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„Palestrina“ und Oratorium „Vom Tode“

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Die Wiener Staatsoper gab am vergangenen Samstag (Allerheiligen) „Palestrina“. Hans Pfitz-n e r s mit autobiographischen Zügen ausgestattete und mit schopenhauerschem Geist imprägnierte Künstler-eper ist nun schon über 40 Jahre alt und bewährt sich immer mehr als ein Meisterwerk. Die Hauptpartien waren mit ersten Kräften besetzt: Julius Patzak als Titelheld, Hans Hijtter — Borromeo, Paul Schöffler - Morone, Sene Juririac - Tghino'und Margareta Siöstedt —' Silin. Daneben gab es einige Neu-und Umbesetzungen: Gottlob Frick — Papst Pius IV., Erich Kunz — Kardinal von Lothringen, Erich Majkut — Abdisu, undf weniger befriedigend: Hans

Helm als Gast — Graf Luna, Carlo Schmidt — Zeremonienmeister. . Im ersten Akt (Erscheinungen der toten Meister und der Engel) wurde einiges optisch verbessert, ohne daß aber von einer idealen Lösung, wie man sie gerade diesem Werk dringend wünscht, gesprochen werden könnte. Um so vollkommener der Orchesterpart unter Rudolf Moralt, der diese Partitur genau kennt und klangschön zu interpretieren versteht. .

Zu Allerseelen brachte Radio Wien in einem öffentlichen Konzert und über den zweiten Sender sowie UKW Karl S c h i s k e s großes Oratorium „Vom Tod e“ auf Texte von Klopstock, Schiller, Hölderlin, Eichendorff, C. F. Meyer, Rilke u. a. Ein Prolog und ein Epilog umschließen die vier Hauptteile, deren Titel auf den Jahresablauf weisen. So ist der Allgegenwart des Todes die Allgegenwart des Lebens gegenübergestellt und die Verbundenheit von Werden und Vergehen — freilich unter nur diesseitigem Aspekt — symbolisiert. Das andere Hauptmotiv des Werkes ist in dem Rilkeschen Vers „O Herr, gib jedem seinen eignen Tod“ angeschlagen, welches das ganze Werk als Motto durchzieht und zusammenhält. Darin fand der Komponist und Textgestalter ein eigenes Anliegen ausgedrückt: die Bitte um den individuellen, „eigenen“ Tod in einer Zeit des „sinnlosen“ Massensterbens. (Das Werk wurde, nach dem Erlebnis von Kriegsjahren und Gefangenschaft bereits 1946 geschrieben.) Vom ersten Paukenostinato bis zur abschließenden Tripelfuge ist Schiskes Partitur kohtrapunktisch. dicht, ausdrucksstark und eingängig (mehrere Teile sind altdeutsch-volkstümlich getönt). Chor und Orchester des Oesterreichischen Rundfunks sowie die Solisten Ilona Steingruber. Christa Ludwig, Erich Kienbacher und Gottlob Frick waren unter der Leitung von Miltiades Caridis die Ausführenden.

Helmut A. Fiechtner

In einem vom Oesterreichischen Gewerkschaftsbund anläßlich des Tages der Solidarität für die unterdrückten Völker veranstalteten Konzert bot die „P hi 1 h a r m o n i a Hungarica“ unter dem Dirigenten Zöltan R ö z s n y a i eine glänzende Wiedergabe ' des Klavierkonzertes Nr. 3 von Bela B a r t 6 k mit Otto Zykan als Solisten. Letzterem gelang trotz seiner Jugend eine ebenso markante wie grundmusikalische Profilierung stilistischer wie persönlicher Art, die für die Zukunft noch viel erwarten läßt. Auch der gleichfalls noch junge Dirigent verstand sein Orchester exakt und energisch zu führen und sich absolut durchzusetzen, was besonders in der — dynamisch etwas kraß kontrastierenden — Wiedergabe der Symphonie Nr. 3 von Beethoven zutage trat. Weniger überzeugend klang der Hymnus von Erwin Weiß, der, nicht so originell als stark instrumentiert, die Sänger (Norman Foster und die Chorvereinigung des OeGB) zu textlicher Un-verständlichkeit verdammte. (Verwunderlich einigermaßen auch die Gedenkrede, die sich statt mit den unterdrückten Völkern Europas mit den „Negerfrauen von Johannesburg“ befaßte.)

' Das gleiche Orchester spielte in einem vom „Ungarischen Flüchtlingsdienst in Oesterreich“ veranstalteten Konzert unter Leitung von Tamas Ungar die (nicht ganz brahmsisch interpretierte) 1. Symphonie von Johannes Brahms, den „Totentanz“ von Franz Liszt (Solopianist Jozsef Horvath) und die sehr leichtgewichtige Ouvertüre zur Oper „Hunyadi Laszlo“ von Ferenc Erkel. Auch hier ein junger Dirigent, der weiß, was er will und musikalisch wie persönlich zu führen versteht, wie es scheint, sogar leichter und „spielerischer“ als sein Kollege Rözsnyai. Kammerschauspieler Ferenc Krisztian sprach den Monolog des Hamlet. Ihm, dem Pianisten Horvath sowie dem Dirigenten und dem diszipliniert und exakt musizierenden Orchester galt der wohlverdiente Beifall.

Eta Harich-Schneider spielte auf dem Cembalo die „G o 1 d b e r g - V a r i a t io n e n“ von Johann Sebastian Bach und vermochte die 30 organisch aufeinander abgestimmten Stücke in der Tat zu einem hintergründigen, gleichsam metaphysischen Erlebnis zu gestalten. Die geistige Komponente war (trotz des zarten, manchmal allzu zarten Anschlags, der zuweilen auf Kosten der Klarheit ging) so stark, daß kleine technische Unzulänglichkeiten überhört werden konnten und nur die gleichsam nahtlose Aufeinanderfolge der Variationen ohne die kleinste Atempause etwas ermüdend wirkte.

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