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Musik

Zwischen den Radierfuzeln des Tanganjikasees fließt die Donau

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Er ist auf einem Konzertsaal dahergeschwommen. Drei Jahre lang trieb Hubert von Goisern singend auf hohem Fluss, immer dorthin, wo der Himmel mit der Donau zusammenstößt.

Vor Begegnungen hat er seinen Anker geworfen und ist singend in fremde Kulturen emigriert. Entschlossen, den sicheren Hafen einer Vision zu verlassen. Drei Jahre lang war Hubert von Goisern schließlich mit seinem Konzertschiff auf der Donau unterwegs, in grenzenloser Neugierde, stromabwärts und stromaufwärts, quer durch Europa, von Linz nach Rotterdam bis zum Schwarzen Meer. Gemeinsam mit den Einwohnern der jeweiligen Anrainerstaaten veranstaltete der gebürtige Oberösterreicher klanggewaltige Konzerte. Verständigt hat man sich überall auf musikalisch.

Während dieser Zeit hat von Goisern Tagebuch geführt, ein Logbuch vielmehr, über anfängliche Hürden bei der Umsetzung seines mehrstimmigen Projekts, über seine Erlebnisse und Eindrücke auf Reisen. Im Mai dieses Jahres erschien das Buch unter dem Titel „Stromlinien“.

Ohne Pauken, aber mit Trompeten begann Hubert Achleitner alias Hubert von Goisern seine Karriere als Musiker. Bereits im Alter von fünf Jahren stellte er seine Eltern vor unvollendete Tatsachen: Er möchte Dirigent werden, erklärte ihnen Hubert ganz rustikal. Sein erstes Musikinstrument war eine Trompete, Gitarre und Ziehharmonika folgten. Nach längeren Aufenthalten im Ausland begann er an der Wiener Musikhochschule zu studieren. 1992 gelang ihm der Durchbruch mit seiner Band, den „Alpinkatzen“. Seither erarbeitete der Künstler zahlreiche Projekte, neben musikalischen Intermezzi auch solche in der Film- und Modewelt.

Und dann vor drei Jahren – der Sprung ans kalte Wasser.

Ein entführter Traum

Eigentlich hätte es der Tanganjikasee in Ostafrika werden sollen, diesen hatte der Musiker für seine Vision ursprünglich reserviert gehabt. Die Idee war, ein Festival zu organisieren, mit Künstlern aus allen Volksgruppen, die an den Ufern dieses fast 1000 Kilometer langen und bis zu 1500 Meter tiefen Sees leben. Ein Beitrag zu Einheit und Völkerverständigung. Der nostalgische Traum wurde aber schon bald von der Realität entführt: Ein schwelender Bürgerkrieg im Osten Kongos, köchelnde Unruheherde, Medienberichte züchteten skeptische Bilder und Einstellungen.

Kursänderung. Dann wollte er eben Europa entdecken. Vierzehn europäischen Ländern so etwas wie ein gemeinsames europäisches Gefühl zu geben, war die neue Destination des Musikers. Die Umrisse des Tanganjikasees wurden also vorläufig ausradiert, die Donau trat ins Konzept und floss feinsäuberlich zwischen den grauweißen Radierfuzeln des verblassten Tanganjikasees.

Nun herrschen in Europa zwar keine afrikanischen Verhältnisse, aber auch das Donau-Projekt auf – oder zumindest ans – Wasser zu bringen, erwies sich als nicht ganz so einfach. Die Konzerte sollten allesamt kostenlos veranstaltet werden, Hubert von Goisern und sein Team waren folglich auf öffentliche Unterstützung, auf Subventionen angewiesen. Termine im Bundeskanzleramt, bei Ministern und Staatssekretären, Vertretern der Europäischen Union sollten sich jedoch als störende Ruheherde offenbaren. Außer Anerkennung und blumigen Glückwünschen wuchs dort nämlich nichts, in keine Richtung, weder hinauf noch herüber.

Geohrfeigt von so viel Apathie eines Behördenapparats, schlug Hubert van Goisern zwar nicht zurück, aber einen anderen Weg ein: Noch entschlossener seine Pläne zu verwirklichen, wandte er sich an den Red-Bull-Magnaten Dietrich Mateschitz, der das Projekt über alle Gebühren lobte und auch tatsächlich sponserte.

Eine Transport-Barge wird prompt zu einem Holzschiff umgebaut, die Reise kann endlich beginnen.

Eine Reise, auch für Bibliophile: Hubert von Goiserns Tagebuch ist eine Kette von behutsam aufgefädelten Anekdoten, in die sich immer wieder – aber in wohl erzogener Diskretion – länder- und völkerkundliche Elemente mischen. Der Autor will nicht belehren, auch keine Abenteuer erzählen, sondern die so einfach gewachsene Realität mit dem Leser teilen; ein Protokoll über die zurückgelegten Kilometer einer ausgelebten Vision, fernab von jeglichem Behördendeutsch. Wirklich.

