Jagdgesellschaft - Markus Scheumann und Dunja Sowinetz in einer monochromen Inszenierung von Thomas Bernhards „Jagdgesellschaft“.  - © Foto: Susanne Hassler-Smith

Akademietheater "Die Jagdgesellschaft"

1945 1960 1980 2000 2020

Zwischen Schauerromantik und Splatter-Horror-Film

1945 1960 1980 2000 2020

Zwischen Schauerromantik und Splatter-Horror-Film

Wo gejagt wird, fließt Blut. Thomas Bernhards „Jagdgesellschaft“ ist am Akademietheater zur Gänze in Rot gehalten. Das Jagdhaus des Generals (Martin Schwab) sowie seiner Frau (Maria Happel) ist im Aufriss zu sehen: in der Mitte der Salon, flankiert von zwei Kammern, darüber ein Badezimmer und eine Küche mit einem Fleischwolf, bedrohlichen Messern und allerlei gruseligen Requisiten. Bei den Kostümen wie auch bei der Meublage dominiert roter Latex.

Die österreichische Nachkriegsgesellschaft hat Blut an den Händen, nicht nur an den Händen, sie ist durch und durch blutrünstig. Die 33-jährige Münchner Regisseurin Lucia Bihler hat Bernhards Stück zwischen Schauerromantik und Splatter-Horror-Film angesiedelt. Ihr Interesse gilt mehr der Bildsprache als den Dialogen, wobei Bernhards Dramen ohnehin nicht sehr dialogisch sind.

Die Opfer dieser mörderischen Gesellschaft sind unschuldig weiß: Zwei echte Kaninchen werden sanft gestreichelt, bevor sie später als Ragout auf die Teller kommen. Dunja Sowinetz faschiert als Köchin Anna das Fleisch, die Augenklappe verrät, dass man hier leicht zu Schaden kommt. Die akustisch verstärkten Schritte des geheimnisvollen Holzknechts und Totengräbers Asamer (Jan Bülow) machen die Bedrohungen spür- und hörbar, von denen der General allerdings noch nichts ahnt: Wie sein Wald vom Borkenkäfer zerfressen, so wird seine Sehkraft vom Grauen Star systematisch zerstört.

Die Gespenster der Vergangenheit übernehmen auf magische Weise die Herrschaft, sie nehmen Rache an den Verbrechen dieser selbstgerechten Herrenmenschen. An Rücktritt denkt der wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ dazu aufgeforderte General keineswegs, vielmehr schwadroniert er – wie der zum Zeitvertreib der Generalin eingeladene Schriftsteller (Markus Scheumann) – vor sich hin. Ganz im Bernhard’schen Duktus wird über Naturkunstkatastrophen und Kunstnaturkatastrophen gestritten, doch was erzählt wird, bleibt belanglos. Dass sich hinter der Maske der Bildung und Kunstsinnigkeit eiskalte Opportunisten verbergen, darauf verweisen die beiden Minister (Robert Reinagl, Arthur Klemt). Auch ist dieser Typus bereits in Miniatur vorhanden: Zwillinge (Wiener Sängerknaben) singen mit glockenheller Stimme und richten die Gewehre aufeinander.

Bei ihrer Uraufführung 1974 war „Die Jagdgesellschaft“ eine Sensation. Was Bernhard damals zu sagen hatte, war voll politischer Sprengkraft. Dass diese Wut Abnutzungserscheinungen erlitten hat, macht die Inszenierung deutlich sichtbar.

Wo gejagt wird, fließt Blut. Thomas Bernhards „Jagdgesellschaft“ ist am Akademietheater zur Gänze in Rot gehalten. Das Jagdhaus des Generals (Martin Schwab) sowie seiner Frau (Maria Happel) ist im Aufriss zu sehen: in der Mitte der Salon, flankiert von zwei Kammern, darüber ein Badezimmer und eine Küche mit einem Fleischwolf, bedrohlichen Messern und allerlei gruseligen Requisiten. Bei den Kostümen wie auch bei der Meublage dominiert roter Latex.

Die österreichische Nachkriegsgesellschaft hat Blut an den Händen, nicht nur an den Händen, sie ist durch und durch blutrünstig. Die 33-jährige Münchner Regisseurin Lucia Bihler hat Bernhards Stück zwischen Schauerromantik und Splatter-Horror-Film angesiedelt. Ihr Interesse gilt mehr der Bildsprache als den Dialogen, wobei Bernhards Dramen ohnehin nicht sehr dialogisch sind.

Die Opfer dieser mörderischen Gesellschaft sind unschuldig weiß: Zwei echte Kaninchen werden sanft gestreichelt, bevor sie später als Ragout auf die Teller kommen. Dunja Sowinetz faschiert als Köchin Anna das Fleisch, die Augenklappe verrät, dass man hier leicht zu Schaden kommt. Die akustisch verstärkten Schritte des geheimnisvollen Holzknechts und Totengräbers Asamer (Jan Bülow) machen die Bedrohungen spür- und hörbar, von denen der General allerdings noch nichts ahnt: Wie sein Wald vom Borkenkäfer zerfressen, so wird seine Sehkraft vom Grauen Star systematisch zerstört.

Die Gespenster der Vergangenheit übernehmen auf magische Weise die Herrschaft, sie nehmen Rache an den Verbrechen dieser selbstgerechten Herrenmenschen. An Rücktritt denkt der wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ dazu aufgeforderte General keineswegs, vielmehr schwadroniert er – wie der zum Zeitvertreib der Generalin eingeladene Schriftsteller (Markus Scheumann) – vor sich hin. Ganz im Bernhard’schen Duktus wird über Naturkunstkatastrophen und Kunstnaturkatastrophen gestritten, doch was erzählt wird, bleibt belanglos. Dass sich hinter der Maske der Bildung und Kunstsinnigkeit eiskalte Opportunisten verbergen, darauf verweisen die beiden Minister (Robert Reinagl, Arthur Klemt). Auch ist dieser Typus bereits in Miniatur vorhanden: Zwillinge (Wiener Sängerknaben) singen mit glockenheller Stimme und richten die Gewehre aufeinander.

Bei ihrer Uraufführung 1974 war „Die Jagdgesellschaft“ eine Sensation. Was Bernhard damals zu sagen hatte, war voll politischer Sprengkraft. Dass diese Wut Abnutzungserscheinungen erlitten hat, macht die Inszenierung deutlich sichtbar.

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