Ariadne auf Naxos - © Foto: Anna-Maria Löffelberger

Salzburger Landestheater: Kürzen, kürzen, kürzen

Niemand, kein Autor und kein Komponist, sieht es gern, wenn er eine Arbeit kürzen muss. Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal haben das genüsslich in der „Ariadne auf Naxos“ vorgeführt. Eine Tanztruppe soll mitten in einer klassischen Oper auftreten; das geht doch gar nicht! Geht schon. Man überlasse das nur der Dame von der lustigen Truppe, Zerbinetta, die dem jungen Komponisten zeigt, dass es möglich ist.

Regisseurin Alexandra ­Liedtke lässt in einem großbürgerlichen Haus dieses Fest mit Zimmeroper und Ballett stattfinden und ineinandergreifen, wie vom Hausherrn ­gewünscht. Zerbinetta – Alina Wunderlin – schafft die Voraussetzung ­dafür, dass dieses Gemisch von klassischer Oper mit Ariadne und ­Bacchus (­Betsy Horne und Franz Supper) und der Tanztruppe stattfinden kann. In dieser Inszenierung brilliert Olivia ­Cosío als Komponist, der sich in diese Zerbinetta mit ihren ­sicheren Koloraturen verliebt.

Alles in allem eine gelungene Eröffnung der Spielzeit mit Leslie
Suganandarajah am Pult des kammermusikalisch musizierenden Mozarteumorchesters, vom Publikum bedankt, dass es wieder ins Theater gehen kann.

Die erste Premiere in den Kammerspielen ist die Komödie „Der neue Menoza“ von Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792). Ein Stück des Sturm und Drang, 1774 erschienen, uraufgeführt 1963 in Frankfurt am Main. Es zeigt die damals übliche Kultur- und Gesellschaftskritik, in fünf Akten, 36 Szenen, die eine scheinheilige Welt vorführen, in der Prinz Tandi von Cumba bei der Familie von Biederling auftaucht, um als edler Wilder die angeblich gebildete und zivilisierte Gesellschaft als gierig, verlogen, voll Hass und Hinterhalt kennenzulernen. Sozusagen aktuell für heute.
Auch.

Aber es interessiert für heute das Schicksal dieses Lenz. Ursprünglich von Goethe gefördert, dann fallengelassen, bekam er keinen Fuß mehr auf den Boden; eine Liebe zu Friederike Brion blieb unerwidert, und der psychisch zerrüttete Lette starb mit 41 Jahren elend in Moskau.
„Der neue Menoza“ zeigt, typisch für den Sturm und Drang, keine Entwicklung der Figuren, die einzelnen Szenen überraschen immer wieder: Skye MacDonald ist Prinz Tandi, Patrizia Unger Wilhelmine, die Tochter der Biederlings (Axel Meinhardt und Tina Eberhardt), Marco Dott ist in jeder Hinsicht der hinterhältige Graf ­Camäleon.

Burgschauspielerin Dörte Lyssewski zeigt mit diesem Stück ihre erste
und gelungene Regiearbeit. Von den einzelnen Szenen wäre die eine oder andere aber durchaus entbehrlich.

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