Stromlinien

Ein Logbuch von Hubert von Goisern Residenz Verlag 2010

280 Seiten, E 27,90

Er ist auf einem Konzertsaal dahergeschwommen. Drei Jahre lang trieb Hubert von Goisern singend auf hohem Fluss, immer dorthin, wo der Himmel mit der Donau zusammenstößt.

Vor Begegnungen hat er seinen Anker geworfen und ist singend in fremde Kulturen emigriert. Entschlossen, den sicheren Hafen einer Vision zu verlassen. Drei Jahre lang war Hubert von Goisern schließlich mit seinem Konzertschiff auf der Donau unterwegs, in grenzenloser Neugierde, stromabwärts und stromaufwärts, quer durch Europa, von Linz nach Rotterdam bis zum Schwarzen Meer. Gemeinsam mit den Einwohnern der jeweiligen Anrainerstaaten veranstaltete der gebürtige Oberösterreicher klanggewaltige Konzerte. Verständigt hat man sich überall auf musikalisch.

Während dieser Zeit hat von Goisern Tagebuch geführt, ein Logbuch vielmehr, über anfängliche Hürden bei der Umsetzung seines mehrstimmigen Projekts, über seine Erlebnisse und Eindrücke auf Reisen. Im Mai dieses Jahres erschien das Buch unter dem Titel „Stromlinien“.

Ohne Pauken, aber mit Trompeten begann Hubert Achleitner alias Hubert von Goisern seine Karriere als Musiker. Bereits im Alter von fünf Jahren stellte er seine Eltern vor unvollendete Tatsachen: Er möchte Dirigent werden, erklärte ihnen Hubert ganz rustikal. Sein erstes Musikinstrument war eine Trompete, Gitarre und Ziehharmonika folgten. Nach längeren Aufenthalten im Ausland begann er an der Wiener Musikhochschule zu studieren. 1992 gelang ihm der Durchbruch mit seiner Band, den „Alpinkatzen“. Seither erarbeitete der Künstler zahlreiche Projekte, neben musikalischen Intermezzi auch solche in der Film- und Modewelt.

Und dann vor drei Jahren – der Sprung ans kalte Wasser.

Ein entführter Traum

Eigentlich hätte es der Tanganjikasee in Ostafrika werden sollen, diesen hatte der Musiker für seine Vision ursprünglich reserviert gehabt. Die Idee war, ein Festival zu organisieren, mit Künstlern aus allen Volksgruppen, die an den Ufern dieses fast 1000 Kilometer langen und bis zu 1500 Meter tiefen Sees leben. Ein Beitrag zu Einheit und Völkerverständigung. Der nostalgische Traum wurde aber schon bald von der Realität entführt: Ein schwelender Bürgerkrieg im Osten Kongos, köchelnde Unruheherde, Medienberichte züchteten skeptische Bilder und Einstellungen.

Kursänderung. Dann wollte er eben Europa entdecken. Vierzehn europäischen Ländern so etwas wie ein gemeinsames europäisches Gefühl zu geben, war die neue Destination des Musikers. Die Umrisse des Tanganjikasees wurden also vorläufig ausradiert, die Donau trat ins Konzept und floss feinsäuberlich zwischen den grauweißen Radierfuzeln des verblassten Tanganjikasees.

Nun herrschen in Europa zwar keine afrikanischen Verhältnisse, aber auch das Donau-Projekt auf – oder zumindest ans – Wasser zu bringen, erwies sich als nicht ganz so einfach. Die Konzerte sollten allesamt kostenlos veranstaltet werden, Hubert von Goisern und sein Team waren folglich auf öffentliche Unterstützung, auf Subventionen angewiesen. Termine im Bundeskanzleramt, bei Ministern und Staatssekretären, Vertretern der Europäischen Union sollten sich jedoch als störende Ruheherde offenbaren. Außer Anerkennung und blumigen Glückwünschen wuchs dort nämlich nichts, in keine Richtung, weder hinauf noch herüber.

Geohrfeigt von so viel Apathie eines Behördenapparats, schlug Hubert van Goisern zwar nicht zurück, aber einen anderen Weg ein: Noch entschlossener seine Pläne zu verwirklichen, wandte er sich an den Red-Bull-Magnaten Dietrich Mateschitz, der das Projekt über alle Gebühren lobte und auch tatsächlich sponserte.

Eine Transport-Barge wird prompt zu einem Holzschiff umgebaut, die Reise kann endlich beginnen.

Eine Reise, auch für Bibliophile: Hubert von Goiserns Tagebuch ist eine Kette von behutsam aufgefädelten Anekdoten, in die sich immer wieder – aber in wohl erzogener Diskretion – länder- und völkerkundliche Elemente mischen. Der Autor will nicht belehren, auch keine Abenteuer erzählen, sondern die so einfach gewachsene Realität mit dem Leser teilen; ein Protokoll über die zurückgelegten Kilometer einer ausgelebten Vision, fernab von jeglichem Behördendeutsch. Wirklich.

Stromlinien

Ein Logbuch von Hubert von Goisern Residenz Verlag 2010

280 Seiten, E 27,90