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Wie Quallen durchs Leben treiben

Eine Gesellschaft beschreibt man im Film gerne anhand eines Einzelschicksals. Zugespitzte Figuren illustrieren die Eigenheiten ihres Kulturkreises besonders treffend. Der israelisch-französische Film „Jellyfish“ unternimmt einen amüsant-absurden Versuch, israelische Befindlichkeit in einer Komödie einzufangen. Etgar Keret, in Israel einer der bedeutendsten Autoren seiner Generation, und seine Frau Shira Geffen haben mit ihrem Filmdebüt in Cannes die Camera d’Or für das beste Erstlingswerk erhalten. Auch, weil sie sich den geschichtlichen und politischen Gefügen ihrer Heimat verpflichtet fühlen, mit ihnen aber leichtfüßig umzugehen verstehen.

„Jellyfish“ erzählt von drei Frauen, also drei Einzelschicksalen, die dem Regiepaar als Illustration ihres filmischen Gesellschaftsabbildes dienen: Keren, Batya und Joy sind moderne Frauen im modernen Tel Aviv. Sie leben ein Dasein, in dem sich Träume und Realitäten miteinander arrangieren müssen. Kerens Flitterwochen finden in einem Hotelzimmer in Tel Aviv statt, weil sie sich bei ihrer eigenen Hochzeit das Bein gebrochen hat. Batya kämpft mit den Schwierigkeiten des Alltags: Bei ihr tropft Wasser vom Plafond, was ihren Vermieter herzlich wenig interessiert. Beim Schlendern über den Strand trifft sie ein stummes Mädchen, das ihr fortan überallhin folgt. Joy kommt ursprünglich von den Philippinen und ist zum Arbeiten hier. Nur ihr Sohn in der Heimat, den sie regelmäßig anruft, gibt ihr die Kraft, ihr Leben zu meistern.

Der Filmtitel „Jellyfish“ (dt. Qualle) ist eine Metapher für das Leben der drei Protagonistinnen: Sie treiben mehr durchs Leben, anstatt die Richtung selbst zu bestimmen. Dennoch ist ihr Dasein nicht allein fremdbestimmt. Ihre Anstrengungen, Distanzen zueinander zu überwinden, ist das Thema dieses Films, der dann und wann auch mit surrealen Bildern arbeitet. Die Fragmente des Lebens werden hier mit großer Poesie kommentiert.

JELLYFISH – Meduzot

IL/F 2007. Regie: Shira Geffen, Etgar Keret. Mit Sarah Adler, Nikol Leidman.

Verleih: Filmladen. 78 Min.

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