Digital In Arbeit

„Wir stellen nur rechtsfreie Werke online“

Die Digitalisierung der Bestände der Nationalbibliothek in Kooperation mit Google löste teils heftige Kritik aus. Dazu nimmt Direktorin Johanna Rachinger im FURCHE-Interview Stellung.

Die Furche: Bibliotheken stellen Werke digital zur Verfügung. Folgen Sie dem Trend oder sind Sie Vorreiter?

Johanna Rachinger: Beides. Die Entwicklung lässt sich mittlerweile natürlich als internationaler Trend erkennen. Andererseits ist die Digitalisierung unserer Bestände schon lange ein wichtiges strategisches Ziel der ÖNB. Nicht zuletzt deshalb, weil es auch unser expliziter gesetzlicher Auftrag ist, die Werke einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen. Bis jetzt liegen etwa ein Prozent unserer Bestände in elektronischer Form vor, hauptsächlich historische Zeitungen, Fotos und Plakate. In sechs Jahren, nach Abschluss des Google-Projektes werden es 14 Prozent sein. Das ist ein Meilenstein in der Demokratisierung des Wissens.

Die Furche: Es gab Kritik an der Kooperation. Beim Urheberrecht verhält sich Google nicht immer sauber.

Rachinger: Das ist ein wichtiger Punkt. Ich verstehe Autoren und kann deren Bedenken nachvollziehen. Das Urheberrecht muss geschützt werden. Was ich aber nicht verstehe, ist die Vermischung. Wir werden ausschließlich rechtsfreie Werke aus den Jahren 1501 bis Mitte des 19. Jahrhunderts online stellen. Das ist etwas völlig anderes.

Die Furche: Manche Bibliothekare bemängeln, dass Google beim Scannprozess Tempo vor Qualität stellt und Bücher nicht immer ganz sorgsam behandelt. Haben Sie diesbezüglich Vorsorge getragen?

Rachinger: Das Projekt läuft unter enger Einbindung unserer hausinternen Abteilung für Restaurierung. Die Qualität der Digitalisate, ebenso die Sicherheit unserer Bestände war ein ganz wichtiger Verhandlungspunkt. Dafür gibt es einen präzisen Katalog von Kriterien. Details unterliegen aber der Geheimhaltung.

Die Furche: Dank moderner Technologien zum schnellen Massenscannen von Büchern rückt die Digitalisierung kompletter Bestände in greifbare Nähe. Ändert sich dadurch das Bibliothekswesen grundsätzlich?

Rachinger: Die Aufgaben ändern sich nicht, aber sie erweitern sich. Werke müssen weiterhin katalogisiert und beschlagwortet werden. Ich glaube aber, dass sich das Berufsbild der Bibliothekare verändert. Denn das große Problem im digitalen Zeitalter ist ja, dass wir einerseits unglaublich viel Information haben, es aber andererseits immer schwieriger wird, in der Masse die richtige Information zu finden. Hier ist es Aufgabe der Bibliothekare, dieses Wissen sachgemäß zu ordnen und Orientierungshilfen zu geben.

* Das Gespräch führte Raimund Lang

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