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Tierlieb sind sie alle

Die Österreicher und ihre Eigenheiten unter einen Hut zu bringen, sie quasi als ein Volk zu beschreiben, dürfte gar nicht so einfach sein. Zumal die wechselvolle Geschichte des Landes schon oft bewiesen hat, dass der einstige Vielvölkerstaat in unzählige lokale Mentalitäten aufgeteilt ist. Das ist noch heute so: Es ist augenfällig, dass mancher Wiener völlig anders denkt (und spricht!) als ein Tiroler oder ein Vorarlberger. Mit der orf-Reihe "Das ganz normale Verhalten der Österreicher..." versucht man, zumindest einige Gemeinsamkeiten herauszustellen - letzten Freitag auf orf 2: Die Liebe zu Haustieren. Wiewohl gleich angemerkt sein muss: Diese (oft heillos übertriebene) Zuneigung zu verschiedenen Vierbeinern ist kein exklusiv österreichisches Phänomen.

Cineasten sind noch die verstörenden Bilder in Erinnerung, die Regisseur Ulrich Seidl bereits 1995 im Kino servierte, als er in seiner Doku "Tierische Liebe" die eine oder andere Form abstoßender Tierliebe festhielt.

So weit kann man für eine tv-Doku freilich nicht gehen. Dort stehen witzige und skurrile Mensch-Tierbeziehungen im Vordergrund. Die Geburt kleiner Welpen bei einer Familie in Hennersdorf etwa. Oder ein Besuch in der Hundeschule. Oder die Geschichte von Veronika Vesely, die einen beliebten Wiener Hundesalon betreibt, in dem die Vierbeiner kosmetisch auf Vordermann gebracht werden - für teures Geld. Die Doku vergisst auch nicht darauf, dass Tiere oft lebensnotwendige Begleiter sind, gerade, wenn es sich um Menschen mit Behinderungen handelt. Und: Dass die Tierhaltung auch ihre Schattenseiten haben kann - wobei die Hundstrümmerl eines der Hauptprobleme sind.

Bei rund 1,3 Millionen Katzen, 500.000 Hunden und unzähligem Kleinvieh (vom Hamster bis zum Wellensittich) in Österreich wird deutlich: Die Österreicher lieben Tiere. Und das ist ja doch ein Wesenszug, der sowohl in Tirol als auch in Wien vorhanden ist.

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