weiße Menschen anderen Rassen überlegen wären. Chef des rassistischen Labels Resistance Records, Erich Gliebe, ist der Überzeugung, dass das Alter von elf und zwölf Jahren perfekt sei, um Kindern eine starke rassische Identität einzuflößen.

Einer der Gründe, warum die Plattenfirma die Mädchen unter Vertrag genommen hat, ist, dass es durch sie gelingen soll, die Massen zu erreichen und einen sanften Einstieg in die rechtsradikale Musik zu bieten, von der das Label eine Menge zu bieten hat. Das Online-Musikmagazin Ear Candy hat das aktuelle Album von "Prussian Blue", The Path We Chose, bereits überzeugt. Es bewertet die CD mit vier von fünf möglichen Punkten und hält es somit für annähernd perfekt. Der Autor, der Kritik Scott H. Platt, schreibt, dass er ein offenes Ohr für rassistische Liedtexte habe und nichts derartiges auf dem Album gefunden hätte. Die Mädchen verbreiten ihre Botschaften zweifellos subtiler als auf ihrer ersten CD Fragment of the Future. Textstellen wie "zusehen, wie die weiße Flamme stirbt", "so hart für unsere Rasse gekämpft" oder eine Lobeshymne auf Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, der "ein Mann des Friedens war, der nicht aufgeben wollte", wird man auf dem zweiten Album vergeblich suchen. Doch auch wenn die beiden jetzt auch über die Liebe singen, bleibt ihre Ideologie dieselbe. In diesem Sinne hat ihre Mutter, April Gaede, ganze Arbeit geleistet. Einige Jahre unterrichtete sie ihre Kinder selbst, da ihrer Meinung nach der Lehrer die "historischen Fakten" falsch darstellte.

Nicht weiß genug

Vor dem Umzug nach Kalispell, Montana, lebte die Mutter mit ihren drei Töchtern, die 14-jährigen Zwillinge habe noch eine Schwester namens Dresden, in Anspielung auf die alliierten Bombenangriffe auf die sächsische Landeshauptstadt, auf der Ranch des Großvaters. Er brandmarkt seine Kühe mit einem Hakenkreuz, um sie vor dem Schächten zu schützen. Die Gaedes zogen nach Montana, da die Mutter befand, dass das Umfeld in Bakersfield, Kalifornien, für die Mädchen nicht weiß genug sei. Ob die beiden Pop-Sternchen noch lange blind alles glauben, was ihr rechtsradikales Umfeld ihnen einbläut, bleibt abzuwarten. Noch "funktionieren" die beiden perfekt und sind wohl Mummys "little darlings", denn in einem Interview mit ABC News sagte Lynx Gaede: "Wir wollen unsere weiße Rasse bewahren." Und Lamb Gaede ging soweit zu sagen, sie glaube, dass die Ermordung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges eine Übertreibung wäre. Auch Mutter Gaede zeigt keinen Sinneswandel, sie bereue vielmehr, dass sie nicht vier bis sechs Kinder mit den eugenischen Qualitäten von Lynx und Lamb produziert hat.

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