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Utopien im Staub

"At Five in the Afternoon": Samira Makhmalbafs neuer, berührender Film über Frauen im Afghanistan von heute.

Der Iranerin Samira Makhmalbaf, die mit ihrem Film "Blackboards" bereits vor drei Jahren in Cannes den Jury-Preis gewann, gelang dieses Kunststück heuer gleich noch einmal: Mit ihrem neuen Film "At Five in the Afternoon" beeindruckte die gerade einmal 24-jährige Filmemacherin das Publikum wie die Kritik gleichermaßen.

Makhmalbaf, die aus dem gleichnamigen iranischen Filmhaus stammt (ihr Vater gilt im Iran als der Filmmogul schlechthin), reklamiert für sich, den ersten Film im Afghanistan nach dem US-Bombardement gedreht zu haben. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die es leid ist, sich von der männerdominierten Gesellschaft einschränken zu lassen. Ihr Ziel: Sie will Präsidentin des von Hunger, Armut und Elend gepeinigten Landes werden - ein durchaus wenig verbreiteter weil allzu fantastischer Wunsch unter Afghanistans Frauen. Als erstes legt sie ihren Schleier ab und tauscht die braven Schuhe gegen solche mit hohen Absätzen. Die Männer wenden sich vor Scham von ihr ab und versinken sogleich im heiligen Gebet.

Samira Makhmalbaf geht behutsam mit Land, Leuten und Kultur dieses Nachbarstaates des Iran um. Ihr Zeitspiegel steckt voller Utopien und Sehnsüchte, die im staubigen Alltag auf eine harte Probe gestellt werden. Lange beschreibt die Kamera die Armut und die einfache Lebensweise in Afghanistan, ohne dabei einen Blick von Außen auf das Elend zu werfen. Nein, Samiras Bilder kommen von Herzen. Von einem Herz, das für jene Frauen schlägt, die es sich in ihrem Leben nicht richten konnten, aber trotzdem niemals aufgegeben haben zu träumen.

AT FIVE IN THE AFTERNOON

Iran 2003. Regie: Samira Makhmalbaf. Mit Aghelah Resaie, Abdolgani Yusuf-Zay, Razi Mohebi, Marzieh Amiri.

Verleih: Filmladen. 105 Min.

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