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Und die Kinder ...?

Eckpunkte seiner Reform hat Neo-General Alexander Wrabetz schon angekündigt. Wie der ORF sein Kinderprogramm positioniert, ist aber noch nicht bekannt.

Einer der Klassiker des deutschsprachigen Kinderprogramms feierte letzten Sonntag seinen 30. Geburtstag: Die Sendung 1, 2 oder 3, die Michael Schanze 1977 erfand, hat alle zeitgeistigen Strömungen überlebt, trotzte dem Vormarsch von Internet und Videogames. Allerdings verabschiedete sich zum 30er das Schweizer Fernsehen von der Sendung, sodass nun neben österreichischen und deutschen Kids nun jeweils ein Kinderteam aus einem anderen Land antritt (jeden Samstag, 8 Uhr 30, ORF 1).

Kinder haben keine Lobby

Der intelligente Spielspaß von 1, 2 oder 3 ist eines der wenigen Qualitätsprogramme, die der ORF den jüngsten Zuschauern noch anbietet. Für Ingrid Geretschläger von der "Medienpädagogischen Beratungsstelle" in Baden ( www.medienpaed.at) hätte der neue ORF-Generaldirektor nun die Chance auf einen echten Neubeginn. "Das Kinderprogramm des ORF war niemals wirklich öffentlich-rechtlich", sagt Geretschläger. "Kinder haben in unserer heutigen Gesellschaft keine Lobby mehr. Heute sollte das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Messlatte für das TV-Angebot für Kinder sein." Geretschläger denkt dabei vor allem an die "Einführung der Kinder in die Werte unserer Gesellschaft", die gut gemachtes Kinderfernsehen transportieren könne. "Kinder haben ein Recht auf Versorgung mit qualitativ hochwertigen Inhalten." Filme wie So ein Satansbraten seien für das Kinderprogramm nicht geeignet, der Einsatz jahrzehntealter Cartoons von Woody Woodpecker bis Scooby Doo ebenso zweifelhaft.

Wichtiger wäre für Geretschläger eine aktive Beteiligung der jüngsten Seher am Programm: "Sogar in China gibt es Sendungen, in denen die Kinder ihre eigenen Videobeiträge vorstellen können oder in denen sie über ihre Sorgen und die Themen, die sie interessieren, reden können." Die Partizipation der Kinder an ihren eigenen Sendungen wäre wichtig, damit die Kinder zu ihren Themen mehr Gehör in der Öffentlichkeit und bei Gleichaltrigen finden können.

Pädagogisch sinnvoll wäre es zudem, "auf Massenware und Cartoons zu verzichten und stattdessen Realfilmserien zu spielen, in denen Kinder aus anderen Ländern die Hauptrolle spielen. Es gibt eine Reihe wirklich gut gemachter Serien in diesem Bereich", meint Geretschläger. "So können die Kinder andere Welten kennen lernen."

Reale Welten, wohlgemerkt. Denn virtuelle Welten seien ohnehin schon ausreichend vorhanden. Videospiele, Computer und Internet übernehmen heute schon oft einen großen Teil der kindlichen Tagesabläufe, "wobei das Fernsehen noch immer jenes Medium ist, dem am meisten Zeit gewidmet wird", sagt Geretschläger. "Es wäre fatal, wenn das Fernsehen diese Chance vertut, indem es nicht die Interessen der Kinder vertritt."

Konkret müsse der ORF auch die Initiative ergreifen und mehr Eigenproduktionen in Auftrag geben: "Wenn es schon einmal solche Kinderfilme wie Karo & der liebe Gott gibt, dann sollte man diese im Kinderprogramm entsprechend umfassend ankündigen. Mit Interviews der Darsteller, mit Drehberichten, mit Set-Besuchen. Dadurch würden auch die Filmproduzenten animiert, mehr solche Inhalte zu produzieren", sagt Geretschläger. "Es sollte zudem mehr so gut gemachte Serien wie die Country Kids geben, die in der Steiermark produziert wurde und in der Kinder aus verschiedenen Ländern und Regionen aufeinandertreffen - vom Land und aus der Stadt."

"Verlässliche" Sendezeiten

Ein wichtiger Punkt für das Kinderprogramm ist für Geretschläger auch die Verlässlichkeit der Sendezeiten. "Es kann nicht sein, dass das Kinderprogramm um 6 Uhr früh von den grässlichen Kriegsbildern aus dem Irak unterbrochen wird. Solche Bilder haben im Kinderprogramm nichts verloren."

Auf dem Küniglberg gibt man sich gegenüber der Furche noch bedeckt, was das Kinderprogramm der Zukunft angeht. Michael Krause von der ORF-Öffentlichkeitsarbeit: "Derzeit wird die Programmreform eingeleitet und wir können noch keine detaillierten Pläne fürs Kinderprogramm veröffentlichen." Ein Umstand, der Ingrid Geretschläger hoffen lässt: "Ich erhoffe mir ein Umdenken. Der ORF und die zuständigen Politiker müssen sich Sendungskonzepte überlegen, in denen die Forderung einfließt, dass Kinder ausreichend in den Medien repräsentiert werden. Außerdem müssen diese Formate auch inhaltlich dazu dienen, die Kinder in die Gesellschaft einzuführen."

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