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Von wegen Humanist!

Ulrich Seidls völlig missglückter Film "Import Export" steckt voller derber Schauwerte und führt alte Menschen vor.

Kann man Ulrich Seidl wirklich als Humanisten bezeichnen, wie das einige Rezensenten von "Import Export" getan haben? Als jemanden, der sich an den Interessen, den Werten und der Würde des individuellen Menschen orientiert und Toleranz und Gewaltfreiheit propagiert?

In dieses Bild passt Seidl nicht. Sein neuer Film, eine Fortführung von "Hundstage", zeigt Unterdrückung, Erniedrigung, inszenierte Sexualität und Perversion, trostlose Figuren und führt zu allem Überfluss auch noch alte, sterbende Menschen vor.

Eine junge Ukrainerin arbeitet in ihrer Heimat als Porno-Illusionistin in einem Internet-Stripclub und hilft den westlichen Kunden beim Onanieren. Ein Spiel mit der Phantasie, das Seidl gewohnt explizit einfängt. Sein dokumentarischer Blick dient in der fiktionalen Geschichte lediglich dem Sensationswert.

Der Weg der jungen Frau führt nach Österreich, wo sie es "besser" haben will. Seidl stellt dieser Reise eine Gegenbewegung hinzu: Zwei Österreicher (eine Vater-Sohn-Geschichte) machen sich zeitgleich in den Osten auf, um dort Geschäfte mit Automaten abzuschließen und nebenbei Befriedigung durch Erniedrigung zu suchen. Die junge Ukrainerin landet schließlich trotz ihrer medizinischen Ausbildung als überqualifizierte Putzkraft in einem Pflegeheim. Als wären es Marionetten im Zirkus, führt Seidl alte, sterbenskranke Menschen vor. Das eigene Sterben begreifen sie nicht mehr, und Seidl erdreistet sich, das Sterben zu filmen, die allesamt echten Patienten bekommen es nicht mit.

Der Skandal an diesem Film: Nicht akzeptieren zu können, dass Würde ein großes Maß an Respekt und Distanz erfordert, die Seidl für einen billigen Schockeffekt völlig negiert. Seidl nach diesen Szenen noch als Humanisten zu bezeichnen, ist nichts weiter als eine Farce.

IMPORT EXPORT

A 2007. Regie: Ulrich Seidl. Mit Ekateryna Rak, Paul Hofmann, Michael Thomas. Verleih: Filmladen. 135 Min.

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