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UnerreichterFriede

Noch am Mittwoch vergangener Woche konnte niemand in Eritreas Hauptstadt Asmara glauben, daß es tatsächlich zu Luftangriffen zwischen Äthiopien und Eritrea kommen würde. Zwei Tage später begannen die Evakuierungen der Ausländer, zwischendurch wurde der Flughafen der Stadt bombardiert.

Kaum jemand vermag Klarheit in den Konflikt zu bringen, viele Umstände sprachen gegen die Eskalation: Eritreas Staatschef Isayas und Äthiopiens Ministerpräsident Meles sind persönliche Freunde aus dem Kampf gegen Äthiopiens Diktator Mengistu, dessen Sturz 1991 sie gemeinsam betrieben; danach folgte die friedliche Trennung von Äthiopien und Eritrea. Isayas war noch vor kurzem als Friedensstifter in Zentralafrika aktiv.

Dies alles soll Vergangenheit sein? Nicht zuletzt die wirtschaftliche Situation birgt Konfliktstoff: Äthiopien hat seit Eritreas Unabhängigkeit keinen Zugang zum Meer. Mit der Einführung der eigenen eritreischen Währung vor einem Jahr begannen auch wirtschaftliche Spannungen. Und Äthiopien ist zumindest in ethnischer Hinsicht ein ungeeintes Land.

All dies trug zur Eskalation bei; Erklärung und Bewertung der Situation fallen dennoch schwer. Jedenfalls wollten beide Staaten ein Modell fürs Zusammenleben der Religionen darstellen: Die eritreische wie die äthiopische Gesellschaft setzt sich zu gleichen Teilen aus Muslimen und Christen zusammen. In einer Region, in der islamistische Staatsmodelle an Boden gewinnen, ein wichtiger Versuch, der durch den Konflikt torpediert zu werden droht.

Die USA bemühen sich, beide Parteien zum Einlenken zu bewegen. Andere sind längst involviert: Die Karte, auf die sich Eritrea in den Grenzstreitigkeiten beruft, wurde von Geographen aus Bern angefertigt und 1995 vom Schweizer Botschafter an Eritreas Staatschef übergeben. Äthiopien pocht hingegen auf eine Landkarte, die eine deutsche Hilfsorganisation erstellte ...

Die Entwicklungshelfer, die Eritrea Hals über Kopf verlassen mußten, wurden mitten aus einer vielversprechenden Aufbauarbeit gerissen. Auch das "neue Afrika", für das Eritrea und Äthiopien stehen wollten, hat den Frieden noch vor sich.

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