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Zusammen uneins

Die Viennale ist auch Treffpunkt der Filmbranche, die untereinander getrennte Wege geht, doch gemeinsam mehr Subventionen fordert.

Wenn in Wien die Viennale beginnt, dann ist in der Filmwelt nichts mehr wie sonst. Hans Hurch, der beinahe schon zur Institution gewordene Chef der Viennale, ist stets bemüht, in seiner Filmschau internationale Filme von höchster Qualität zu zeigen (und dabei dann und wann auch seinen eigenen Filmgeschmack hintanzustellen und auf große "Quotenbringer" wie "Michael Clayton" zu setzen). Jedoch ist die Viennale nicht bloß ein Publikumsfestival, das jedes Jahr rund 80.000 Besucher (oder: 8000 Besucher, die je einen 10er-Ticketblock besitzen?) anzieht. Zeitgleich ist die Viennale auch Schau- und Tummelplatz der heimischen Filmszene, vielleicht etwas subtiler als bei der "Diagonale" in Graz, aber um nichts weniger umtriebig. Dass auch die Viennale zum Branchentreff wurde, ist Hurchs (anfänglich zögerlichem) Bekenntnis zum österreichischen Film zu verdanken. Heute sind Premieren auf der Viennale wie Ulrich Seidls Film "Import Export" oder Hans Weingartners "Free Rainer" mit Moritz Bleibtreu selbstverständliche Großereignisse, um die die Branche vor einigen Jahren noch kämpfen musste. Ein bisschen darf sich der heimische Film im Glanz des Festivals also schon sonnen. Auch, wenn er nicht unbedingt immer den Geschmack des Festivalchefs trifft.

Mehr Geld für Filme

Darüber hinaus ist das Umfeld der Viennale ideal, neue Projekte vorzustellen, oder auch in die ewig lodernde Debatte übers liebe Fördergeld mit einzutreten. Ersteres gelang dem DVD-Vertrieb Hoanzl, der bereits im Vorjahr eine äußerst interessante DVD-Reihe mit 50 Titeln zum österreichischen Film auflegte, die zum Verkaufsschlager wurde. Deshalb hat die Firma nun weitere 50 heimische Filmkunstwerke zu einer zweiten Staffel der DVD-Edition zusammengestellt. Eine jedenfalls sinnvolle, lohnende Erfassung österreichischer Filme, die es im Kino, im Fernsehen und auf Video seit jeher schwer hatten, ihr Publikum zu finden.

Genau dieser Umstand erregt die Gemüter der Filmproduzenten: Man könne doch nicht tatenlos zusehen, wie die nationale Filmproduktion in Österreich mit gerade einmal 2,5 Prozent Marktanteil in der Versenkung verschwindet. Es liege am zu spärlich ausgeschütteten Fördergeld, dass Investitionen in Stoffentwicklung oder entsprechend ausgestattete Produktionen gar nicht erst möglich sind.

Spaltung der Produzenten

Die Filmproduzenten haben aber auch ihre Leichen im Keller: Schließlich gibt es nach einem internen Krach im Produzentenverband tiefe Abgründe zu überwinden. Die Pole: Einerseits die "Alteingesessenen" der Branche, darunter Helmut Grasser (Allegrofilm) oder Veit Heiduschka (Wega-Film), andererseits der "Nachwuchs" wie Gabriele Kranzelbinder (Amour Fou) oder Produktionsfirmen wie Bonusfilm oder Lotus Film. Was sich in zwei unterschiedlichen Produzenten-Verbänden äußert, der Formation "Film Austria" (Alteingesessene) und dem AAFP (Association of Austrian Film Producers).

Immerhin konnten bei einer "Film Austria"-Pressekonferenz zum Thema "Wann bekommt der österreichische Film endlich mehr Fördermillionen?" kürzlich Annäherungen der verfeindeten Verbände ausgemacht werden. Prinzipiell deckten sich die Forderungen der beiden Gruppen an die Politik, endlich mehr Steuergeld zur Verfügung zu stellen, um die maroden Besucherzahlen des eigenen Filmschaffens zu erhöhen. Motto: Attraktivere Budgets ermöglichen attraktivere Filme. Momentan stehen dem Filmschaffen jährlich rund 22 Mio. zur Verfügung, ausgeschüttet vom Österreichischen Filminstitut, dem Film Fonds Wien und der "kleinen Förderung" aus dem Kulturministerium. Hinzu kommen noch Gelder aus dem Film-/Fernsehabkommen mit dem ORF sowie dem Fernsehfilm-Fonds (7,5 Millionen Euro pro Jahr).

Werbung vernachlässigt

Was dabei freilich übersehen wurde: Heimische Filme haben auch deshalb kaum Akzeptanz beim eigenen Publikum, weil seitens der Produzenten keinerlei Marketingbudgets bei der Planung ihrer Filme einkalkuliert werden. Auf Furche-Nachfrage an "Film Austria", wie viel Prozent eines typischen österreichischen Filmbudgets (knapp 2 Millionen Euro) ins Marketing fließen würden, gab es bloß verlegenes Stammeln. Zum Vergleich, ohne diesen Vergleich tatsächlich bemühen zu können: In den USA werden schon bei Produktionsstart bis zu 40 Prozent des Gesamtbudgets für die spätere Bewerbung des Films veranschlagt. In Österreich sind es vielleicht 2 oder 3 Prozent.

Nahe liegend, dass der österreichische Kinobesucher eher vom neuen "Pixar"-Streifen "Ratatouille" gehört oder gelesen hat, anstatt vom Arthaus-Episodenfilm "Midsummer Madness". Die Schuld alleine aufs nicht vorhandene Geld zu schieben, ist billig.

Hans Hurch kann das übrigens gelassen sehen. Die 80.000 Besucher, die er in den nächsten 12 Festivaltagen erreichen wird, die hat heuer noch kein österreichischer Film geschafft. Dort zählen Filme wie "Am Limit" (38.000 Zuschauer), "Die Fälscher" (28.000) oder "Über Wasser" (22.000) zu den Spitzenreitern

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