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Wie die Wirklichkeit "Krone"-Kampagnen nährt

Was aber, wenn einmal keine Kampagnen-Zeit mehr ist, wenn das Sommerloch oder unvermutete politische Harmonie im Lande die Kontroversen so klein machen, dass es sich auch für die Kronen Zeitung sich nicht auszahlt, Journalisten und Papier für das Thema, das Österreich zu bewegen muss, zur Verfügung zu stellen?

Keine Bange, noch ist es nicht soweit: Noch immer findet der Patron der Krone, dass er Österreichs Innenpolitik zu machen hat, und auch wenn Hans Dichands Abgang in der Branche schon halblaut herbeigeraunt wird, sind seine Kampagnenfähigkeit und -lust ungebrochen.

Österreichs Parteien zitterten vor Temelín - nicht wegen der Bedrohung, die vom Atommeiler in Böhmen ausgeht, sondern ob der Gefahr, die der fragilen Parteienmachtverteilung durch die Kampagne drohte.

Doch trotz Catos Nachhilfe in Sachen Regierungszusammenbruch errappelte sich Blau-Schwarz.

Ein Grund mehr fürs verbreitete Kleinformat, die Kampagnenkeule weiter zu schwingen. Auf Temelín, folgt - nach österreichischem politischem ABC - BeneÇs: Die Krone bescherte uns daher folgerichtig mit der Serie ",Nemcum smrt!' - Tod den Deutschen!" über den "verdrängten Völkermord", der "Vertreibung der deutschsprachigen Altösterreicher aus der Tschechoslowakei". Nur ganze fünf oder sechs Teile lang war die Kurzkampagne. Denn schon dräute das nächste Ungemach: Österreichs Wasser wird von deutschem Atomstrom verseucht. Wer derartigen Zusammenhängen (deutscher Elektrizitätskonzern steigt beim Verbund ein und will sich - so Dichand & Co - Österreichs (Trink-)Wasser schnappen) nicht zu folgen vermag, wird dennoch klein beigeben müssen: Denn wo die Krone Schlachtpotenzial wittert ("Kampf um unser Wasser beginnt!" lautete da eine Krone-Parole) ist es egal, ob es gegen reale oder bloß gegen vermeintliche Gefahren und Skandale anzutreten gilt.

Eines muss man der Wirklichkeit aber lassen: Sie hilft kräftig mit, den Krone-Kampagnen neue Nahrung zu verschaffen. Wie sonst ist zu erklären, dass Temelín mit dem nächsten Störfall aufwartet? Die Schlagzeilen im Massenblatt werden auf dem Fuß folgen werden. Otto Friedrich

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