Canterville_gespenst - © Barbara Pálffy/Volksoper Wien
Musik

Intrige vs. Schabernack

1945 1960 1980 2000 2020

Herrschermilde und Kindermut: Eine neue Inszenierung von „La Clemenza di Tito“ am Theater an der Wien, „Das ­Gespenst von Canterville“ – speziell für Kinder – an der Volksoper.

1945 1960 1980 2000 2020

Herrschermilde und Kindermut: Eine neue Inszenierung von „La Clemenza di Tito“ am Theater an der Wien, „Das ­Gespenst von Canterville“ – speziell für Kinder – an der Volksoper.

Ein Stück über die „Architektur der Macht“. So sieht Regisseur Sam Brown Mozarts Zweiakter „La Clemenza di Tito“. Ebenso ist es ein Werk über Liebe und Intrige. Themen, die bekanntlich nicht allein mit der Antike verbunden sind, in der dieses Dramma per musica im Original spielt. Darauf repliziert das Einheitsbühnenbild (Alex Lowde): eine die Möglichkeit der Drehbühne effektvoll nutzende, Stahl und Glas verknüpfende, zeitgenössische Adaption antiker Säulenarchitektur.

Aber muss die machtgierige Vitellia so hysterisch gezeichnet werden, wie es ­Nicole Chevalier, die kommenden März hier in der Titelpartie von Beethovens „Fidelio“ zu sehen sein wird, demonstriert? Konnte man für die Partie des Sesto keinen stimmlich überzeugenderen Interpreten engagieren als den die Grenzen seiner Möglichkeiten streifenden David Hansen? War es nötig, die auf der Bühne sonst nie erscheinende Berenice, die Titus gerne geehelicht hätte, in die Szenerie einzubinden – so effektvoll die an eine Traumvision erinnernde tänzerische Einlage von Stina Quagebeur auch ist?

Und was hat es damit auf sich, dass im zweiten Akt die Choristinnen plötzlich als Schwangere auftreten, die im Eilzugstempo gebären? Ein Hinweis, dass der später großmütig seine Milde zeigende Tito auch sexuell Macht über seine Untertanen ausübt? Nicht alles eignet sich zur – noch dazu so holzhammerartigen – Kommentierung aktuell diskutierter Missstände.